Nachgefragt bei Jörg Behlendorf von der HSG Warnemünde

Wasserball hat in M-V durchaus Tradition, insbesondere in Schwerin und Rostock-Warnemünde. Gerade das Ostseebad hat mit der 1971 gegründeten Wasserball-Abteilung der Hochschulsportgemeinschaft einige Erfolge zu verzeichnen. Wie es für die Hanseaten 2018 lief und wie es im nationalen und internationalen Spitzensport aussieht, erzählt Spieler und Trainer Jörg Behlendorf im Interview.

Wasserball-Symbolbild

Interview

Frage: Herr Behlendorf, wie verlief das bisherige Jahr für Ihre Abteilung? Was waren die Highlights?

Jörg Behlendorf: Die Saison verlief nicht ganz so gut wie gedacht, weil wir als Absteiger aus der zweiten Liga nunmehr in der dritten Liga eigentlich den Titel anstrebten, diesen aber als Zweiter klar hinter Meister Keitum verpassten. Dennoch konnte der sportlich-personelle  Umbruch fortgeführt werden. Dessen positive Wirkung dauert halt länger als zwei bis drei Jahre…

Die Highlights waren sicherlich die Heimspiele vor tollen Zuschauern mit spannenden Begegnungen. Die Saison verlief ja jahresübergreifend, also 2017/2018, und da hatten wir Ende 2017 unseren Höhepunkt mit der Teilnahme am deutschen Wasserball-Pokal in der ersten Runde, als wir zu Hause gegen die SG Wuppertal mit 3:13 unterlagen.

Frage: Wie präsentierte sich der Warnemünder Wasserball-Nachwuchs?

Jörg Behlendorf: Der Wasserball-Nachwuchs präsentierte sich sehr gut. Unsere U 14-Mannschaft hat Potenzial und unser U 16-Team errang in der aktuellen Saison einen tollen vierten Platz bei den Norddeutschen Meisterschaften. Im Liga-Spielbetrieb in der Nord-West-Jugendliga – alles in der Region Bremen – konnte diese zudem einen fantastischen zweiten Rang erkämpfen.

Frage: Was sind die kommenden Herausforderungen und Ziele?

Jörg Behlendorf: Die Herausforderungen bestehen darin, mehr Jugendliche für den Wasserball-Sport zu begeistern. Die weiteren Ziele der HSG Warnemünde sind, langfristig betrachtet, dass die Herren wieder in der zweiten Liga spielen und dass sich im Jugendbereich stabile Teams in den Altersklassen U 12, U 14 und  U 16 bilden.

Wasserball ist auch in M-V „in“. Foto: Wolfgang Gross

Frage: Welche regionalen Turniere stehen 2018/2019 auf dem Programm?

Jörg Behlendorf: Traditionell richten wir am ersten April-Wochenende das Masters-Turnier mit Wasserball-Spielern der Altersklasse Ü 40 aus. Außerdem waren kürzlich unsere Wasserball-Spielerinnen bzw. -Spieler, mit drei Teams, beim größten deutschen Freundschaftsturnier in Buxtehude aktiv: Die Damen belegten einen guten dritten Rang (von acht Teams), die erste Herren-Mannschaft wurde Sechster und die zweite Herren-Mannschaft wurde Dreizehnter  (von 24 Teams).

Frage: International sind die US-Damen (Olympiasieger 2016 u. Weltmeister 2017) und die Niederländerinnen (Europameister 2018) sowie die Herren-Nationalmannschaften Serbiens (Olympiasieger 2016 u. Europameister 2018) und Kroatiens (Weltmeister 2017) dominierend.
Wie lief es zuletzt für das deutsche Nationalteam? Welchen Stellenwert hat aus Ihrer Sicht der Wasserball-Sport in Deutschland?

Jörg Behlendorf: Am vergangenen Wochenende, 11.-16.September, fand in Berlin der FINA-Weltcup statt. Dort schlug Deutschland unter anderem Vize-Weltmeister Ungarn, besiegte ebenfalls Japan und Südafrika und verlor zweimal knapp gegen den WM-Siebenten Australien als auch mit sechs Toren Unterschied gegen Serbien. Die Herren-Nationalmannschaft qualifizierte sich damit als Vierte dieses Weltcups für die kommende Weltmeisterschaft 2019 in Südkorea. Das war mehr als nur „ein dickes Lebenszeichen“ des deutschen National-Teams. Mit diesem Ergebnis ist man wieder in der Weltspitze angekommen, zumal man bei der letzten EM in Spanien 2018 auch ein achtbares Resultat erzielte (Sieg im Spiel um Platz neun gegen die Niederlande bei 16 teilnehmenden Teams!).

Der Stellenwert des Wasserball-Sportes in Deutschland  ist natürlich nicht zu vergleichen mit Fußball, Handball oder Basketball… Aber: Wenn die Nationalmannschaft bei EM, WM oder Olympia Erfolge feiern kann, wird sich das schlagartig ändern.

Vielen Dank und weiterhin bestes Engagement für den Wasserball-Sport!

M.Michels