Lindy Ave über ihren sportlichen Werdegang, ihre Zeit in Neubrandenburg bzw. in Greifswald und die kommenden Paralympics

In knapp vier Wochen beginnen die 15.Paralympics vom 7.September bis 18.September, wobei die Leichtathletik-Wettbewerbe einen großen Stellenwert während der Paralympischen Spiele haben werden.

Aus M-V-Sicht qualifizierten sich für die leichtathletischen Wettkämpfe Jana Schmidt vom 1.LAV Rostock, die gebürtige Schwerinerin Vanessa Low (für Leverkusen startend), die gebürtige Ueckermünderin Marianne Buggenhagen (für Berlin startend), die gebürtige Pasewalkerin Martina Willing (für Cottbus startend) und etwas überraschend Lindy Ave (HSG Universität Greifswald).

Lindy Ave, Jahrgang 1998, trainiert von Dr. Peer Kopelmann, konnte in den letzten beiden Jahren in die absolute Weltspitze vorstoßen. So wurde Lindy Jugend-Weltmeisterin bei den „Junior World Games“ 2015 in Stadskanaal und belegte bei den IPC-EM in Grosseto 2016 zweimal Rang fünf über die 100 Meter und über die 200 Meter. Lindys Bestleistungen stehen gegenwärtig über 100 Meter bei 13,78 Sekunden, über 200 Meter bei 28,01 Sekunden und im Weitsprung bei 4,26 Meter.

Wie sieht nun Lindys unmittelbare Vorbereitungsphase auf Rio aus?!

Nachgefragt

„Bin schon sehr gespannt…“

Frage: Herzlichen Glückwunsch zur erfolgreichen Qualifikation zu den Paralympics 2016, Lindy… Welche Erwartungen und Hoffnungen verbindest Du nun mit Deinem Start in Rio?

Lindy Ave: In den Jahren 2015 und 2016 durfte ich bereits an den Junior World Games teilnehmen und in diesem Jahr sogar erstmals an den Europameisterschaften der Erwachsenen. Das waren sehr schöne Erlebnisse, bei denen ich Erfahrungen sammeln konnte.

Und auch das Grand Prix Finale im London vor vielen Tausenden Zuschauern im Olympiastadion von 2012 war ein tolles Erlebnis. Solche Wettkämpfe mit internationalen Top-Athleten motivieren mich sehr, bislang konnte ich dabei immer Bestleistungen erzielen.

Aber Paralympics in Rio – das wird noch viel, viel größer. Ich habe noch vor ein paar Wochen überhaupt nicht daran gedacht, in Rio starten zu können. Umso mehr freue ich mich jetzt darauf. Das Olympiastadion und das Olympische Dorf, die vielen Zuschauer und die vielen Sportler – ich bin sehr gespannt. Ich hoffe, dass ich wieder eine persönliche Bestleitung erzielen und vielleicht über 100 Meter den Endlauf und im Weitsprung den Endkampf erreichen kann. Das wird sicher sehr schwer, mal sehen.

Frage: Wie sieht nun Deine unmittelbare paralympische Vorbereitung aus? Wann geht es für Dich nach Rio?

Lindy Ave: Momentan bin ich in Kienbaum. Gemeinsam mit den anderen deutschen Paralympics-Leichtathleten bereite ich mich auf Rio vor. Zwischendurch fahren wir nach Hannover, wo wir unsere Paralympics-Ausrüstung bekommen. Bevor wir am 31.August gemeinsam nach Rio fliegen, bin ich noch eine Woche in Greifswald. Auch dann wird natürlich trainiert und das neue Lehrjahr meiner Berufsausbildung am Berufsbildungswerk hat dann auch schon wieder begonnen. Außerdem hat mir mein Trainer gesagt, dass dann auch noch einige Pressetermine auf mich warten.

Frage: Wie bist Du eigentlich zur Leichtathletik gekommen? Wie sah Deine sportliche Entwicklung aus?

Lindy Ave: Ich habe in Neubrandenburg die KÖS, das ist die Schule für Körperbehinderte, besucht. Dort hat mich Frau Dittmer „entdeckt“ und für den Vereinssport beim SC Neubrandenburg gewonnen. Ich nahm am Schwimm-Training und am Leichtathletik-Training teil und war in beiden Sportarten erfolgreich. Seit meinem Wechsel nach Greifswald vor zwei Jahren konzentriere ich mich auf die Leichtathletik. Seitdem trainiere ich bei der HSG Universität Greifswald. Das Training ist hier umfangreicher und oftmals auch sehr anstrengend, macht aber auch viel Spaß.

Frage: Wie sieht ansonsten Dein Alltag zwischen Schule, Hobbys und Sport aus?

Lindy Ave: Da bleibt leider kaum noch Zeit. Nach der Berufsschule oder Ausbildung gehe ich am Nachmittag zum Training. Danach falle ich meistens nur noch ins Bett. Und an den Wochenenden, wenn ich nicht zu Lehrgängen oder Wettkämpfen unterwegs bin, bin ich froh, wenn ich mich zu Hause ausruhen kann.

Frage: Auf welche Wettkämpfe, außer der Leichtathletik, freust Du Dich noch in Rio? Was möchtest Du Dir vor Ort anschauen?

Lindy Ave: Wenn ich Zeit habe, würde ich mir gerne die Schwimm-Wettbewerbe ansehen.

Letzte Frage: Wirst Du auch ein wenig die Olympischen Spiele in Rio verfolgen?

Lindy Ave: Wir sind ja während der Olympischen Spiele in Kienbaum und trainieren zweimal täglich. Außerdem finden die wichtigsten Entscheidungen in Rio ja statt, wenn es bei uns Nacht ist. Ich denke, in der Mittagspause zwischen den Trainingseinheiten werde ich mir anderen Athleten die Aufzeichnungen der Wettkämpfe im Fernsehen anschauen.
Besonders interessieren mich natürlich die Leichtathletik-Wettbewerbe. Einige deutsche Athleten – David Storl, Christina Schwanitz und Nadine Müller – waren ja auch noch in Kienbaum, als wir unsere Vorbereitung begonnen haben.

Vielen Dank und maximale Erfolge, insbesondere in Rio!

Marko Michels