Die ehemalige Rostocker Eisschnellläuferin Dr. Heike Kahl über ihre Eisschnelllauf-Karriere und ihre aktuelle Tätigkeit

Dr. Heike Kahl. Foto: Deutsche Kinder- und Jugendstiftung

Die olympischen Eisschnelllauf-Wettbewerbe werden auch 2018 wieder von den Niederländerinnen und Niederländern dominiert. Dort ist Eisschnelllaufen eben ein Volkssport mit großer Fan-Gemeinde.

Doch auch M-V ist ein Land mit einer sehr guten Eisschnelllauf-Tradition. Die einstige Wahl-Schwerinerin Helga Haase wurde 1960 Olympiasiegerin (500 Meter) bzw. Olympia-Zweite (1000 Meter). Jacqueline Börner, deren Wiege einst in Wismar stand, schaffte 1992 Olympia-Gold (1500 Meter). Der gebürtige Barther Roland Freier war dann in Calgary auf den langen Kanten gut dabei. Einige nationale und internationale Erfolge feierte zudem der gebürtige Rostocker Horst Freese Ende der 1960er und in den 1970er Jahren. 1975 jubelten dann zwei Rostockerinnen. Karin Kessow triumphierte bei der Eisschnelllauf-Mehrkampf-WM 1975 in Assen. Im selben Jahr errang Heike Lange (startete für den SC Dynamo Berlin) bei der Sprint-WM in Göteborg Silber (hinter der Amerikanerin Sheila Young und vor der Kanadierin Cathy Priestner). Beide Athletinnen, dazu Horst Freese, starteten dann auch bei den Olympischen Winterspielen 1976 in Innsbruck, bei denen gute Platzierungen gelangen.

Heike Lange, inzwischen verheiratete Heike Kahl, promovierte nach ihrer Sportlerkarriere als Germanistin und ist heute Geschäftsführerin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. Seit 2013 ist sie Trägerin des Bundesverdienstkreuzes. Wie Dr. Heike Kahl heute auf das Eisschnelllauf-Geschehen 1976 zurückblickt, verriet sie uns im Interview.

Dr. Heike Kahl über Eisschnelllauf-Karriere, die olympischen Wettbewerbe im Eisschnelllaufen in Pyeongchang und ihre aktuelle Tätigkeit für die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung

„Das Leben ist so viel reicher als nur der Sport…“

Frage: Frau Dr. Kahl, vor 43 Jahren (1975) wurden Sie Vize-Weltmeisterin im Eisschnelllaufen. Ein Jahr später waren Sie bei Winter-Olympia 1976? „Kribbelt“ es noch ein wenig in ihren WM-Schlittschuhen, wenn Sie Ihre Nachfolgerinnen auf dem Eis beobachten? Wären Sie anno 2018 noch selbst gern dabei?

Dr. Heike Kahl: Natürlich kribbelt es. Schließlich kann man sich gut in die Athleten hineinversetzen – in ihre Aufregung, Anspannung, Freude und Traurigkeit. Das ist die individuelle und sportliche Seite.

Aber man befindet sich ja nicht in einem widerspruchsfreien Raum und kann bzw. sollte von den fast dominierenden negativen Begleitumständen nicht absehen: Doping und Kommerz sind nur zwei Stichworte dafür. Da hört das Kribbeln auf. Und wäre ich selbst gern noch einmal dabei? …Jedes „Ding“ hat seine Zeit – und das Leben ist so viel reicher als nur der Sport. Sport bleibt für mich ein wichtiges Lebenselixier, aber da, wo ich jetzt bin, bin ich richtig.

Frage: Sie wurden in Rostock geboren… Begannen Sie bereits in der Hanse- und Universitätsstadt mit dem Eisschnelllaufen? Und: Warum zog es Sie ausgerechnet zum Eisschnelllaufen?

Dr. Heike Kahl: Da ist die Antwort ganz einfach: Ja, ich habe schon in Rostock mit dem Eisschnelllaufen begonnen, auf der Kurzbahn. Rostock hatte ein Eiskunstlauf- und Hockey-Stadion. Dieses war natürlich nicht überdacht, aber doch geeignet für das Training und für Freizeitmöglichkeiten. Dieser Aspekt war nicht unwesentlich. Ich lebte mit Karin Kessow in einem Haus und sie war es, die mich einfach mitnahm. Wir sind dann auch zusammen nach Berlin auf die Sportschule gegangen.

Frage: In Pyeongchang 2018 waren bzw. sind insbesondere wieder die Niederlande die Eisschnelllauf-Weltmacht. Was zeichnet die Niederländerinnen und Niederländer auf dem Eis aus?

Dr. Heike Kahl: Das kann ich so aus der Ferne nicht gut beurteilen. Aber mich hatte und hat stets ihre wunderbare Technik, ihre Effizient sowie die Umsetzung von Kraft auf das Eis und nicht zuletzt ihre Leichtigkeit bzw. das Spielerische im Umgang mit ihrem Sport beeindruckt.

Frage: Sind Sie selbst noch auf dem Eis aktiv?

Dr. Heike Kahl: Ich bin nur noch partiell aktiv. Auf dem Eis sieht man mich nur noch, wenn die Seen zugefroren sind und man weite Kreise ziehen kann.

Letzte Frage: Sie sind Geschäftsführerin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. Welche Aufgaben sind mit dieser Tätigkeit verbunden?

Dr. Heike Kahl: … alle, die mit dem Führen und Managen einer Stiftung mit 400 Mitarbeitenden verbunden sind. Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung ist eine der wichtigsten Bildungsstiftungen unseres Landes und setzt sich dafür ein, dass sich die Bedingungen besonders derjenigen Kinder und Jugendlichen verbessern, die in schwierigen Kontexten aufwachsen.

Vielen Dank und weiterhin bestes Engagement für Ihre Tätigkeit bei der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung!

Text und Interview: M.Michels