Silber bei der U 23-EM in Schweden – Im Gespräch mit Siebenkämpferin Sophie Weißenberg

Zwei junge Leichtathletinnen aus Mecklenburg-Vorpommern sorgten im Juli für internationalen Silber-Glanz. Beide kommen sie vom SC Neubrandenburg. Die eine, Diskuswerferin Claudine Vita, geboren 1996 in Frankfurt Oder, überzeugte bei der Universiade in Neapel. Die andere ist Sophie Weißenberg. Im schwedischen Gävle avanzierte die 21-Jährige Siebenkämpferin im zweitbesten Wettkampf ihrer Karriere zur U 23 Fize-Europameisterin.

Weitspringerin beim Absprung. Leichtathletik in Mecklenburg-Vorpommern

Weitsprung – Symbolfoto

Interview

Sophie Weißenberg über die U 23-EM, ihre persönliche Entwicklung, den Mehrkampf allgemein und weitere sportliche Herausforderungen

Frage: Glückwunsch zu Siebenkampf-Silber. Vor dem abschließenden 800 Meter-Lauf schimmerte die Medaille sogar „goldig“… Wie verlief der Siebenkampf aus deiner Sicht?

Sophie Weißenberg: Der Wettkampf war einerseits super-cool und hat echt viel Spaß gemacht. Dieser war aber andererseits auch extrem kräftezehrend und anstrengend. Ein Siebenkampf bei einer Meisterschaft  ist im Vergleich zu einem Siebenkampf bei einem Meeting doch um einiges anders. Der Tag ist wirklich „lang gezogen“. Hat man ein paar Stunden Mittagspause,  ist das schon ungewohnt, weil man ansonsten praktisch von Disziplin zu Disziplin geht.

Wie der Siebenkampf verlief?! … Es gab Höhen und Tiefen, aber so ist nun einmal der Mehrkampf. Alles in allem zählt die Platzierung und damit bin ich zufrieden.

Frage: Die 800 Meter, das Kugelstoßen und das Speerwerfen gelten ja eher als deine „Baustellen“. Im Weitsprung wurdest du 2016 U 20-Vize-Weltmeisterin. Was machst du, um die besagten „Baustellen“ zu beseitigen?

Sophie Weißenberg: Ich versuche einfach, keine Disziplin zu vernachlässigen. In meinen schlechteren Disziplinen muss ich mehr Zeit investieren, dort sind die Einheiten dann etwas länger. Trotzdem habe ich aber auch noch genug an meinen Stärken zu arbeiten. Klar setzt man jedes Jahr neue Schwerpunkte, alles gleichzeitig kann man nicht in Angriff nehmen. Es ist aber wichtig, eine gewisse Balance zu finden.

Frage: Stimmte der Teamspirit in Gävle? Wie war das ganze EM-Drumherum?

Sophie Weißenberg: Die U 23-EM war schon ein schönes Erlebnis! Der Teamspirit war – soweit es möglich war  – da. Natürlich konzentriert sich jede/jeder auf ihren/seinen Wettkampf, will gute Leistungen zeigen und ist dementsprechend fokussiert. Am Ende wurde sich jedoch innerhalb des Teams über jede Leistung gefreut. Wer Zeit hatte, war auch im Stadion zum Anfeuern.

U 23-EM in Gävle

Die zwölften U 23-EM seit 1997 fanden vom 11. bis 14. Juli 2019 in der schwedischen Stadt Gävle statt. An diesen EM nahmen mehr als 1100 Athletinnen und Athleten aus 50 Ländern teil. Medaillen wurden dabei in 44 Disziplinen vergeben.

Deutschland  stellte mit 21 gewonnenen Medaillen, darunter neunmal Gold, das  beste Team – vor Frankreich (17 Medaillen, fünfmal Gold), Großbritannien (14 Medaillen, dreimal Gold) und Polen (12 Medaillen, sechsmal Gold).

Am erfolgreichsten waren mit je zweimal Gold die Britin Jemma Reekie (800 Meter / 1500 Meter) und der Franzose Jimmy Gressier (5000 Meter / 10000 Meter).

Aus MV-Sicht gewann neben Sophie Weißenberg auch der gebürtige Rostocker Clemens Prüfer (jetzt SC Potsdam; ehemalige Vereine: LAC Mühl Rosin Güstrow und SC Neubrandenburg) eine Medaille – Silber im Diskuswerfen.

Frage: Du machtest 2017 dein Abi, bist dann auf Australien-Tour gegangen. Was brachte dir diese Reise persönlich und auch sportlich?

Sophie Weißenberg: Ich wollte einfach den Kopf frei bekommen. Ich denke schon, dass es wichtig ist, sich ebenfalls für ein Leben außerhalb des Sports zu interessieren – zumindest bei mir. Da war es gut, Abstand zu gewinnen und den Sport komplett in den Hintergrund zu stellen, um so wieder richtig Lust und Motivation aufbringen zu können. In der Zeit habe ich gemerkt, was ich an meinem Sport habe und dass ich ohne ihn nicht kann.

Frage: Wie geht es jetzt für dich weiter? Die Elite-WM in Doha 2019 dürften bei deiner kürzlich aufgestellten Bestleistung von 6293 Punkten ja weiterhin ein Thema sein…

Sophie Weißenberg: Zunächst habe ich – zumindest ein wenig – eine sportfreie Zeit vor mir. Ich werde meinem Körper Ruhe gönnen und dann noch einmal in Richtung WM in den Aufbau gehen. Die Nominierung ist noch nicht durch –  und ich weiß noch nicht, ob es am Ende wirklich klappt, aber ich bereite mich darauf vor!

Frage: Hast du eigentlich schon Pläne für ein Studium?

Sophie Weißenberg: Ja. Ich werde im Oktober definitiv ein Studium aufnehmen, um einen Ausgleich zum Sport zu haben.

Frage: Deine Vereinskollegin Claudine Vita holte bei der Universiade in Neapel Silber. Hast du Ihren Wettkampf verfolgen können? Was zeichnet Claudine aus deiner Sicht aus?

Sophie Weißenberg: Natürlich habe ich den Wettkampf von Claudine mit verfolgt, so gut es möglich war. Sie ist nicht nur eine Vereinskollegin, sondern auch eine sehr gute Freundin von mir. Ich denke, Claudine ist einfach sehr engagiert und motiviert. Sie weiß, was sie erreichen will und gibt alles dafür, ihre Ziele zu erreichen, ohne dabei zu verbissen zu sein.

Letzte Frage: Sprinterin Cheyenne Kuhn, ebenfalls vom SC Neubrandenburg, wird beim Europäischen Olympischen Jugendfestival (EYOF) in Baku Ende Juli starten. Welche Bedeutung hat aus deiner Sicht dieses Jugendfestival?

Sophie Weißenberg: Mit dem EYOF habe ich mich noch nicht wirklich im Detail beschäftigt. Aber ich finde, dass solche internationalen Wettkämpfe für junge Sportler sehr wichtig sind. Man kann so Erfahrungen sammeln, lernt die Abläufe von internationalen Meisterschaften kennen und bekommt ein wenig Routine, so dass man bei internationalen Meisterschaften in den folgenden Jahren nicht mehr ganz so aufgeregt wie beim ersten Mal ist.

Vielen Dank und weiterhin maximale Erfolge!

Das Europäische Olympische Jugendfestival in Baku

EOYFs  finden seit 1991 statt. In diesem Jahr wird es vom 21. bis 27. Juli zum fünfzehnten Mal organisiert. Teilnahmeberechtigt sind Athletinnen und Athleten im Alter zwischen 14 und 18 Jahren. Diese wetteifern in zehn Sportarten um die Medaillen. Das deutsche Team umfasst 120 Sportlerinnen und Sportler. Für MV sind Sprinterin Cheyenne Kuhn (SC Neubrandenburg), Dreispringerin Hannah Bittorf (1. LAV Rostock) und Ringerin Rebekka March (SV Warnemünde, Gewichtsklasse bis 49 Kilogramm) dabei.

mm