Im Kanu-Slalom wird es im September noch weltmeisterlich

Das Sport-Jahr 2017 geht nun endgültig den Bach runter, da bleibt nichts anderes übrig, als gegenzusteuern oder gekonnt mit oder sogar gegen den Strom zu paddeln.

Diesbezüglich gibt es zudem im Sport echte Könnerinnen und Könner, jene die im Metier des Kanu-Slaloms zu Hause sind. Und diese Sportart ist sogar olympisch, zunächst nur 1972, damals im Eiskanal von Augsburg, dann seit 1992 fort folgend.

Und: Weltmeisterschaften gibt es dort ebenfalls, sogar aktuelle: vom 26.September bis 30.September in Pau (Frankreich).

Deutschland mit achtmal Olympia-Gold im Kanu-Slalom

Die Deutschen hatten eigentlich schon immer entsprechende Spezialistinnen sowie Spezialisten im Kanu-Slalom und heimsten bereits 8 Olympiasiege ein, so Reinhard Eiben (SC DHfK Leipzig, Einer-Canadier) 1972, Walter Hofmann/Rolf-Dieter Amend (ASG Vorwärts Leipzig, Zweier-Canadier) 1972, Siegbert Horn (ASG Vorwärts Leipzig, Einer-Kajak) 1972, Oliver Fix (TSV Schwaben Augsburg, Einer-Kajak) 1996, Thomas Schmidt (RKV Bad Kreuznach, Einer-Kajak) 2000, Alexander Grimm (Kanu Schwaben Augsburg, Einer Kajak) 2008, Angelika Bahmann (SC DHfK Leipzig, Einer-Kajak) 1972 und Elisabeth Micheler (TSV Schwaben Augsburg, Einer-Kajak) 1992.

Also… Früherer olympischer Erfolg verpflichtet bekanntlich zu etwas, auch wenn man da anderer Meinung sein kann. Und so hoffte man im deutschen Kanu-Slalom-Land auf Rio…

Wie sah es nun aber tatsächlich im olympischen Zyklus 2012/16 – insbesondere aus deutscher Sicht – aus?!

Bei den 12 WM-Entscheidungen in den olympischen Kanu-Slalom-Disziplinen 2013, 2014 und 2015 stellte sich „das sportliche Bild“ folgendermaßen dar: Frankreich avancierte mit 3 x Gold, 4 x Silber, 2 x Bronze zur erfolgreichsten Kanu-Slalom-Nation vor Tschechien mit 3 x Gold, 2 x Silber, Großbritannien mit 3 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze, Slowenien mit 1 x Gold, 2 x Silber, 1 x Bronze, Deutschland mit 1 x Gold, 1 x Silber, 4 x Bronze, Australien mit 1 x Gold, der Slowakei mit 1 x Silber, 2 x Bronze, Polen mit 1 x Silber, 1 x Bronze und den USA mit 1 x Bronze.

Prag 2013 mit starken Briten

Bei den WM im Kanu-Slalom in Prag 2013 war Großbritannien dank David Florence die Top-Nation. Dieser gewann den Wettbewerb im Einer-Canadier und mit Richard Hounslow ebenfalls im Zweier-Canadier. Für das deutsche Team gab es einmal Bronze in der Entscheidung im Einer-Kajak durch Jasmin Schönberg.

WM in U.S.A. 2014 mit zweimal Bronze für die deutsche Mannschaft

Bei den WM 2014 auf dem Deep Creek Lake in Maryland sammelte die französische Equipe die meisten Medaillen (2 x Gold, 2 x Silber, 1 x Bronze). So triumphierten Fabien Lefevre im Einer-Canadier und Boris Neveu im Einer-Kajak.

Sowohl Franz Anton (Einer-Canadier) als auch Melanie Pfeifer (Einer-Kajak) erkämpften jeweils Bronze. Die Australierin Jessica Fox sorgte mit ihrem WM-Titel im Einer-Kajak 2014 für das einzige nicht-europäische WM-Gold in einer olympischen Disziplin des Kanu-Slaloms im olympischen Zyklus 2012/16.

London rief 2015

Und bei den WM im Kanu-Slalom 2015  im Lee Valley White Water Centre in London setzte insbesondere Tschechien die sportlichen Akzente. In beiden Einer-Kajak-Wettbewerben bei den Frauen und den Herren holte das tschechische Team Gold: durch Katerina Kudejova und durch Jiri Prskavec.

Deutschland kam auf einen kompletten Medaillensatz: Gold durch Franz Anton/Jan Benzien (Zweier-Canadier), Silber durch Ricarda Funk (Einer-Kajak) und Bronze durch Melanie Pfeifer (Einer-Kajak). Die USA jubelten 2015  über Bronze für Michal Smolen (Einer-Kajak).

Von der WM 2015 nach Olympia 2016

Im August 2016 gab es endlich die vier olympischen Entscheidungen im Kanu-Slalom in Rio de Janeiro. Die Spanierin Maialen Chourraut siegte im Einer-Kajak der Frauen. Im Einer-Kajak der Herren war der Brite Joseph Clarke der Beste. Denis Gargaud aus Frankreich ließ sich den Erfolg im Einer-Canadier nicht nehmen. Im Zweier-Canadier jubelten die Slowaken Ladislav und Peter Skantar.

Neun Länder schafften in den olympischen Entscheidungen 2016 im Kanu-Slalom Medaillen, so Großbritannien sowie die Slowakei (jeweils einmal Gold, einmal Silber), Frankreich (einmal Gold, einmal Bronze), Spanien (einmal Gold), Slowenien sowie Neuseeland (jeweils einmal Silber) und Tschechien, Japan bzw. Australien (jeweils einmal Bronze).

Aus deutscher Sicht waren zwei vierte Ränge (Hannes Aigner im Einer-Kajak und Franz Anton/Jan Benzien im Zweier-Canadier), ein fünfter Rang (Sideris Tasiadis im Einer-Canadier) und ein siebenter Rang (Melanie Pfeifer im Einer-Kajak) die besten Ergebnisse 2016.

Nun folgt jedoch die WM 2017 im Kanu-Slalom in Pau (Frankreich). Dort können sich die deutschen Starterinnen und Starter für das entgangene olympische Edelmetall 2016 revanchieren.

Übrigens: Die erste WM im Kanu-Slalom wurde 1949 in Genf ausgetragen, wobei sich Frankreich (viermal Gold), Österreich (dreimal Gold) und die Schweiz (einmal Gold) die damaligen Titel teilten.

Den ersten WM-Titel im Kanu-Slalom aus deutschem Blickwinkel sicherte sich der Kajak-Fahrer Walter Kirschbaum 1953 in Meran. Die ersten deutschen Kanu-Slalom-Weltmeisterinnen waren dann in Tacen 1955 Rosemarie Biesinger (Einer-Kajak) und Eva Setzkorn/Elfriede Hugo/Karin Tietze (Einer-Kajak, Mannschaft).

Last but not least: Zuletzt fanden auch einige wichtige maritime Wettbewerbe im Drachenbootsport, im Kanu-Rennsport und im Segeln (Piraten-Klasse) statt.

Bei den ICF-Club-WM im Drachenbootsport in Venedig erkämpften die deutschen Teilnehmerinnen bzw. Teilnehmer 11 x Gold, 20 x Silber, 10 x Bronze. Auch das Team der Rostocker Seebären war an der deutschen Medaillen-Ausbeute beteiligt.

Vor Röbel, bei den Segel-EM in der Piraten-Klasse auf der Müritz, schafften die Teterower Ines Pingel/Thomas Heldt Bronze.

Viel Freude gab es nicht zuletzt bei den Olympic Hopes, den Wettkämpfen für die jungen Kanu-Rennsport-Asse, in Racice. Die deutsche Mannschaft errang dort 17 x Gold, 15 x Silber, 16 x Bronze, wobei dort ebenfalls die Neubrandenburger Kanutinnen und Kanuten, wie Josefine Landt, Wiebke Glamm, Lina Bielicke, Nicole Rushkovska bzw. Nico Knop (alle SC Neubrandenburg), sehr erfolgreich waren

Marko Michels

Symbolfoto – Kanuslalom