Die Rostocker Rollstuhlfechterin Sylvi Tauber über ihren erfolgreichen Weltcup in Pisa, die Winter-Paralympics und eigene Paralympics-Ziele

Symbolbild – Skilanglauf

Die XXII. Winter-Paralympics in Pyeongchang sind Sportgeschichte. An diesen nahmen mehr als 570 Athletinnen bzw. Athleten aus 49 Ländern in 80 Entscheidungen (bei sechs Sportarten) teil. Das deutsche Team, bestehend aus 20 Athletinnen bzw. Athleten und vier Begleitläufern, belegte in der Medaillenwertung hinter den USA (36 Medaillen, darunter 13 x Gold), Kanada (28 Medaillen, darunter 8 x Gold), Russland (24 Medaillen, darunter 8 x Gold), der Ukraine (22 Medaillen, darunter 7 x Gold) und Frankreich (20 Medaillen, darunter 7 x Gold) einen hervorragenden sechsten Rang mit 19 Medaillen, darunter sieben Erfolgen.

Die Goldmedaillen aus deutscher Sicht erkämpften die Alpinen Anna Schaffelhuber (in der Abfahrt bzw. im Super G/Klasse sitzend) sowie Anna-Lena Forster (in der Super-Kombination bzw. im Slalom/Klasse sitzernd), die Biathletin bzw. Skilangläuferin Andrea Eskau (im Biathlon über 10 Kilometer sowie 12,5 Kilometer/Klasse sitzend) und der Biathlet Martin Fleig (15 Kilometer/Klasse sitzend).

Fleißige Medaillensammlerinnen: Eskau, Rothfuss und Klug

Andrea Eskau kam insgesamt auf sechs Medaillen (zweimal Gold, dreimal Silber, einmal Bronze). Fünfmal Edelmetall erkämpfte für Schwarz-Rot-Gold die Alpine Andrea Rothfuss (viermal Silber, einmal Bronze). Gleich bei ihren ersten Winter-Paralympics schaffte die blinde Biathletin Clara Klug, zusammen mit ihrem Begleitläufer Martin Härtl, zwei Bronzemedaillen. Als besondere Anerkennung für diese Erfolge durfte Clara Klug die deutsche Fahne bei der Abschlußfeier in das Olympiastadion in Pyeongchang tragen.

Von den Winter-Paralympics zum paralympischen Rollstuhlfechten

Halbfinale Damensäbel Kat.B: Sylvi Tauber (GER) vs. Olena Fedota (UKR). FOTO: Alexander Bondar

Erfolge gab es für deutsche Athletinnen und Athleten im März jedoch nicht nur im paralympischen Wintersport. Sylvi Tauber, Jahrgang 1979, vom TuS Makkabi Rostock konnte beim Weltcup Mitte März im Rollstuhlfechten in Pisa Silbermedaille mit dem Säbel und Bronze mit dem Degen gewinnen. Sylvi knüpft dabei an eine gute Erfolgstradition im Rollstuhlfechten in M-V an. So nahm unter anderem die gebürtige Warenerin Daniela Rossek an den Paralympics 2004 in Athen teil und erreichte dort Top 6-Platzierungen. Simone Briese-Baetke, ebenfalls TuS Makkabi Rostock, holte bei den Paralympics 2012 in London Silber im Degenfechten und verpasste 2016 in Rio als Vierte nur knapp eine Medaille. In Rio mit am Start war zudem Balwinder Cheema (ebenfalls TuS Makkabi Rostock). Mit dem Säbel platzierte er sich auf Rang Neun.

Interview

Sylvi Tauber über den Weltcup in Pisa, weitere sportliche Herausforderungen 2018, ihr große Ziel „Paralympics 2020“, ihre zweite Sportart und kommende Einsätze

„Ein Start bei den Paralympics wäre das Schönste und das Größte in meinem Leben…“

Frage: Sylvi, erst einmal herzlichen Glückwunsch zu Silber und Bronze beim Weltcup in Pisa. Wie verliefen die Wettkämpfe aus Deiner Sicht? Wie war das „Drumherum“? Blieb Zeit, auch die Stadt etwas zu erkunden, vor allem den berühmten Turm?

Sylvi Tauber: Vielen Dank. Das ganze Wochenende war super für mich, ich habe wieder viel gelernt. „Drumherum“ lief es dieses mal auch so super wie noch nie. Da ich schon zum dritten Mal in Pisa war, brauchte ich mir nicht noch einmal den Turm anzuschauen, dass habe ich die anderen beiden Male zuvor schon getan… Dieses mal hätte ich auch keine Zeit gehabt.

Frage: Welche weiteren wichtigen Wettkämpfe stehen für Dich 2018 noch auf dem Programm? Was sind Deine Ziele?

Sylvi Tauber: Das Wettkampfprogramm 2018 wird für mich sehr abwechslungsreich und fordernd. Es stehen einige Wettkämpfe auf nationaler und internationaler Ebene auf der Agenda. In M-V werden die Deutschen Meisterschaften im Rollstuhlfechten vom 26.Mai bis 27.Mai in Warnemünde und die Landesmeisterschaften M-V im Degen-Rollstuhlfechten im Rahmen des Norddeutschen Sportfests der Vielfalt in Schwerin die Höhepunkte sein.

International wird es zudem bei den verschiedenen Weltcups und den EM im Rollstuhlfechten spannend. Vom 6.Juli bis 8.Juli steigt eine weitere Weltcup-Konkurrenz in Warschau. Etwas mehr als zwei Monate später geht es vom 17.September bis 23.September um gute Resultate bei den EM in Italien, dem Jahreshighlight. Und vom 9.November bis 11.November gibt es einen Weltcup-Wettbewerb in Georgien. Dort beginnt bereits die Punktesammlung für die Paralympics 2020 in Tokyo. Mitte Dezember, vom 14.Dezember bis 16.Dezember, „ruft“ dann ein zusätzlicher Weltcup in Japan.

Mein Ziel ist es, bei jedem Turnier in allen drei Waffen (Degen, Säbel bzw. Florett) in die „Top Acht“ zu kommen. Alles, was eine bessere Platzierung jenseits des achten Ranges bedeutet, ist ein Bonus.

Frage: Ein großes Ziel dürfte auch die Teilnahme an den bereits angesprochenen Paralympics 2020 in Tokyo sein… Welche Bedeutung, welchen Stellenwert haben für Dich persönlich die Paralympics?

Sylvi Tauber: Ja, ich möchte 2020 gerne wirklich zu den Paralympics mitfahren dürfen, darauf arbeite ich auch wieder hin.

Es wäre das Schönste und das Größte in meinem gesamten Leben, so etwas miterleben zu können und unter solchen (extremen) Voraussetzungen zu fechten. Es wäre toll, sich mit den besten Rollstuhlfechterinnen der Welt bei den Paralympics zu messen.

Frage: Apropos Paralympics… Gerade fanden die Winter-Paralympics in Pyeongchang statt. Hast Du die Wettkämpfe via Fernsehen, Internet oder Zeitung auch ein wenig verfolgt?

Sylvi Tauber: Da die Spiele anfingen, als ich selbst beim Weltcup in Pisa war, habe ich vom Beginn der Winter-Paralympics kaum etwas mitbekommen. Seit ich allerdings wieder zu Hause bin, verfolge ich das dortige Geschehen übers Internet. Es sind alle Leistungen sehr gut bzw. beeindruckend und es ist natürlich schön, wenn es aus deutscher Sicht zahlreiche Erfolge und Medaillen zu feiern gab.

Frage: Wie sieht Dein Leben ohne Fechten aus? Bleibt Zeit für andere Dinge und Hobbys?

Sylvi Tauber: Mein ganzer Tag ist in der Tat nur auf das Fecht-Training ausgelegt. Aber ich nehme mir immer einen Tag in der Woche Zeit für meine andere Sportart, wenn ich einmal mindestens zwei Monate hintereinander keinen Wettkampf im Fechten habe.

Meine zweite Sportart ist dabei Rollstuhlrugby. Dafür fahre ich extra nach Greifswald zum Training und wenn die Zeit es erlaubt, besuche ich auch hier die Turniere. So wie am nächsten Wochenende. Dann fahre ich nach Köln zum weltgrößten Rollstuhlrugby-Turnier dem „Bernd Best Turnier“ (Kurzform BBT).

Vielen Dank und weiterhin alles erdenklich Gute!

Text und Interview: Marko Michels