Im Gespräch mit Wassersportler Denny Kambs

Kanusport – da denkt man ganz traditionell an den Kanurennsport mit dem Kajak oder Kanadier. Bestenfalls noch an die Disziplin Kanuslalom oder an das Mannschaftsspiel Kanupolo. Aber SUP? Was ist das denn…? Übersetzt heißt es Stand Up Paddling, also „Stehpaddeln“. Diese Disziplin erfreut sich mittlerweile weltweit größter Beliebtheit, auch hierzulande. Einer der bekanntesten SUP-Protagonisten in MV ist der 32-jährige Denny Kambs, der kürzlich auch an den FINALS in Berlin teilnahm.

Denny Kambs auf dem SUP-Board   Foto: © Sebastian Heger

Denny Kambs über seine Begeisterung für SUP, die FINALS in Berlin, die Entwicklung des Stehpaddelns in M-V und seine SUP-Stationen…

Frage: Denny, wie lief es bei den FINALS in Berlin? Zufrieden mit dem Rennverlauf?

Denny Kambs: Mein Ziel war es, ins Finale zu kommen – das hat dann auch geklappt. Im Finale lief es dann leider nicht so gut für mich… Durch eine Unachtsamkeit ging ich „baden“ und hatte dann natürlich keine Chance mehr, noch ums Treppchen zu fahren.

Frage: SUP sind ja immer noch die „Exoten“ im Kanusport, auch wenn die Disziplin zum Deutschen Kanu-Verband gehört. Was macht der Sport für dich aus?

Denny Kambs: Es vereint ungemein viel für mich… Das Training ist sehr komplex und vielseitig. Ich könnte allein zu dieser Frage schon jetzt ein Buch schreiben! Aber mich fasziniert es am meisten, auf dem Meer zu paddeln. Technical Races in Brandungswellen und Rennen auf dem offenen Meer: Das ist es, was mich am meisten gepackt hat.

Frage: Du warst ja auch ein ambitionierter Fußballspieler. Warum hast du den Fußball gegen ein SUP-Board getauscht?

Denny Kambs: Ich löste mich seinerzeit – nach zwei Kreuzbandrissen – schon früh vom Fussball. Ich habe dann um meine Familie zu ernähren – und neben der Ausbildung – noch einmal ein paar Jahre Geld damit verdient. Ich machte dann beides, Fußball sowie SUP, noch ein Jahr und betrachtete SUP in der Zeit noch als Ausgleichstraining. Etwas, was ich jedem Fussballer auch ans Herz legen kann… Als es dann aber mit SUP professioneller wurde, war es nicht mehr möglich, beides intensiv zu betreiben. Ich probierte es dann ein weiteres Jahr mit SUP und wollte es nicht mehr missen. Wenn ein Sport noch so jung wie SUP ist und man beim Aufbau dabei sein kann, dann ist es mega-spannend.

Frage: Seit Juni 2019 hast du eine zweite SUP-Station in Warnemünde. Was bietest du dort an?

Denny Kambs: Ja, ich habe zwei Stationen… Die andere, neben Warnemünde, ist die wichtigste überhaupt – diese ist bei den Kanufreunden Rostocker Greif. Der Verein gab mir vor zwei Jahren dort die Möglichkeit, meine eigenen Schule zu eröffnen. Ich bin daher unheimlich glücklich mit dem Verein und der Unterstützung, die ich durch den Vorstand – gerade auch als Sportler –  erfahre. Wir bieten dort alles an, was SUP betrifft: vom Anfängerkurs bis zum Racetraining, von BIG Sup, Junggesellen-Abschieden bis Kindertraining… Und alles was Wellen und das Meer betrifft, gibt es dann natürlich an unserer Station in Warnemünde. Wir haben riesiges Glück, dass wir in Warnemünde mit Beach24 ebenfalls einen Partner fanden, der unsere vielen Träume wahr werden lässt. Daher an dieser Stelle ein großes Dankeschön an Christian Kroll!

Frage: Und wie steht es um SUP in MV?

Denny Kambs: Das ist schwierig zu beantworten. Wir planen, im nächsten Jahr ein DoYours Raceteam aufzubauen. Unser Kanu-Club wird gerade noch saniert und wenn das alles durch ist, werden wir uns der Jugendförderung widmen. Ich habe dazu schon einige Ideen und auch Sponsoren von mir, die es unterstützen wollen. Schauen wir mal, was diesbezüglich Spannendes entstehen wird!

Frage: Bist du inzwischen gänzlich Profi oder musst du dir deine „Brötchen“ noch woanders verdienen?

Denny Kambs: Es wurde tatsächlich kürzlich Realität und ich kann mich nun wirklich Profi nennen. Davor war mein Trainingspensum schon sehr hoch, aber mein Kopf war nie für das Training wirklich frei, weil ich ja auch alleiniger Unternehmer war. Ich konnte seit diesem Jahr jedoch einige unternehmerische Aufgaben abgeben und habe eine unglaubliche tolle Stationsleiterin, die mir den Rücken frei hält.

Des Weiteren habe ich aber auch einen Sponsor im Hintergrund, der zusätzlich einige Aufgaben abnimmt und „meinen Kopf von Zahlen befreite“. Ich konzentriere mich also ab sofort auf meine sportlichen Ziele für das nächste Jahr, was die Eurotour usw.. Ich habe meine Ambitionen fest vor Augen und muss nicht „auf Sonnenschein“ hoffen, um den Tank voll zu bekommen oder den Flieger zahlen zu können.

Frage: Wie sieht denn dein Trainingsalltag aus?

Denny Kambs: Ich stehe jeden Tag auf dem Wasser. Morgens stehen meist Ausdauer oder Intervalle auf dem PLan und am Nachmittag sind dann meist Individuelle Sachen, wie Boienturns etc., dran. Dazu kommen dann immer eine Kraft- oder Athletik-Einheit pro Tag. Weitere Inhalte im Trainingsalltag sind zweimal pro Woche Yoga und nicht zuletzt intensives Dehnen.

Frage: Jetzt nach den FINALS in Berlin: Welche Wettkämpfe stehen für dich an?

Denny Kambs: Gerade ging die SUP- and SOUL-Tour zu Ende, die ich gewinnen konnte. Das war mir wichtig, weil es eine Renn-Serie war, in der meine Disziplin überall an der Ostsee gefahren wurde.

Als nächstes Ziel steht die Weltmeisterschaft im Oktober in China an. Darauf fokussiere ich jetzt mein Training und schaue, was ich an Wettkämpfe in der Zeit bis dahin noch fahren kann, die mein Training aber nicht zu sehr beeinflussen sollten. Dieses Jahr ist es mir wichtig, neben dem Training noch so viel es geht im Unternehmen zu steuern, damit wir nächstes Jahr, mit einem großen Team, viele Leute aufs Wasser holen können. Ich bin hinsichtlich der weiteren Entwicklung jedenfalls optimistisch. Ich kann und will allerdings nicht alles abgeben, weil unsere Ziele, die wir mit dem Team haben, einfach zu spannend und schön sind. Ich möchte mein Wissen daher auch intensiv weiter geben. Das ist es jedenfalls, was ich dem Sport geben kann und weiterhin auch geben möchte.

Besten Dank und weiterhin viel Erfolg!