Die XXIII. Olympischen Winterspiele in Pyeongchang (9. – 25. Februar 2018) sind auch wieder Historie. Das Olympia-Maskottchen 2018, der weiße Tiger Soohorang, verabschiedete die Sportjugend der (Winter-)Welt. 2020 zu den Sommerspielen in Tokyo und 2022 zu den Winterspielen in Peking wird sich diese wieder treffen.

Deutsches Olympia-Team wieder in der Erfolgsspur

Das deutsche Olympiateam – bei den Spielen von Sotschi 2014 auf Platz sechs im Medaillen-Ranking – kam beeindruckend in die Erfolgsspur zurück und konnte 31 Medaillen, darunter vierzehnmal Gold, in Empfang nehmen. Rang zwei im Medaillenspiegel! Besser war nur das norwegische Olympia-Team aus Norwegen mit 39 Medaillen, darunter vierzehnmal Gold.

Ansonsten waren auch die Teams aus Kanada, den Niederlanden (dank der Eisschnellläuferinnen bzw. Eisschnellläufer und der „Short Track-Fraktion“), Schweden, Südkorea, der Schweiz, Frankreich, Österreich, Japan, Italien und Russland sehr stark. Insgesamt schafften 30 Länder Medaillen in Pyeongchang, darunter 22 Nationen eine oder mehrere Goldmedaillen, bei 102 Entscheidungen in 13 Sportarten mit rund 3000 Sportlerinnen/Sportlern aus 92 Staaten.

Eiskunstlauf – Symbolfoto

Ein besonderer Höhepunkt der Winterspiele 2018 – nicht nur aus deutscher Sicht – war zweifellos die Gold-Kür von Aliona Savchenko/Bruno Massot im Paarlaufen. Eine einzigartige Darbietung aus Sport, Ästhetik, Kunst und Emotionen. Das Gleiche gilt für die Eistanz-Kür des kanadischen Duos Tessa Virtue/Scott Moir. Alter und neuer Eisprinz wurde Yuzuru Hanyu. Zur neuen olympischen Eisprinzessin avancierte hingegen die fünfzehnjährige Alina Zagitova aus Russland.

Deutscher Überraschungssieg im Frauen-Zweierbob

Laura Dahlmeier, zweifache Olympiasiegerin im Biathlon in Pyeongchang. Foto: Deutscher Skiverband

Nach der „Gold-Kati“, der „Gold-Uschi“ bzw. der „Gold-Lena“ folgte im Frauen-Biathlon nun „Gold-Laura“. Laura Dahlmeier begeisterte mit ihrem unbekümmertem und bodenständigem Auftreten nicht nur die Fans des wintersportiven Zweikampfs. Beste Olympia-Bobfahrerin aller Zeiten wurde in Pyeongchang die Kanadierin Kaillie Humphries, die nach Gold 2010 und 2014 nun Bronze im Zweierbob erkämpfte. Gold gewann überraschend das deutsche Duo Mariama Jamanka/Lisa Buckwitz, das als zweites deutsches Team galt und das viele gar nicht auf der Rechnung hatten.

Bob-Pilot Francesco Friedrich (BSC Sachsen Oberbärenburg) triumphierte bei den Herren sowohl im Zweier-Bob als auch im Vierer-Bob. Nach Anderl Ostler (Deutschland) 1952, Eugenio Monti (Italien) 1968, dem Rüganer Meinhard Nehmer 1976, Wolfgang Hoppe (Deutschland) 1984 und Andre Lange (Deutschland) 2006 ist Francesco Friedrich der sechste Bob-Pilot, dem olympisches Doppel-Gold bei den selben Winterspielen gelang. Einem weiteren Doppelsieger, dem Russen Andrej Subkow wurden dessen zwei Goldmedaillen von vor vier Jahren in Sotschi wegen Dopings aberkannt.

Überhaupt der Schlittensport: Wieder einmal „fuhren“ die Deutschen mit dem „Rest der Welt“ tatsächlich „Schlitten“. Zwar war die Dominanz der deutschen Teams dort nicht erdrückend, aber doch deutlich. Natalie Geisenberger ist nunmehr mit viermal Gold, einmal Bronze zwischen 2010 und 2018 die beste Rennrodlerin der Olympia-Geschichte.

Zwischen Nordischer Kombination und Skispringen

Die deutschen Nordischen Kombinierer erwiesen sich als „Nordische Dominierer“. Johannes Rydzek, Eric Frenzel, Fabian Rießle und Vinzenz Geiger holten alle drei Goldenen in dieser Disziplin.  Eric Frenzel ist nunmehr der erfolgreichste deutsche Nordische Kombinierer aller Olympia-Zeiten. Seit 2010 erkämpfte er unter den fünf olympischen Ringen dreimal Gold, einmal Silber, zweimal Bronze.

Im Skispringen lieferten sich Norwegen, Andreas Wellinger und Kamil Stoch aus Polen einen Dreikampf. Auch die Frauen sprangen weit: Maren Lundby aus Norwegen etwas weiter als Katharina Althaus vom deutschen Team.

Kräfteverhältnisse kompakt und in einzelnen Sportarten

Die großen Vier – Norwegen, Deutschland, Kanada und die USA – bestimmten ansonsten das sportliche Geschehen. Die Niederländer „räumten“ im Eisschnelllaufen kräftig „ab“. Österreich, Frankreich, Italien, die Schweiz, Japan und sogar Großbritannien können und dürfen zufrieden sein. Großbritannien avancierte mit einmal Gold und zweimal Bronze zur Skeleton-Nation Nummer eins in Pyeongchang. Im Skisport-Alpin waren Österreich, Norwegen und die Schweiz die Top-Nationen. Im Snowboarden scheffelten die USA viele Medaillen, wobei Shaun White in der Halfpipe nach Turin 2006 und Vancouver 2010 sein drittes Olympia-Gold errang. Den ersten olympischen Curling-Mixed-Wettkampf entschied Kanada für sich.

Im Skilanglauf bestimmten maßgeblich die Norwegerinnen bzw. Norweger, wo es zu den Medaillen ging, wobei im Frauen-Teamsprint der Frauen Jessica Diggins/Kikkan Randall das erste Skilanglauf-Gold für die USA in der Olympia-Geschichte „schürften“. Die große Marit Björgen komplettierte in Pyeongchang ihre imponierende Medaillensammlung bei Winter-Olympia seit 2002 weiter: 15 Medaillen, darunter achtmal Gold.

Ein Schweizer imponierte auch wieder einmal: Skilangläufer Dario Cologna. Nach Gold 2010 über 15 Kilometer (Freistil), Doppel-Gold 2014 im Skiathlon bzw. über 15 Kilometer (klassisch) sicherte er sich 2018 wieder Gold über 15 Kilometer (Freistil).

Symbolfoto – Eisschnellauf

Im Short Track errang Südkorea – „natürlich“ – die meisten Medaillen (sechs), aber nicht so viele wie erwünscht. Die ungarische Herren-Staffel im Short Track holte dabei die erste Goldmedaille bei Olympischen Winterspielen für die „Magyaren“ überhaupt. Die Niederlande kamen 2018 endlich zu ihrer ersten „richtigen“ Olympia-Goldmedaille im Short Track durch Suzanne Schulting über 1000 Meter, nachdem es im Kurzbahn-Eisschnelllauf 1988 bereits „olympisches Demonstrations-Gold“ durch die Herren-Staffel und Monique Velzeboer über die 500 Meter gegeben hatte. Ähnliches gilt für Italien: Hier kam Arianna Fontana über 500 Meterzum ersten „richtigen“ Olympia-Gold“ im Short Track für die „Azzuri“, nachdem die italienische Frauen-Staffel bereits 1988 olympisches Demonstrations-Gold erkämpfte.

Erfolgreichstes Land im Ski-Freestyle wurde hingegen Kanada. Mikael Kingsbury schaffte nach Silber 2014 in Pyeongchang Gold auf der Buckelpiste.

Für das Biathlon-Ehepaar Darya Domratschawa (Weißrussland) und Ole Einar Björndalen (Norwegen), seit 2016 „unter der Haube“, gab es 2018 die olympischen Medaillen Nummer 18 und 19 -freilich nur für Darya, die in Pyeongchang Silber im Massenstart (hinter Anastasija Kuzmina aus der Slowakei) und mit der weißrussischen Staffel gewann. Für Darya lautet die eigene Medaillen-Sammlung seit 2010 viermal Gold, einmal Silber, einmal Bronze. Gatte Ole Einar Björndalen, der sich für Winter-Olympia 2018 nicht qualifizieren konnte, schaffte von 1998 bis 2014 insgesamt achtmal Gold, viermal Silber, einmal Bronze.

Die erste olympische Snowboard-Medaille für Südkorea erlangte Lee Sang-ho im Parallel-Riesenslalom der Herren. Die Tschechin Ester Ledecka sorgte mit ihren Goldmedaillen 2018 im alpinen Super-G und im Snowboarden (Parallel-Riesenslalom der Damen, vor den beiden ausgezeichneten deutschen Athletinnen Selina Jörg und Ramona Theresia Hofmeister) für ein Novum in der olympischen Historie.

Zum ersten Olympia-Gold für Südkorea im Schlittensport fuhr Yun Sung-bin im Herren-Skeleton. Sein Landsmann Won Yun-jong holte mit Silber im Vierer-Bob (zeitgleich mit dem deutschen Bob von Nico Walther) die erste Olympia-Bob-Medaille für den Olympia-Gastgeber 2018. Und die erste olympische Curling-Medaille „erwischte“ das südkoreanische Frauen-Team für ihr Heimatland.

Ungarn erlebte in Pyeongchang ebenfalls eine „goldige Premiere“: Das erste Olympia-Gold bei Winterspielen schaffte – fast sensationell – die ungarische Herren-Staffel im Short Track.

Symbolfoto – Eishockey

Eishockey-Sensation für Schwarz-Rot-Gold

Die Olympiasiege im Eishockey sicherten sich in Pyeongchang letztendlich die USA bei den Frauen (vor Kanada) und Russland (vor Deutschland) bei den Herren. Der Final-Einzug der deutschen Eishockey-Auswahl mit spektakulären Erfolgen über die Schweiz und dann vor allem gegen Schweden und Kanada war die Sensation der Winterspiele 2018. Im Finale brachte die deutsche Auswahl von Team-Chef Marco Sturm die russische Mannschaft an den Rand einer Niederlage. Unglücklich mit 3:4 nach Verlängerung unterlag Deutschland dem nunmehr neunfachen Olympiasieger im Herren-Eishockey Russland (einschließlich der Erfolge der UdSSR und der GUS). Damit hat Russland im Herren-Eishockey so viele Olympiasiege wie Kanada, das 2018 Rang drei belegte.

Politik und Kommerz mit olympischen Hauptrollen

Neben dem Sport spielten allerdings – und leider – auch Politik, Kommerz, Umweltfrevel, teilweise widrige bzw. unfaire Wettkampf-Bedingungen, Gigantismus und Doping (nicht nur mit Blick auf Russland) wesentliche Hauptrollen. Ob die Annäherung von Nord- und Südkorea nur eine Episode bleiben wird, wird sich zeigen.

Die ersten Anzeichen einer erneuten Abkühlung der innerkoreanischen Beziehungen deuteten sich bereits während der Winterspiele  an. Das macht nicht gerade hoffnungsvoll. Der ganze olympische Winterspaß in der winterolympischen Retorten-Region Pyeongchang wird wohl 11 Milliarden Euro plus x kosten. Eine nachhaltige Nutzung der Sportstätten und Sportanlagen ist nicht gesichert – im Gegenteil.

Damit reiht sich Pyeongchang in die Liste künstlich „hoch gejazzter“ Wintersport-Orte ein, wie unter anderem Albertville 1992, Nagano 1998, Turin 2006 oder Sotschi 2014, und dann in Vergessenheit gerieten bzw. zum Sinnbild des olympischen Scheiterns wurden. Wenn aber Winterspiele vor allem den Zweck verfolgen sollen, neue Wintersport-Märkte zu erschließen und für Profit (aus Sicht des IOC) zu sorgen, dann werden diese „irgendwann“ obsolet.

Baron de Coubertin, der Begründer der Olympischen Spiele der Neuzeit, wollte keine Gigantismus, keine Sportprofis und keine Ranglisten. Heute haben wir genau das! Coubertins olympischen Ideale wurden in Pyeongchang zweifellos nicht Realität, aber das war auch nicht zu erwarten. „Geld regiert die Welt!“, das galt auch für die Winterspiele 2018. Ob alles „sauber“ zuging, werden die Doping-Kontrollen zeigen, die hoffentlich objektiv und kompetent durchgeführt wurden bzw. werden.

Die Sportlerinnen und Sportler sollten im Fokus stehen…

Das ändert aber nichts an den großartigen Leistungen der meisten Sportlerinnen und Sportler vor Ort, ob sie nun Marcel Hirscher, Viktoria Rebensburg, Lindsey Vonn, Martin Fourcade, Cassie Sharpe, Shaun White, Wu Dajing, Yun Sung-bin, Arianna Fontana, Choi Min-jeong, Sven Kramer, Francesco Friedrich, Mikaela Shiffrin, Danny aus den Birken, Akito Watabe, usw. heißen. Sie lebten ihre olympischen Traum, für den sie in den letzten Jahren ungemein viele Entbehrungen auf sich nahmen, den sie sich erfüllen wollten. Ob es nun Medaillen gab oder nicht, ist eigentlich zweitrangig.

Felix Neureuther, Stefan Luitz, Bente Kraus, Heidi Zacher, Lisa Zimmermann, Severin Freund, Natalie Weinzierl oder Svenja Würth, nur acht Beispiele aus deutscher Sicht, die gute olympische Perspektiven 2018 hatten und verletzungsbedingt in Pyeongchang nicht dabei sein konnten, sollen aber auch nicht unerwähnt bleiben. Sie trainierten ebenfalls extrem hart und mußten kurz vor Olympia schwere Verletzungen hinnehmen. Die Snowboarderin Silvia Mittermüller, von schweren Verletzungen in den letzten Jahren immer wieder heimgesucht, wollte sich ihren olympischen Traum endlich 2018 erfüllen. Sie war bereits vor Ort – und verletzte sich aufgrund widriger Bedingungen beim Training schwer. Eine Teilnahme am eigentlichen Wettkampf war nicht mehr möglich.

Eines bleibt noch in Erinnerung, gerade aus deutscher Sicht: Das erfolgreiche, sympathische und natürliche Auftreten der deutschen Sportlerinnen und Sportler. Und das ist es doch, was zählen sollte! Die deutschen Erfolge von Pyeongchang 2018 bewiesen auch, was bei entsprechender und effizienter Förderung von Talenten und Begabungen auch in Deutschland möglich ist.

Von den Winter-Olympics zu den Winter-Paralympics

Zwölf Tage nach den XXIII. Olympischen Winterspielen in Pyeongchang folgen die XII. Paralympischen Winterspiele, vom 9.März 2018 bis 18.März 2018, an gleicher Stelle. Auch dort gehören die deutschen Athletinnen und Athleten zu den Favoritinnen bzw. Favoriten auf Edelmetall.

 


 

Rückblende – Vor 30 Jahren: Die Olympischen Winterspiele 1988 in Calgary

Vor 30 Jahren fanden die XV. Olympischen Winterspiele vom 13. bis 28.Februar 1988 in Calgary/Kanada statt. 12 Jahre nach den Olympischen Sommerspielen in Montreal 1976 gastierten die Spiele also wieder wieder in Kanada und setzteen Maßstäbe in puncto Herzlichkeit, Toleranz und Gastfreundschaft.

Calgary ’88 – das waren Spiele der ganz großen Emotionen, zum Beispiel  als der gebürtige Güstrower Frank-Peter Roetsch zweifacher Olympiasieger im Biathlon wurde, Kati Witt den Dreikampf mit Liz Manley (Kanada) und Debbie Thomas im Eiskunstlaufen gewann, der Finne Matti Nykänen dreimal von der Sprungschanze triumphierte, die Geschwister Duchesnay das Eistanzen revolutionierten und hoffnungslos unterbewertet wurden, die Bob- und Rodelbahn ihre Tücken hatte, die sowjetischen Eishockey-Cracks wieder einmal triumphierten, die Holländerin Yvonne van Gennip so manchen DDR-Goldtraum im Eisschnelllauf zunichte machte und die letztmals auf der Bühne der Winterspiele präsenten Sowjetunion und DDR Platz eins des Medaillenspiegels unter sich ausmachten, denn 20 Monate später sollte sich die politische Welt nachhaltig verändern …

Herausragende Leistungen…

Bei den Winterspielen`88 gab es eine Reihe herausragender Leistungen, eine ungemeine Begeisterung auf den Zuschauer-Rängen, Wetter-Kapriolen, umstrittene Preisrichter-Entscheidungen (im Eiskunstlaufen) und den (damals noch nicht erahnten) Abschied zweier großer Sport-Nationen – der DDR und der Sowjetunion.

46 Entscheidungen standen auf dem olympischen Programm – hinzu kamen noch Wettbewerbe in den Demonstrationssportarten Curling, Trick-Ski, Short Track und Nordischer sowie Alpiner Skisport für Athletinnen und Athleten mit Handicap. Einen ersten Höhepunkt gab es, als die erst 12-jährige Eiskunstläuferin Robyn Perry als letzte Fackelläuferin fungierte und dafür viel Applaus im Stadion erhielt. Mehr als 1.400 Wintersportlerinnen und –sportler aus 57 Ländern nahmen teil und in den Tagen zwischen dem 14. und 28. Februar gab es den erwarteten Zweikampf zwischen der Sowjetunion und der DDR.

UdSSR vor DDR

Mit 11 x Gold zu 9 x Gold setzte sich der „große Bruder“ gegen den „kleinen Bruder“ durch, was vor allem daran lag, dass die Eisschnellläuferinnen um Karin Kania sowie Andrea Ehrig nicht die erhofften Goldmedaillen über 1500, 3000 sowie 5000 Meter gewannen. Die fliegende Holländerin Yvonne van Gennip ließ die DDR-Läuferinnen jeweils hinter sich. Und auch im Bobsport gab es nicht das erhoffte DDR-Gold. „Sand in der Bahn“ bedeutete bei manchen Bobs auch „Sand im Getriebe“ – die Bobsportwettbewerbe in Calgary waren „dank“ der Windböen des „Chinook“, des warmen Fallwindes, auch eine Glückslotterie. Während der Sieg im Zweier-Bob an die lettisch-russische Kombination Janis Kipurs und Wladimir Koslow ging, waren die Schweizer um Ekkehard Fasser im Vierer-Bob erfolgreich. Für die Hoppe-Bobs aus der DDR sollte es zweimal Silber geben.

11 x Gold für Deutsche aus Ost und West

Dass die Deutschen aus Ost und West letztendlich aber dennoch auf insgesamt 11 x Gold kamen, ist ein Verdienst der westdeutschen Nordisch Kombinierten, die mit Hans-Peter Pohl, Hubert Schwarz und Thomas Müller den Team-Wettbewerb gewannen. Im Abfahrtslauf siegte Marina Kiehl – das zweite Gold für Deutschland-West. Außerdem gab es für Deutschland-West noch drei weitere Goldmedaillen 1988 in den olympischen Demonstrationswettbewerben – durch Tatjana Mittermayer sowie Hermann Reitberger im Ski-Freestyle und durch Alexander Spitz im Alpinen Skisport für Athleten mit Handicap.

Große Momente

Für große Momente sorgten Matti Nykänen im Skispringen, Katarina Witt, Brian Boitano, Brian Orser sowie Jekaterina Gordejewa und Andrej Grinkow im Eiskunstlaufen, Alberto Tomba und Vreni Schneider im Alpinen Skisport, Tomas Gustafsson und bereits genannte Yvonne van Gennip im Eisschnelllauf, die Sbornaja im Eishockey oder die deutschen Rennrodler aus Ost und West. Gastgeber Kanada gewann schon wie bei den Sommerspielen 1976 in Montreal erneut keine Goldmedaille, konnte aber in den Demonstrationswettbewerben im Curling, Short Track und Trick-Ski insgesamt drei Siege erringen.

Für furiose und kuriose Momente sorgten 1988 „Eddie, the Eagle“, der Brite Eddie Edwards, im Skispringen und der Jamaika-Bob. In Anlehnung an die Olympia-Teilnahme der jamaikanischen Bobsportler entstand der Spielfilm „Cool Runnings“. Der „Chinook“ sorgte für Terminverschiebungen im Skispringen, im Nordischen Skisport und im Alpinen Skisport.

Olympia-Begeisterung, die nachhallt

Dafür setzte die Olympia-Begeisterung der Kanadierinnen und Kanadier 1988 Maßstäbe für die Zukunft. Es gab 6,6 Millionen Interessenten für den olympischen Fackellauf, 300000 meldeten sich als ehrenamtliche Helferinnen und Helfer und weit mehr als 1,3 Millionen Zuschauer sahen die Wettkämpfe vor Ort. Das „Olympic Saddledome“ für Eiskunstläufer und Eishockeyspieler, das Olympic Oval für die Schnellläufer oder das Skistadion Canmore waren ausgezeichnete Wettkampfstätten.

Die größten Sympathien erwarben neben den sportbegeisterten Kanadiern und den Sportlern aus aller Welt auch zwei Polar-Bären: Hidy und Howdy waren die glücklichen Olympia-Maskottchen.

Short Track – die olympische Demonstrationssportart

Auch eine Sportart mit bester Rostocker Sport-Tradition wurde in Calgary olympisch demonstriert – Short Track. Short Track, der Kurzbahn-Eisschnelllauf, ist mittlerweile seit 21 Jahren ein Bestandteil Olympischer Winterspiele. In Calgary 1988, wie erwähnt,  noch olympisch demonstriert, wurde Short Track 1992 in Albertville fester Bestandteil Olympischer Winterspiele. In der Max-Bell-Arena hatten die Kurzbahn-Eischnellläuferinnen und – Eisschnellläufer ein Heimspiel, ist der Kurzbahn-Eischnelllauf in Nordamerika ähnlich beliebt wie in den USA, China, Korea oder Japan.

Der erfolgreichste Teilnehmer in Calgary war ein Brite: Wilfred O`Reilly gewann sowohl über die 500 als auch über die 1000 Meter. Lokal-Matadorin Sylvie Daigle setzte sich über die 1500 Meter durch. Erfolgreichste Short Track-Nation bei den olympischen Demonstrationswettbewerben wurden jedoch die Niederlande mit 2 x Gold, 2 x Silber und 1 x Bronze vor Großbritannien bzw. Südkorea mit jeweils 2 x Gold, Kanada mit 1 x Gold, 6 x Silber und 3 x Bronze, Italien mit 1 x Gold, 1 x Silber und 2 x Bronze, Japan mit jeweils einmal Gold, Silber und Bronze und China mit einmal Gold und 2 x Bronze. Die Zuschauer-Begeisterung erreichte echte olympische Dimensionen und so sollten die Short Tracker ab 1992 zu „richtigen“ olympischen Ehren gelangen.

Winter-Paralympics 1988 in Innsbruck und Umgebung

Die Winter-Paralympics 1988, die damals zum vierten Mal stattfanden, wurden knapp drei Wochen vor den Winterspielen ausgetragen: vom 17. bis 24. Januar in Innsbruck und Umgebung. Norwegen wurden bei diesen Winter-Paralympics mit 25 x Gold, 21 x Silber, 14 x Bronze erfolgreichstes Land. (West-)Deutschland belegte im Medaillenspiegel Rang drei mit 9 x Gold, 11 x Silber, 10 x Bronze.

 


 

„Canada versteht es, Völker zu verbinden…“

Interview von M.M. mit dem früheren  Erfolgs-Biathleten Frank-Peter Roetsch, 1964 in Güstrow geboren, für die SG Dynamo Zinnwald startend und unter anderem Olympia-Zweiter (Einzel) 1984 in Sarajevo, zweifacher Olympiasieger (Sprint, Einzel) 1988 in Calgary bzw. nochmaliger Olympia-Teilnehmer 1992 in Albertville, aus dem Jahr 2009 (Beitrag / rostock-sport.de)

Frage: Herr Roetsch, bei den letzten Olympischen Winterspielen in Kanada, in Calgary 1988, die zugleich ebenfalls die letzten Spiele waren, an denen ein DDR-Olympia-Team teilnahm, gewannen Sie zweimal Gold. Vier Monate vor Vancouver – kommt da ein wenig sportliche und persönliche Wehmut auf? Würden Sie gern noch einmal aktiver Biathlet sein?

Frank-Peter Roetsch: Meine aktive Zeit war eine schöne erfolgreiche Zeit, aber irgendwann endet eine sportliche Karriere. Ich erinnere mich immer wieder gern aber ohne Wehmut an diese Zeit. Die jetzt aktiven Sportler haben einen enormen Aufmerksamkeitsgrad, für den wir mit unseren Leistungen ebenfalls gesorgt haben. Ich freue mich für unsere Sportart.

Frage: Sie nahmen insgesamt an drei Olympischen Winterspielen teil – 1984 in Sarajevo, 1988 in Calgary und 1992 in Albertville. Unabhängig vom sportlichen Erfolg: Welche Winterspiele waren für Sie die schönsten, bei welchen sammelten Sie die nachhaltigsten Eindrücke ?

Frank-Peter Roetsch: In diesem Fall sind die erfolgreichsten auch die nachhaltigsten Spiele. Canada versteht es, Völker zu verbinden, das imponiert mir am meisten. Die Freundlichkeit, Herzlichkeit und Offenheit der Gastgeber von Calgary spürt man noch heute.

Frage: Der Biathlon ist die deutsche Erfolgs-Wintersportart. Welche heutigen Biathletinnen und Biathleten beeindrucken Sie persönlich am meisten ?

Frank-Peter Roetsch: Der absolut beeindruckendste Biathlet ist mit Abstand Ole Einar Björndalen. Seine Konsequenz, seine Zielstrebigkeit und Perfektion setzen Maßstäbe.

Frage: Sie wurden 1964 in Güstrow geboren. Wie gelangten Sie vom beschaulichen Güstrow aus in die weite Biathlon-Welt ?

Frank-Peter Roetsch: Ich bin zwar in Güstrow geboren, aber aufgewachsen bin ich im Erzgebirge und da wurde Wintersport schon immer groß geschrieben.

Frage: Was machen Sie heute eigentlich? Wie sieht Ihr gegenwärtiges Leben aus? Sind Sie dem Biathlon noch in irgendeiner Weise verbunden? Werden Sie vor Ort in Vancouver sein?

Frank-Peter Roetsch: Ich bin Freiberufler, arbeite als Trainer in der Wirtschaft, halte Vorträge und Seminare zum Thema „Sport Meets Buisness“, betreue die Deutsche Kreditbank im Sportmarketingbereich und habe eine Biathlon-Laseranlage , die ich bei Veranstaltungen von Firmen einsetze.

Letzte Frage: Sind Sie eigentlich noch „ab und zu“ in Mecklenburg-Vorpommern?

Frank-Peter Roetsch: Eine meiner freiberuflichen Tätigkeiten, nämlich die Arbeit für ein Nachwuchsförderprogramm „Verbundnetz für den Sport“, führt mich „ab und zu“ zum OSP Mecklenburg-Vorpommern. Wir unterstützen dort unter anderem Nachwuchssportler.

Vielen Dank und alles erdenklich Gute für Sie und Ihre Familie!

 

Text: Marko Michels