Das Gerätturnen zwischen der Universiade in Taipei und den WM in Montreal/Turnsportive Rückblicke

Eine Turnerin, Jahrgang 1989, MTV Stuttgart und Studentin der Uni Stuttgart, wird die deutsche Fahne bei der Eröffnungsfeier der 29.Universiade, den Weltspielen im Studentensport, vom 19.August bis 30.August in Taipei, tragen.

Kim Bui konnte dabei schon Medaillen-Erfolge bei einer Universiade feiern. Bei der 27.Universiade 2013 in Kazan gewann sie Bronze jeweils im Einzel-Mehrkampf als auch im Mannschafts-Mehrkampf.

Auch im April 2017, bei den Europameisterschaften in Cluj-Napoca, hatte Kim Bui sehr gute Resultate, wurde Fünfte im Mehrkampf, Vierte am Boden und Fünfte am Stufenbarren. Beim Weltcup im Amerika schaffte sie 2017 im Mehrkampf-Einzel Rang vier.

EM im Gerätturnen 2017 als Zwischenstation nach Taipei und nach Montreal/Die EM 2017 in Rumänien im Rückblick

Ansonsten standen die EM im Gerätturnen 2017 bei den Männern im Zeichen der Russen bzw. Ukrainer und bei den Frauen im Zeichen der Britin Ellie Downie. Bei den Männern kamen die russischen Turner zu zweimal Gold (durch David Beljawski am Seitpferd und durch Artur Dalalojan beim Sprung), zweimal Silber bzw. zweimal Bronze und die Ukraine zu zweimal Gold, zweimal Bronze. Der überragende Turner war einmal mehr Oleg Vernyayev, der Gold im Einzel-Mehrkampf bzw. am Barren und Bronze beim Sprung errang.

Dagegen war die Britin Ellie Downie in Cluj-Napoca bei den Frauen „das Maß aller turnerischen Dinge“. Sie holte Gold im Einzel-Mehrkampf, jeweils Silber beim Sprung bzw. am Boden und Bronze am Stufenbarren.

Aus deutscher Sicht gab es bei den EM 2017 Silber durch Lukas Dauser am Barren und Bronze durch Elisabeth Seitz am Stufenbarren.

Wie sah es vor Jahresfrist aber noch bei den olympischen Turn-Wettkämpfen im August 2016 in Rio aus?!

Die olympischen Turn-Konkurrenzen in Rio liegen auch schon wieder ein Jahr zurück. Die USA wurden in Rio  die erfolgreichste Turn-Nation mit 4 x Gold, 6 x Silber, 3 x Bronze – vor Russland mit 3 x Gold, 5 x Silber, 3 x Bronze, Großbritannien mit 2 x Gold, 2 x Silber, 3 x Bronze und Japan mit 2 x Gold, 1 x Bronze.

Aus kontinentaler Sicht hatte in Rio Europa die turnsportliche Spitzen-Position inne, gewann 29 der 54 turnsportlichen Olympia-Medaillen 2016, darunter 10 x Gold. Dahinter folgten der amerikanische Doppel-Kontinent mit 16 Medaillen, darunter 5 x Gold, und Asien, als großer Verlierer, mit „nur“ 9 Medaillen, darunter 3 x Gold.

Die olympischen Einzel-Mehrkämpfe 2016 waren „die erwarteten Angelegenheiten“ für Simone Biles (USA) und Kohei Uchimura (Japan). Aus deutschem Blickwinkel sorgten bei den Spielen 2016 Fabian Hambüchen mit Gold am Reck und Sophie Scheder mit Bronze am Stufenbarren für die sportlichen Höhepunkte.

Glasgow 2015 bereits mit starken Amerikanerinnen und Amerikanern

Die führende Position der USA im Turnsport war bereits bei den vorerst letzten Turn-WM 2015 in Glasgow, der letzten globalen Meisterschaft vor Olympia 2016 mehr als deutlich geworden. Die USA avancierten mit 5 x Gold, 2 x Silber, 3 x Bronze vor Japan mit 4 x Gold, 1 x Bronze, Russland mit 3 x Gold, 1 x Silber und China mit 2 x Gold, 2 x Silber, 4 x Bronze in Glasgow 2015 zur Turn-Nation Nummer eins.

Turnerische Rückblende auf die Universiade-Wettkämpfe 2015 in Gwangju

Bei den vorerst letzten Gerätturn-Wettkämpfen bei einer Universiade, im Jahr 2015 in Gwangju, waren bei den Frauen Russland mit 4 x Gold, 2 x Silber, 2 x Bronze vor Japan mit 1 x Gold, 3 x Silber, 1 x Bronze und Großbritannien mit jeweils 1 x Gold, Silber bzw. Bronze die Top-Nation. Das russische Team mit Polina Fedorowa gewann unter anderem den Mannschafts-Mehrkampf. Die Britin Kelly Simm setzte sich überraschend im Einzel-Mehrkampf durch, errang zudem Silber beim Sprung und Bronze am Boden. Die Japanerin Yu Minobe war hingegen die Nummer eins auf dem Schwebebalken.

Bei den Gerätturn-Konkurrenzen der Herren in Gwangju setzten Japan (2 x Gold, 4 x Silber, 3 x Bronze), die Ukraine (2 x Gold, 3 x Silber, 3 x Bronze), die USA (1 x Gold, 2 x Bronze) sowie Deutschland, China und Armenien (jeweils 1 x Gold) die turnerischen Akzente. Der bereits erwähnte Ukrainer Oleg Vernyayev war dabei der fleißigste Medaillensammler mit jeweils Gold im Einzel-Mehrkampf bzw. am Barren, mit Silber am Boden und mit jeweils Bronze an den Ringen, beim Sprung und beim Team-Mehrkampf. Der Amerikaner Donothan Bailey schaffte Gold am Seitpferd.

Der deutsche Gold-Jubel ging in Gwangju 2015 auf das sportliche Konto von Fabian Hambüchen, der, wie dann auch in Rio 2016 bei Olympia, Gold am Reck gewann. Bereits bei der Universiade 2013 in Kazan hatte Fabian Hambüchen Edelmetall geholt – mit jeweils Silber im Einzel-Mehrkampf und am Boden. Nach Rio 2016 beendete Fabian Hambüchen seine leistungssportliche Karriere.

Nun wird es turnerisch jedoch bei der Universiade vom 19.August bis 30.August in Taipei und dann vor allem bei der 47.Elite-WM vom 2.Oktober bis 8.Oktober in Montreal spannend.

Turnsportliches Kalenderblatt: Das Gerätturnen zwischen den WM 2015 in Glasgow und Olympia 2016 in Rio

Rückblick auf das turnsportliche 2015/Beitrag mit Peer Schmidt, Trainer beim Hanse-Turn-Verein in Rostock, vom 16.November 2015

Bei den gerade beendeten WM in Geräte-Turnen in Glasgow gab es den fast schon obligatorischen kontinentalen Dreikampf zwischen Europa, Asien und Amerika. Asien erkämpfte dabei die „Pole Position“ mit 17 Medaillen, darunter 7 x Gold, vor Europa mit 16 Medaillen, darunter 5 x Gold, und dem amerikanischen Doppel-Kontinent mit 12 Medaillen, darunter 5 x Gold. Also, es ging – kontinental betrachtet – „sehr eng“ zu…

Überragend war wieder einmal Japans Kohei Uchimura, der nach 2009, 2010, 2011, 2013, 2014 und 2015 seinen sechsten WM-Titel im Einzel-Mehrkampf  der Herren „holte“. In London 2012 hatte Kohei Uchimura dort auch Gold gewonnen. Auch am Reck gab es 2015 goldene WM-Momente für Kohei Uchimura, der auch den WM-Sieg 2015 mit der japanischen Mannschaft errang. Sein Landsmann Kenzo Shirai distanzierte zudem die Konkurrenz am Boden.

Japan bei den Herren die Nummer eins, die USA bei den Frauen

Ist Japan gegenwärtig die Nummer eins im globalen Herren-Turnsport, so sind die US-Amerikanerinnen derzeit die Allerbesten im Frauen-Turnsport. Simone Biles erturnte ihren dritten WM-Titel im Einzel-Mehrkampf der Frauen und freute sich außerdem über Gold mit dem US-Team, am Schwebebalken und am Boden. Insgesamt, bei Frauen und Herren, waren die USA vor Japan, Russland und China am besten.

Wie sind die WM-Ergebnisse in Glasgow nun zu bewerten?! Und zudem: Wie ist es um den Turnsport in M-V, speziell in Rostock,  2015 bestellt?!

Nachgefragt bei Peer Schmidt vom Hanse-Turn-Verein in Rostock

Frage: Herr Schmidt, die WM in Glasgow sind schon wieder Historie. Wie beurteilen Sie die Resultate aus internationaler und nationaler Sicht?

Peer Schmidt: Die Ergebnisse in Glasgow widerspiegeln die Wertigkeit und den Status dieser Sportart in der Gesellschaft der jeweiligen Länder. Entsprechend hoch sind die Förderungen dort, was auch immer wieder eine hervorragende Nachwuchsarbeit zulässt. Deutschland ist da ebenfalls auf einem guten Weg.

Frage: Die so genannten „fetten Jahres“ im deutschen Turnsport scheinen vorbei, wie bereits Fabian Hambüchen vor den WM äußerte… Fehlt der Nachwuchs?!

Peer Schmidt: Es fehlt nicht der Nachwuchs, sondern ausreichende Mittel und hochqualifizierte Top-Trainer. Gerade die DTB-Turn-Talentschulen in Deutschland, wo der Altersbereich  5-10 Jahre im Grundlagenbereich ausgebildet werden soll, sind vorort überwiegend auf sich selbst gestellt. Hier gibt es mit Sicherheit noch jede Menge Möglichkeiten der Förderung.

Frage: Welche Leistungen imponierten Ihnen ansonsten bei den WM 2015?

Peer Schmidt: Die Turnerinnen der USA sind momentan das Maaß aller Dinge. Die Höchstschwierigkeiten an allen Geräten sind sensationell. Ich persönlich stelle aber in Frage ob das noch“ weibliches Kunstturnen“ ist. Eine Nastia Lukin mit ihrer äußeren Erscheinung und Ausstrahlung hat mir seinerzeit wesentlich mehr imponiert.

Frage: Von den WM zu M-V… Wie bewerten Sie die Situation im Geräteturnen in M-V, speziell in Rostock,  anno 2015?

Peer Schmidt: Nun es gibt 6-7 Vereine die den Turnsport in MV auf Breitensportbasis betreiben und fördern. Wir der Hanseturnverein Rostock e.V. sind da mit unserer DTB-TTS allein auf weiter Flur. Das ist sehr schade, da wir dadurch gezwungen sind weite Wege nach Berlin-Brandenburg für unsere Leistungssportlichen Vergleichs- Wettkämpfe zu gehen. Für uns ein erheblicher Mehraufwand den wir selber finanzieren und absichern müssen.

Die momentane Flüchtlingssituation stellt uns zusätzlich vor große Probleme. Unsere Trainingsstätte, die Rostocker Kunstturnhalle, wurde mit zusätzlichen Sportgruppen belegt. Ein effizientes Leistungstraining ist somit momentan unmöglich.

Frage: Welche turnsportlichen Herausforderungen stehen 2015 noch an? Welche Ziele hat der Hanse-Turn-Verein für 2016?

Peer Schmidt: Die Wettkampfsaison 2015 ist mit den Landesmeisterschaften der AK 10-15 am 15.11.2015 gerade zu Ende gegangen. Für unsere  Nachwuchs-Turnerinnen im AK- Bereich 6-15 war es ein sehr erfolgreiches Jahr. Bei allen Wettkämpfen übers Jahr wurden mehrere Gold, Silber und Bronze-Medaillen errungen. Unsere Zusammenarbeit mit den TTS in Berlin-Brandenburg und dem Landes-Leistungszentrum in Berlin trägt Früchte und wird auch in 2016 ungemindert fortgesetzt werden. Seitens des Berliner-Trainingszentrums besteht nach wie vor großes Interesse an unseren kleinen Nachwuchstalenten. Eine entsprechende Delegierung dorthin bleibt oberstes Ziel für uns und unsere Turnerinnen.

Vielen Dank!

Marko Michels

Foto (Michels): Der Turnsport – ebenfalls in M-V mit Tradition.