Dr. Egbert Schulze, Präsident des Deutschen Rollsport- und Inline-Verbandes (DRIV) im Gespräch

Das Jahr 2018 geht auch für die acht Sportarten des Rollsportes allmählich in den Endspurt. Zahlreiche internationale und nationale Meisterschaften standen für die Athletinnen und Athleten des Deutschen Rollsport- und Inline-Verband (DRIV) bereits auf dem Programm.

Im Gespräch resümmiert DRIV-Präsidenten Dr. Egbert Schulze das vergangene Jahr, spricht über die Erfolge des Verbandes, die Aufnahme des Skateboardens in das olympische Programm und den Landesverband Mecklenburg-Vorpommern…

Inline-Hockey

Inline-Hockey Symbolfoto

Interview

„Das Jahr 2018 war für den DRIV sehr erfolgreich…“

Frage: Herr Dr. Schulze, das rollsportliche Jahr geht allmählich ins Finale. Wie bewerten Sie die vergangenen 10 Monate aus Sicht des DRIV?

Dr. Egbert Schulze: Das Jahr 2018 war für den DRIV sehr erfolgreich, wobei man zwischen den acht verschiedenen Sportarten differenzieren muß. Besonders hervorheben möchte ich die Speedskater, die wieder Welt- und Europameistertitel gewinnen konnten. Mit Angelina Otto nahm zum ersten Mal eine junge Speedskaterin des DRIV an den Olympischen Jugendspielen in Buenos Aires teil. Und die Skateboarder haben Anfang Oktober ihre erste Park-Weltmeisterschaft in Nanjing ausgetragen und mit Tyler Edtmayer schaffte es ein deutscher Skateboarder bis ins Halbfinale.

Frage: Eine andere der acht Sportarten ist das Skatebording. Die Trendsportart steht in Tokyo 2020 auf dem olympischen Programm. Gibt es in Deutschland dafür schon Kader- und Perspektiv-AthletInnen? Wie gestaltet sich überhaupt das internationale Leistungsniveau?

Dr. Egbert Schulze: Der DRIV hat seit 2017 einen Skateboard-Kader, der im Rahmen der Sportförderung für die neuen (vorübergehenden) olympischen Verbände sehr gut unterstützt wird. Die Kadersportler sind weltweit zu den Trainingsaufenthalten und Wettkämpfen unterwegs. Wir haben zwei Bundestrainer und seit 2018 auch in Regionalkonzept mit fünf regionalen Trainingsstützpunkten. Für 2019 wurden 15 SportlerInnen in den Kader berufen. Aus diesem Kreis werden die Teilnehmer für die olympischen Qualifikationswettbewerbe ausgewählt.

Führend in den Skateboard-Disziplinen sind besonders die Sportler aus den USA, Brasilien, Japan. In Europa sind es Frankreich, Spanien, Italien, aber auch in vielen anderen Ländern gibt es einzelne Sportler, die sich um die Olympia-Startplätze bewerben werden.

Frage: Was macht das Skateboarding aus? Wo liegt der sportive Mehrwert in dieser Sportart? Einige sportliche Traditionalisten waren 2016 doch sehr erstaunt, dass es olympisch wurde…

Dr. Egbert Schulze: Die Skateboard-Szene ist weiterhin gespalten über die Frage, ob die Olympia-Teilnahme einen Nutzen für die Weiterentwicklung dieser Sportart hat. Die Grund-Idee des IOC ist natürlich darin begründet, mit den fünf neuen olympischen Sportarten die Jugend mehr in das Wettkampfgeschehen einzubeziehen, aktuelle Trends aufzugreifen und die olympischen Spiele insgesamt zu modernisieren.

Wir haben in den letzten Monaten erlebt, dass auch Skateboard ein strukturiertes Wettkampfsystem entwickeln kann. Die Vorteile der Olympia-Teilnahme liegen sicherlich besonders im Bereich der Entwicklung der Sportstätten. So wurde mit der Austragungsstätte der Deutschen Meisterschaften 2018 in Düsseldorf mit dem Skatepark Eller ein erster neuer Outdoor-Skatepark gebaut, weitere Projekte im Indoor und Outdoor-Bereich sind in der Planung. Davon wird die gesamte Skateboardszene, ob mit Olympia oder nicht, profitieren.

Letzte Frage: Zum DRIV: Wie viele Mitglieder zählt Ihr Verband eigentlich?

Dr. Egbert Schulze: Wir haben insgesamt mehr als 37.000 Mitglieder. Den stärksten Zuwachs gab es in den letzten Jahren natürlich im Skateboarding, wo viele neue Vereine den Weg in die Strukturen des organisierten Sports finden.

Frage: Auch Mecklenburg-Vorpommern hat einen Landesverband. Wie sehen Sie die Entwicklung im Rollsport in M-V?

Dr. Egbert Schulze: Leider gibt es in M-V keine große Entwicklung innerhalb unseres Verbandes. Der Landesverband M-V ist innerhalb des DRIV der kleinste mit circa einem Prozent unserer Mitglieder. Aktivitäten im eher breitensportlichen Bereich gibt es im Rollkunstlauf, Speedskaten sowie im Inline-Skaterhockey.

Vielen Dank und weiterhin bestes Engagement für den DRIV!

 

Skateboarding – Symbolfoto

Zum Skateboarden in Deutschland:

Skateboarding ist ab den Olympischen Spielen 2020 in Tokyo neu im olympischen Programm. In Deutschland ist die Sportart beim Deutschen Rollsport- und Inline-Verband, speziell beim German Action Sports e.V. (Mitgliedsvereindes DRIV), angegliedert. Mit diesem gab es 2016 und 2017 eine Vereinbarung zur Ausrichtung der Deutschen Meisterschaft Street. Der DRIV richtete im September 2018 derweil die offizielle Deutsche Meisterschaft Skateboard in den beiden olympischen Disziplinen Street und Park aus. Parallel veranstaltet wurde der COS-Cup (Palace GmbH) – eine Wettkampfserie, die jeweils mit dem Finale im baden-württembergischen Rust endet. In diesem Jahr am ersten November-Wochenende.

In Tokyo 2020 wird es sowohl für Damen als auch für Herren jeweils Entscheidungen in Street und Park mit je 20 Teilnehmern geben.

Schwerin und das Skateboarden

Auch in der Landeshauptstadt Schwerin hat das Skateboarding eine sportliche Heimat. Der Skatepark in Lankow ist nicht nur bei Schweriner Skatern beliebt und bekannt sondern auch über die Stadtgrenzen hinaus. In jedem Jahr richtet der Skatepark Lankow e.V. einen Wettkampf für BMX- und Skateboard-Fahrer aus, zuletzt am 1. September 2018. Ein Highlight für die Trendsportler: noch am gleichen Tag wurde konnte der frisch sanierte Wellenpark mitsamt neuen Rampen und Hindernissen von den Stadtwirtschaftliche Dienstleistungen Schwerin an den Verein übergeben und eingeweiht werden.

 

Text und Interview: M.Michels