Pauline Schäfer mit WM-Titel 2017

Nun wurde in diesem Jahr 2017 sogar noch weltmeisterlich geturnt. Vom 2.Oktober bis zum 8.Oktober wetteiferten die Turnerinnen und Turner bei den WM in Montreal, der Olympiastadt von 1976.

Keine Turn-Dominanz einzelner Länder

Im Gegensatz zu früheren Jahren gab es keine Dominanz einzelner Turn-Nationen mehr, auch wenn die „Großen Vier“, China, Japan, Russland und die USA, wieder am besten abschnitten. So gewann China dreimal Gold, einmal Silber, zweimal Bronze und wurde damit erfolgreichstes Turn-Land vor Japan mit dreimal Gold, einmal Bronze, Russland mit einmal Gold, dreimal Silber, zweimal Bronze und den USA mit einmal Gold, dreimal Silber, einmal Bronze. Ein Jahr nach den olympischen Turn-Wettkämpfen im August 2016 in Rio de Janeiro wurde ein Generationswechsel in den verschiedenen Ländern eingeleitet, da einige Turnerinnen bzw. Turner nach Rio ihre Karriere beendeten.

Endlich wieder WM-Turnerinnen-Gold für Deutschland

Besonders erfreulich: Nach dreißig Jahren gab es wieder WM-Gold für eine deutsche Turnerin. Etwas, was zuletzt 1987 bei den Turn-WM in Rotterdam der Berlinerin Dörte Thümmler (SC Dynamo Berlin) gelang. Diese hatte seinerzeit zusammen mit der Rumänin Daniela Silivas WM-Gold am Stufenbarren gewonnen.

In Montreal triumphierte nun aktuell Pauline Schäfer (TV Pflugscheid-Hixberg/TuS 1861 Chemnitz-Altendorf) vor der US-Amerikanerin Morgan Hurd und Team-Kollegin Tabea Alt (MTV Ludwigsburg/MTV Stuttgart). Chapeau!

Bislang hatten deutsche Turnerinnen zweimal WM-Gold am Schwebebalken geholt:  1970 durch Erika Zuchold (SC Leipzig) in Ljubljana und 1981 durch Maxi Gnauck (SC Dynamo Berlin) in Moskau.  Bei olympischen Entscheidungen am Schwebebalken errangen deutsche Turnerinnen erst eine Medaille: 1972 mit Bronze durch Karin Janz (SC Dynamo Berlin) bei den Olympischen Spielen in München. Vielleicht ändert sich das ja bei Olympia in Tokyo 2020…

Weitere Infos zur Turn-WM 2017

Die Mehrkampf-Erfolge erkämpften indes bei den Frauen Morgan Hurd (USA) und bei den Herren Xiao Ruoteng (China). Japan war die „Boden-Nation“ 2017 in Montreal  – bei den Frauen ging der Titel an Mai Murakami und bei den Herren an Kenzo Shirai (auch Gold beim Sprung). Die traditionsreiche Turn-Nation Russland kam zu Gold dank Maria Paseka beim Sprung.

Insgesamt erturnten Sportlerinnen und Sportler aus 15 Ländern WM-Medaillen in Montreal 2017, darunter 8 Staaten eine oder mehrere Goldmedaillen.

M-V und das olympische bzw. weltmeisterliche Turnen

Wie sieht es aber im Hinblick auf die turnerische Tradition bei Olympia oder WM  im Nordosten aus?!

Den Medaillen-Anfang machte 1968 die gebürtige Rostockerin Marianne Noack, die 1968 mit der DDR-Riege Olympia-Bronze in Mexiko-City gewann und bei den WM 1970 Silber mit der Mannschaft erkämpfte. Die ebenfalls in Rostock geborene Christine Schmitt, Jahrgang 1953, gehörte 1968 als Ersatz-Turnerin zur olympischen DDR-Turnauswahl. Ihren endgültigen internationalen Durchbruch feierte sie mit WM-Bronze auf dem Schwebebalken 1970 (beim Sieg von Team-Kollegin Erika Zuchold).

Mit der Mannschaft holte Christine Schmitt an der Seite von Marianne Noack zudem Silber. Höhepunkt ihrer Karriere war dann noch Olympia-Silber mit der Mannschaft bei Olympia 1972 in München. In München 1972 gewann der Rostocker Reinhard Rychly ebenfalls eine olympische Turn-Medaille. Mit der DDR-Mannschaft errang er Bronze hinter Japan und der Sowjetunion.

Die Hoffmann-Brüder Lutz und Ulf – mit “Neustrelitzer Wurzeln” – setzten die internationalen Erfolge im Kunstturnsport für M-V 1980 bis 1988 fort: Bei den Olympischen Spielen erturnte Lutz Hoffmann mit der DDR-Riege den 2. Platz. Sein jüngerer Bruder Ulf war dreimal auf einem Olympia- bzw. WM-Podest. Jeweils mit den DDR-Teams belegte er bei den WM 1985 und 1987 den Bronze-Rang; bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul gab es sogar Silber.

Auch nach 1990 olympische Starts von Turnerinnen aus M-V

Drei weitere Turnerinnen aus Rostock konnten ebenfalls an olympischen Wettkämpfen teilnehmen: Christiane Thoms, die als Ersatz-Turnerin bei den Spielen 1988 in Seoul fungierte,  als die DDR-Riege Dritte wurde, Kathleen Kern-Stark, die 1992 und 1996 für den DTB startete, und Jana Günther, die 1992 olympisch turnte.

Zudem war die gebürtige Neubrandenburgerin Yvonne Pioch Teilnehmerin an den olympischen Turn-Wettkämpfen 1992. Und die gebürtige Ludwigslusterin Brigitte Kiesler turnte 1952 als Mitglied der westdeutschen Riege bei den Olympischen Spielen in Helsinki.

Last nut not least: Der renommierteste Turn-Verein in M-V der Gegenwart ist der Hanse-Turn-Verein in Rostock, der 2005 gegründet wurde. Der älteste Turnverein in M-V, zugleich der älteste in ganz Deutschland, ist der TSV Friedland 1814.

Marko Michels

Archiv-Foto (Michels): Blick zum WM-Schwebebalken 2007.