Im Gespräch mit DFB-Sportdirektor Sven Ressel

Der Fechtsport hatte und hat in diesem Jahr zahlreiche herausragende Wettkämpfe im Angebot, ob regional, national oder international. Höhepunkte waren dabei die EM in Novi Sad/Serbien im Juni, die WM in Wuxi/China einen Monat später sowie die Para-EM in Terni/Italien im September. Vom 6. bis 18. Oktober stehen dann die Fecht-Wettkämpfe der Olympischen Jugendspiele in Buenos Aires auf dem Programm.

Fechten

Fechten – Symbolfoto

Interview

Sven Ressel, Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bundes, über die WM und EM 2018, die Leistungen der deutschen Nationalmannschaft und über den Fechtsport in M-V

„Der Fechtsport in M-V entwickelt sich prima…“

Frage: Herr Ressel, wie lautet Ihr Resümee zu EM und WM?

Sven Ressel: Die EM in Novi Sad ist recht erfolgreich verlaufen. Unsere Athletinnen und Athleten erzielten drei Medaillen und weitere Topplatzierung im Einzel und mit dem Team. Neben unseren Säbel-Fechtern hat mir das Auftreten unserer jungen Degen-Fechter sehr gut gefallen. Eine Einzelmedaille und dazu eine Finalplatzierung im Herren-Degen waren schon ein tolles Signal.

Leider konnten wir den erfolgreichen Trend der vergangenen Weltcup-Saison und der EM der meisten Disziplinen nicht mit zur WM nach Wuxi tragen. Dort blieben wir ohne Medaille, was nicht unserem Anspruch entspricht. Das gesamte Team war sehr enttäuscht.

Frage: Welche Leistungen beeindruckten Sie bei diesen beiden Turbnieren insbesondere?

Sven Ressel: Die Herren-Degen-Fechter haben sich bei der EM beeindruckend ins Szene gesetzt. Da wir hier ein neues junges Team entwickeln, ist das sehr erfreulich. Auch unsere Säbel-Jungs spielen in der Welt-Elite wieder eine wirksame Rolle. Bei der WM gewannen unsere Athletinnen und Athleten zwar keine Medaille, jedoch gab es auch einige Lichtblick. Hier sind die beiden Florett-Fechterinnen Leonie Ebert und Eva Hampel oder auch Alexander Kahl zu erwähnen. Alexander verpasste nur knapp eine Finalplatzierung im Herren-Florett. Auch das Herren-Degen-Team war knapp an der Sensation dran, Russland zu besiegen und im Damen-Degen-Wettbewerb siegten die deutschen Frauen im Achtelfinale gegen den großen Favoriten Italien. Leider verloren sie dann knapp gegen China. Es gibt also auch positive Tendenzen.

Allerdings überwiegt natürlich die Enttäuschung über das WM-Gesamtergebnis. Beispielsweise verlor unser Herren-Florett-Team im Achtelfinale 44:45 gegen China. Und unser Herren-Säbel-Team unterlag nach deutlicher Führung äußerst knapp im Viertelfinale gegen Ungarn und ließ somit die Medaille liegen. Wir werden alles dafür tun, dass so etwas nicht mehr passiert. Man muss aber auch berücksichtigen, dass wir uns im Umbruch befinden. Wir hatten viele junge Fechterinnen und Fechter am Start. Da können wir noch nicht unmittelbar mit Medaillen rechnen. Aber zukünftig sind wir wieder mit dabei. Davon bin ich überzeugt. Alle Trainer und Fechter werden hart für ihre Ziele arbeiten.

Frage: Welche wichtigen Turniere und Meisterschaften stehen für das deutsche Team 2018 noch auf dem Programm? Werden DFB-AthletInnen auch an den Olympischen Jugend-Spielen teilnehmen?

Sven Ressel: Die Junioren-Saison hat bereits im September begonnen. Etliche Junioren-Weltcups stehen bevor, schließlich finden bereits Ende Februar die Junioren-Europameisterschaften in Foggia/ITA statt. Dort wollen wir unbedingt international angreifen. Für unsere Aktiven beginnt die internationale Saison erst im November. Sie befinden sich aber schon im Aufbau-Training. In jeder Disziplin steht noch ein Weltcup-Turnier in diesem Jahr an.

Unsere Damen-Degen-Fechterinnen reisen beispielsweise nach Tallinn und unsere Herren-Degen-Fechter müssen nach Bern. Das Damen-Säbel-Team startet in Orleans und die Athleten bzw. Athletinnen in den Disziplinen Herren-Säbel und Damen-Florett treten in Algier an. Besonders im Fokus steht der Heim-Weltcup im Herren-Florett vom 9. bis 11. November in Bonn. Dort wollen wir den Heim-Vorteil nutzen. Wichtig für unsere Fechterinnen und Fechter ist, sich gut für die Olympia-Qualifikationsphase vorzubereiten, die am 1. April 2019 startet.

Letzte Frage: Aus Mecklenburg-Vorpommern kommen aktuell sehr erfolgreiche Rollstuhl-Fechterinnen und -Fechter. Wie beurteilen Sie den Fecht-Standort M-V?

Sven Ressel: Aus meiner Sicht entwickelt sich der Fechtsport in M-V prima. Insbesondere die Rollstuhlfechterinnen und -fechter haben dort ideale Voraussetzungen. Diese finden in M-V sehr gute Rahmenbedingungen bzw. tolle Trainer vor, die diese Aufgabe sehr erfolgreich und mit großem Engagement annehmen. Aber auch in der Nachwuchs-Entwicklung gibt es gute Tendenzen. Besonders in Schwerin wird eine sehr gute Arbeit geleistet. Das beobachten wir mit großer Freude.

Vielen Dank und weiterhin bestes Engagement für den Fechtsport!


 

Fechterinnen und Fechter aus M-V bei den Olympics und Paralampics

Auch Mecklenburg-Vorpommern hat eine gewisse olympische Fecht-Tradition. Eckhard Mannischeff (geb. 1943 in Wismarer) kämpfte 1972 mit dem Degen für die DDR. Im selben Jahr ebenfalls olympisch am Start war der Neustrelitzer Reinhard Münster, allerdings als Fechter der dänischen Mannschaft. Und der spätere Fecht-Trainer von Lena Schöneborn, Olympiasiegerin von 2008 im Modernen Fünfkampf, der Rüganer Bernd Uhlig (geb. 1942 in Wiek) setzte 1968 und 1972 auf der olympischen Planche Akzente. Ebenso der Tessiner Horst Melzig (Jahrgang 1940).

Ein Rostocker und ein Dömitzer waren hingegen auf der olympischen Planche 1980 in Moskau bestens dabei.  Gerd May (geb. 1953 in Rostock) belegte mit dem Säbel-Team der DDR Platz sechs (Olympiasieger Sowjetunion vor Italien und Ungarn). Hartmuth Behrens (geb. 1951 im Stadtteil Rüterberg in Dömitz) belegte mit dem DDR-Florett-Team Rang vier, hinter Frankreich, der UdSSR und Polen. Seine Heimat in der Nähe Schwerins, in Seehof, hatte Franz Rompza (Jahrgang 1934). Im  bundesdeutschen Degen-Team glänzte er gleich bei zwei Olympischen Spielen. 1964 sprang Platz sechs (Olympiasieger Ungarn vor Italien und Frankreich) und 1968 Rang vier (Olympiasieger Ungarn vor der Sowjetunion und Polen) heraus.

Und auch bei den Paralympics starteten schon Fechterinnen und -Fechter unseres Landes. Den Anfang machte Daniela Rossek aus Waren/Müritz 2004 in Athen. Bei den Spielen 2012 in London erkämpfte dann die spätere Athletin von TuS Makkabi Rostock, Simone Briese-Baetke, den Silber-Rang in der Disziplin Degen-Einzel. Und 2016 in Rio de Janeiro waren erneut Simone Briese-Baetke und auch Balwinder Cheema (beide TuS Rostock) dabei.

Text und Interview: M. Michels