Deutsche Wintersport-Asse für Pyeongchang gut gerüstet

Laura Dahlmeier, Sportlerin des Jahres 2017 in Deutschland. Foto: Deutscher Skiverband

Bei den 50 Weltcup-Entscheidungen im Ski-Alpin, im Ski-Freestyle, im Snowboarden, im Bobsport, im Skeleton, im Rennrodeln, im Biathlon, im Skilanglauf, in der Nordischen Kombination und im Skispringen am dritten Adventswochenende 2017 (13.12.2017 – 17.12.2017) erkämpften die deutschen Wintersport-Asse 26 Medaillen, darunter 13 x Gold.

Rennrodler mit viermal Gold

Sehr erfolgreich waren dabei die Rennrodler mit 4 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze beim Weltcup in Lake Placid, wobei Natalie Geisenberger (Damen-Einsitzer), Dajana Eitberger (Damen-Einsitzer/Sprint) und Toni Eggert/Sascha Benecken (Doppelsitzer bzw. Doppelsitzer/Sprint) für goldene Rodel-Momente sorgten.

Drei Goldene im Bobsport

Überaus erfolgreich waren zudem die Bob-Sportlerinnen und -Sportler, die beim Weltcup in Innsbruck-Igls (gleichzeitig EM) dreimal Gold und zweimal Bronze errangen. Gold erkämpften Stephanie Schneider/Annika Drazek (Zweier-Bob der Frauen), Francesco Friedrich/Thorsten Margis (Zweier-Bob der Herren) und das Team von Johannes Lochner (Vierer-Bob).

Erfolge auch in der Nordischen Kombination und im Skispringen

Johannes Rydzek, Deutschlands Sportler des Jahres 2017. Foto: Deutscher Skiverband

Beim Weltcup in der Nordischen Kombination in Ramsau erkämpften Eric Frenzel und Fabian Rießle jeweils erste Ränge für Schwarz-Rot-Gold.

In Engelberg, bei den dortigen Weltcup-Konkurrenzen im Herren-Skispringen kam Richard Freitag zu Gold bzw. zu Silber. Katharina Althaus sorgte für Rang zwei im Skispringen der Frauen (Weltcup in Hinterzarten). Allerdings wurde der Wettkampf in Hinterzarten von einem schweren Sturz der Mixed-Weltmeisterin Svenja Würth überschattet.

Laura Dahlmeier mit erstem Saison-Sieg

Für die deutschen Biathletinnen und Biathleten gab es hingegen beim Weltcup in Annecy-Le Grand Bornand einmal Gold, einmal Silber, zweimal Bronze. Die WM-Heldin von Hochfilzen Laura Dahlmeier, die dort im Februar 2017 fünfmal Gold errang,  holte einen kompletten Medaillen-Satz, darunter Gold in der Verfolgung, und Deutschlands Herren durften zumindest über Bronze im Massenstart für Eric Lesser jubeln.

Paul Berg mit Weltcup-Sieg

Bei den Snowboard-Weltcups zwischen 13.12. und 17.12. triumphierte Paul Berg im Snowboard-Cross in Val Thorens. Ramona Theresia Hofmeister In Carezza) und Selina Jörg (in Cortina de`Ampezzo) schafften jeweils Silber im Parallel-Riesenslalom.

Heidi Zacher in guter Form und Josef Ferstl mit Überraschungs-Gold

Johannes Ferstl überraschte in Gröden beim Weltcup im Super-G mit Rang eins. Foto: Deutscher Skiverband

Bei den Ski-Freestylern in Montafon bestätigte Heidi Zacher ihre gegenwärtige überragende Form mit Silber, dem dritten zweiten Rang hintereinander im Weltcup 2017/18, und auch die Alpinen hatten fünf Einsätze in ihren diversen Weltcup-Disziplinen in Gröden, in Alta Badia und in Val d Isere. Josef Ferstl gelang dabei mit seinem Erfolg im Super-G in Gröden eine Überraschung.

Lindsey Vonn markierte mit ihrem Erfolg beim Super-G in Val d`Isere ihren insgesamt 78.Weltcup-Triumph. Damit ist die Amerikanerin einsame Spitze…

Alpine Hiobsbotschaft

Eine Hiobsbotschaft gibt es allerdings: Stefan Luitz, der in dieser Saison schon Dritter (in Beaver Creek) und Zweiter (in Val d`Isere) im Riesenslalom wurde, stürzte beim Weltcup in Alta Badia so schwer, dass er sich einen Kreuzbandriss im linken Knie zuzog. Damit fallen sowohl Stefan Luitz als auch Felix Neureuther (MV-SPORT berichtete) für die Winterspiele in Pyeongchang aus. Beide galten als aussichtsreiche alpine Medaillen-Kandidaten für Olympia.

Auch Viktoria Rebensburg stürzte – beim Weltcup im Super-G in Val d`Isere, glücklicherweise ohne größere Verletzungen.

Bislang errangen deutsche Alpine bei Winter-Olympia siebzehn Goldmedaillen. IM Frauen-Bereich waren es bis dato Maria Höfl-Riesch (2010 Slalom/Kombination, 2014 Kombination), Katja Seizinger (1994/1998 Abfahrt, 1998 Kombination), Rosi Mittermaier (1976 Abfahrt, Slalom), Christl Cranz (1936 Kombination), Ossi Reichert (Riesenslalom 1956), Heidi Biebl (1960 Abfahrt), Marina KIehl (1988 Abfahrt), Hilde Gerg (1998 Slalom) bzw. Viktoria Rebensburg (2010 Riesenslalom).

Die deutschen alpinen Herren zeigten sich bislang bescheidener, so erkämpften Franz Pfnür (1936 Kombination) und Markus Wasmeier (1994 Super-G, Riesenslalom) drei olympische Alpin-Goldmedaillen für Deutschland.

Mal schauen, was nun in Pyeongchang 2018 aus deutscher Sicht möglich sein wird?!

26 Medaillen unterm dritten Adventslicht

Auf jeden Fall sind die deutschen Wintersport-Asse für die 23.Olympischen Winterspiele gut gerüstet. So lautete die Bilanz am dritten Adventswochenende in den erwähnten 50 Weltcup-Konkurrenzen dreizehnmal Gold, achtmal Silber, fünfmal Bronze für Schwarz-Rot-Gold. Dahinter folgen Norwegen (achtmal Gold), Österreich (fünfmal Gold), Russland (viermal Gold), Frankreich (dreimal Gold), China, die USA, Tschechien, Italien bzw. Australien (je zweimal Gold). Je einen Sieg verbuchten Weißrussland, Japan, Spanien, Lettland, die Schweiz, die Slowakei und Schweden.

Vor Weihnachten, zwischen 18.Dezember 2017 und 22.Dezember 2017, werden übrigens noch Weltcup-Konkurrenzen im Ski-Alpin, Ski-Freestyle und Snowboarden ausgetragen.

Last but not least: Die fünffache Biathlon-Weltmeisterin 2017 Laura Dahlmeier wurde Deutschlands Sportlerin des Jahres 2017. Die Ehrung zu Deutschlands Sportler des Jahres 2017 erhielt der vierfache Weltmeister in der Nordischen Kombination 2017 Johannes Rydzek. Ein „sommerliches Team“ avancierte hingegen zu Deutschlands Mannschaft des Jahres: die Olympiasieger 2016 und Weltmeister 2017 im Beach-Volleyball Laura Ludwig und Kira Walkenhorst.

Exkurs

Zurückgeblickt: Alpines und skisportliches Kalenderblatt vom 18.Februar 2013

Das waren noch alpine Zeiten! / Der dreifache alpine Olympionike vom SC Traktor Oberwiesenthal, Eberhard Riedel, wurde junge 75 … / Nachgefragt bei Eberhard Riedel

Olympioniken im Alpinen Skisport aus der DDR?! Ja, auch das gab es vor rund fünf Jahrzehnten. Eberhard Riedel vom SC Traktor Oberwiesenthal gehörte zwischen 1960 und 1968 zu den beste nationalen und internationalen Alpinen, feierte bei internationalen Wettkämpfen große Erfolge und nahm 1960 in Squaw Valley, 1964 in Innsbruck und 1968 in Grenoble an den Olympischen Winterspielen teil. Gerade feierte das Alpin-Ass – am 14.Februar 2013 – seinen 75.Geburtstag.

Nachgefragt beim alpinen Ski-Ass der 1960er und immer noch sportlich aktiven Skifahrer Eberhard Riedel

Eberhard Riedel über seine aktuellen sportlichen Einsätze, Grenoble 1968 und die Ski-WM 2013

„Ich bin immer noch sehr aktiv…“

Frage: Herzlichen Glückwunsch zum 75.! Was macht ein reiferes Alpin-Ass im sportlichen Unruhestand. Noch immer sehr aktiv?!

Eberhard Riedel: Sportlicher Unruhezustand trifft es sehr gut (lacht). Ja, ich bin noch sehr aktiv und habe eine große Freude, meiner Stammdisziplin immer noch treu bleiben zu können.

Ich fahre sehr gerne Ski Alpin bei uns in Oberwiesenthal. Dabei bemühe ich mich, sauber zu fahren und nicht die Zeit zu vergeuden, indem man nur sehr schnell, rauf-runter-rauf-runter, unterwegs ist.

Zudem liebe ich es, Langlaufen zu gehen, gemeinsam mit meiner Frau Hannelore oder mit Freunden, oder auch alleine. Der Spur durch die Wälder des Erzgebirges Richtung Tschechien zu folgen ist eine feine Sache.
Besonders freue ich mich aber, wenn meine Jungs, Olaf und Peter, da sind und wir gemeinsam auf Ski unterwegs sind.

Frage: Sie nahmen an drei Olympischen Winterspielen teil. Welche waren für Sie die schönsten?

Eberhard Riedel: Das ist eine schwierige Frage – denn die schönsten und gleichzeitig auch die traurigsten waren meine dritten, jene 1968 in Grenoble. Ich wusste bereits vier Wochen vor Beginn der Spiele, dass der alpine Skisport aus dem Sport-Förderprogramm der DDR genommen wird und dass dieses das Aus meiner internationalen Karriere bedeuten würde. Eine Chance, die Geschichte zu drehen, bestand in einer Platzierung unter den besten Sechs.

Nun war ich in der Abfahrt bei allen Trainingsfahrten unter den Top acht zu finden gewesen, und dies wurde auch in Sportzeitungen, beispielsweise der französischen „L’Equipe“, sehr positiv vermerkt. Doch letztlich ging das Rennen daneben, und das bedauere ich sehr. Die Herausforderungen waren einfach zu viele und zu große.

Einerseits war da der psychologische Stress, unbedingt ein Spitzenresultat erzielen zu müssen. Dann hatten sich die meteorlogischen Umstände geändert, es hatte am Tag vor dem Rennen noch geschneit. Und letztlich gab es auch technologische Defizite: Während Fahrer anderer Nationen via Sprechfunk informiert worden waren, in welchem Zustand die Strecke sei, konnte die kleine DDR-Betreuerriege mir dies nicht sagen. Ich stürzte bei Streckenhälfte, war aber bis dahin sicher sehr schnell unterwegs gewesen.

Frage: Gerade fanden die alpinen Ski-WM in Schladming statt… Wer begeisterte Sie von den heutigen Aktiven?

Eberhard Riedel: Da ich den US-Amerikaner Ted Ligety vor zwei Jahren in Kranjska Gora in Slowenien und ihn dort als sehr emotional auf Menschen wirkenden Athleten persönlich kennen gelernt habe, galten bei der WM 2013 meine Sympathien besonders ihm.

Es hat mich begeistert, wie er sein kämpferisches und skifahrerisches Potential voll ausgespielt hat, und wie gut er jene Radien, die er für seine Disziplinen benötigt, trainiert hat.

Gefreut habe ich mich für Marcel Hirscher und für die österreichischen Gastgeber, die am letzten Tag somit doch noch zu ihrer Einzel-Goldmedaille gekommen sind, und gefreut habe ich mich auch über Slalom-Silber von Felix Neureuther. Es waren schon sehr, sehr schöne Weltmeisterschaften!

Vielen Dank! Und nochmals alles erdenklich Gute – sportlich, persönlich und gesundheitlich! Beste Wünsche auch für die Familie!

Marko Michels

PS (18.12.2017): Beim Parallel-Slalom (Weltcup) der Herren in Alta Badia am 18.Dezember 2017 siegte Matts Olsson aus Schweden. mm