Erfolgsfechterin Alexandra Ehler über die bisherige Saison, ihre größten Erfolge und die Faszination am Degen-Fechten

Überraschend hatten die deutschen Degenfechterinnen im März den Mannschafts World Cup in Chengdu/China gewonnen. Im Finale besiegten Alexandra Ndolo, Alexandra Ehler, Ricarda Multerer (alle Leverkusen) und Beate Christmann (Tauberbischofsheim) den WM-Sechsten Estland. 16 Monate vor dem Start der Olympischen Spiele 2020 zeigte das Team um Bundestrainer Dominik Csobo damit das beste Ergebnis der Saison. Ein Ausrufezeichen für die beginnende Olympia-Qualifikation. Nun heißt es die Leistung zu wiederholen, insbesondere bei den EM in Düsseldorf (im Juni) und den WM in Budapest (im Juli).

Alexandra-Ehler (Foto: privat)

Frau Ehler, was waren bisher Ihre Highlights in dieser Saison?

Alexandra Ehler: Mein persönliches Highlight der Saison war auf jeden Fall der Sieg mit der Mannschaft beim Weltcup in Chengdu (China) kurz vor dem Start der Olympia-Qualifikation. Das hat mir sehr viel Selbstbewusstsein gegeben! Damit kann ich mit einem guten Gefühl in die Quali für Tokyo 2020 starten!

Der Sport ist faktisch wohl Ihr Lebensmittelpunkt. Wie sieht Ihr Trainingsalltag aus?

Alexandra Ehler: Ja, Fechten ist mein Lebensmittelpunkt. Während der Saison dreht fast alles nur um den Fechtsport. Mein Trainingsalltag besteht aus viel Fitness, Lektionen und eben Fechten. … Alles um noch fitter bzw. stärker zu werden, damit ich in der Weltspitze mithalten kann.

Was fasziniert Sie am Fechten, speziell mit dem Degen?

Alexandra Ehler: Der Degen ist für mich einfach die tollste Waffe. Mich fasziniert es,  dass der ganze Körper die Trefferfläche ist. Man muss immer konzentriert und geduldig sein, um den richtigen Moment „zu erwischen“, um zustoßen zu können. Man kann auch coole und feine Treffer setzen, wie zum Beispiel auf den Fuß oder das Handgelenk. Ich persönlich treffe gerne auf den Oberschenkel. Das ist meine stärkste Aktion. Diese läßt meistens meine Lampe aufleuchten (lacht).

EM und WM sind 2019 die Jahreshöhepunkte. Welche Ziele haben Sie?

Alexandra Ehler: Meine Ziele für die EM, WM und dann die Olympischen Spiele sind auf jeden Fall Medaillen im Einzel so wie im Team.

Was waren Ihre bislang schönsten sportlichen Momente?

Alexandra Ehler: Meine schönsten sportlichen Momente waren 2015 mit meinen Mädels – Anna Hornischer, Nadine Stahlberg bzw. Kristin Werner – bei den U 20-EM in Maribor, als wir die Team-Goldmedaille gewannen. Das war für mich einfach ein total schöner und emotionaler Augenblick, den ich mit meinen damaligen Team-Kameradinnen, mit denen ich noch heute befreundet bin, ausgiebig feiern konnte.

Der Sieg mit der Mannschaft nun beim Weltcup 2019  in China war ebenfalls toll! Da zeigten wir nach langer und harter Arbeit endlich, dass wir mit der Weltspitze durchaus mithalten können.

Alexandra Ehler (TSV Bayer 04 Leverkusen) gewann neben Gold bei den U 20-EM 2015 im selben Jahr Bronze bei den U 20-WM. 2017 folgte die Bronzemedaille bei den U 23-EM. Außerdem ist die 24-jährige Bundeskader-Athletin 6-malige Deutsche Meisterin und 10-fache Deutsche Fizemeisterin

Immer nur Fechten geht ja nicht. Was ist Ihr Ausgleich zum Sport?

Alexandra Ehler: Mein Ausgleich neben dem Fechten ist meine Familie, meine guten Freunde und mein Freund, mit den ich – wenn die Zeit zulässt –  viel unternehme. Sie alle bringen mich dazu, nicht immer ans Fechten zu denken. Ich gehe auch super-gerne ins Fitness-Studio und zum Schwimmen. Allerdings: Momentan konzentriere ich mich im vorolympischen und dann im olympischen  Jahr nur auf den  Fechtsport.

Am Wochenende werden in der Schweriner Palmberg-Arena die U 20 DM im Florett-Fechten ausgetragen. Waren Sie schon einmal zu Wettkämpfen oder dergleichen in Mecklenburg-Vorpommern?

Alexandra Ehler: Nein, ich glaube nicht. Ich könnte vielleicht als Kind einmal in M-V gewesen sein, aber da müsste ich noch einmal meinen Papa fragen, der mit mir  als Kind ständig zu jedem Turnier in  in ganz Deutschland gefahren ist.

Vielen Dank und weiterhin maximale Erfolge!


Fechten

Fechten – Symbolfoto

 

Übersicht – Olympiateilnehmer aus MV

Tokyo 1964

  • Franz Rompza (* 1934 in Seehof) – Platz 6 im Degenfechten mit der gesamtdeutschen Mannschaft (Olympiasieger Ungarn vor Italien und Frankreich) und Platz 7 im Einzel

Mexiko-Stadt 1968

  • Bernd Uhlig (* 1942 in Wiek auf Rügen) – Platz 5 im Degenfechten mit der DDR-Mannschaft (Olympiasieger Ungarn vor der Sowjetunion und Polen)
  • Franz Rompza (* 1934 in Seehof) – Platz 4 im Degenfechten mit der BRD-Nationalmannschaft (Olympiasieger Ungarn vor der Sowjetunion und Polen)

München 1972

  • Eckhard Mannischeff (* 1943 in Wismar)  Teilnahme im Degenfechten mit der DDR-Mannschaft (Olympiasieger Ungarn vor der Schweiz und der Sowjetunion)
  • Bernd Uhlig (* 1942 in Wiek auf Rügen) – Teilnahme im Degenfechten mit der DDR-Mannschaft
  • Horst Melzig (* 1940 in Tessin) – Teilnahme im Degenfechten mit der DDR-Mannschaft; Platz 7 im Einzel
  • Reinhard Münster (* in Neustrelitz) – Teilnahme mit der dänischen Nationalmannschaft

 Moskau 1980

  • Gerd May (* 1953 in Rostock) – Platz 6 im Säbelfechten mit dem DDR-Team (Olympiasieger wurde die Sowjetunion vor Italien und Ungarn)
  • Hartmuth Behrens (* 1951 in Dömitz-Rüterberg) – Platz 4 im Florettfechten mit der DDR-Mannschaft und Platz 9 im Einzel

London 2012

  • Simone Briese-Baetke (*1966 in Rostock) – Platz 2 im Einzel (Rollstuhlfechten; Degen)

mm