Im Gespräch mit dem mehrfachen Welt- und Europameister im Paarlauf, Robin Szolkowy

Das klassische Wintersport-Land ist Mecklenburg-Vorpommern nicht gerade. Doch Ski- und Eissport-Asse, die im deutschen Nordosten das Licht der Welt erblickten und hier teils auch ihre sportliche Karriere starteten, gibt es immer wieder. Namen, wie die Bob-Legenden Meinhard Nehmer und Carsten Embach, der Biathlet Frank-Peter-Roetsch oder die Eisschnellläuferinnen Karin Kessow und Jacqueline Börner sorgten mit ihren Erfolgen dafür, dass auch Meck-Pomm einen Platz in der Wintersporthistorie hat.  Auf den Kufen nicht minder siegreich zeigten sich der Eiskunstläufer Rolf Oesterreich oder die Shorttracker Arian Nachbar und Aika Klein.

Einer, der den Tanz auf dem Eis wie nur wenige beherrscht, ist der gebürtige Greifswalder Robin Szolkowy. Der Ex-Eiskunstläufer brillierte zwischen 2003 und 2014 mit seiner Eis-Partnerin Aliona Savchenko auf den Bahnen der Welt. In dieser Zeit konnten sie 5 Mal die Weltmeisterschaft und 4 Mal EM-Gold. Was macht der 39-Jährige eigentlich heute? Nachgefragt…

Eiskunstlauf – Symbolbild

Interview

Robin Szolkowy über sein heutiges Leben und seine Aktivitäten, den olympischen Wettkampf 2018 und die Entwicklung des Eiskunstlaufsportes in Deutschland

Frage: Robin vor vier Jahren beendeten Sie Ihre aktive Sportkarriere. Seitdem ist dennoch viel passiert: Sie heirateten, gründeten eine Sportagentur, wurden Trainer (in Russland) und Vater. Wie sieht Ihr Leben momentan aus? Wären Sie selbst noch gern bei den großen Events aktiv?

Robin Szolkowy: Momentan geht es eigentlich in dieser Tour und in diesem Tempo weiter, was mich doch von Zeit zu Zeit an meine Grenzen kommen lässt. Aber lieber etwas absagen, als dass man nichts zu tun hat! Ich bin nach wie vor mit dem russischen Team unterwegs und versuche, meine Erfahrungen und Know-how weiterzugeben. Zwischenzeitlich habe ich auch eine weiteres Paar aus Ungarn übernommen und wir sind als Familie in die Schweiz gezogen.

Ich bin mehrmals im Jahr als Trainer für internationale Paarlauf-Camps in Russland, Deutschland und den USA gebucht und veranstalte auch mein eigenes Paarlauf-Camp mit Unterstützung der ISU in Engelberg, Schweiz. Aber bei all den verschiedenen Einsätzen auf dem Eis vermisse ich mein „altes“ Leben nicht eine Sekunde. Ich glaube, ich kann sagen, dass ich meine Bestimmung gefunden habe.

Frage: Bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang gewann Ihre einstige Eis-Partnerin Aljona Savchenko zusammen mit Bruno Massot die Paarlauf-Konkurrenz. Wie beurteilen Sie diesen Wettkampf? Haben Sie noch Kontakt zu Aljona?

Robin Szolkowy: Es freute mich persönlich, als Deutscher und als Sportsmann, dass Aljona nun endlich ihre Träume verwirklichen konnte. Ich habe die letzten vier Jahre gelebt – sie hat trainiert. Und dafür verdient sie meinen Respekt. Am Ende haben Aljona und Bruno genau das gezeigt, was zum Sieg an diesem Abend reichen sollte. Durch unsere gemeinsame Vergangenheit und unser gemeinsames Betätigungsfeld (das Eislaufen), haben wir natürlich noch Kontakt. Mal mehr und mal weniger – aber immer herzlich und respektvoll.

Frage: Einen Monat später gewannen Aljona und Bruno auch noch WM-Gold. Dennoch ist es um das deutsche Eiskunstlaufen nicht unbedingt zum besten bestellt. Einige Medien sprechen schon von dessen Niedergang. Wie beurteilen Sie die Entwicklung?

Robin Szolkowy: Vom Untergang sind die Deutschen noch weit entfernt. Aber sicherlich muss sich etwas ändern. Durch meine verschiedenen internationalen Einsätze habe ich auch mehr und mehr Einblicke hinter die Kulissen bekommen. Deutschland muss anfangen mit der Zeit zu gehen. So wie Facebook, Google und viele andere muss auch Eiskunstlauf viel globaler betrachtet werden. Es gibt nicht DEN Trainer und DEN Trainingsansatz. Es gibt eher genau DIE Mischung aus allem Angebotenen für DEN bestimmten Sportler. Aber viele internationale Verbände sind derzeit in einer Umstrukturierungsphase. Aber der hoffnungsvolle Nachwuchs ist definitiv da!

Frage: Auch wenn Sie „nur“ in Greifswald geboren wurden und in Erfurt bzw. in Chemnitz sportlich reiften, sind Sie dennoch „ab und zu“ in Ihrer Geburtsstadt und überhaupt in M-V?

Robin Szolkowy: Ich war ein paar Mal zum Trainingslager in Zinnowitz. Dann noch einmal zu meiner kirchlichen Trauung 2015. Aber da mein Sohn jetzt langsam in das Alter kommt, wo es Spaß macht, am Ostseestrand herumzutollen, denke ich, dass der nächste Ausflug nach M-V nicht mehr lang auf sich warten lassen wird.

Letzte Frage: Trainer, Vater, Agentur-Inhaber und Ehemann… Wie bringen Sie eigentlich alles „unter einen Hut“, besser gesagt „unter die Kufen“?

Robin Szolkowy: Ich bin der glücklichen Lage, mit dem was ich kann und liebe meine Brötchen zu verdienen. Auch bin ich größtenteils mein eigener Chef und kann den somit vorhanden Spielraum für Familie oder andere spannende Projekte nutzen. Allerdings: Manchmal bräuchte ich 10 Wochentage mit je 30 Stunden um alles „unter die Kufen“ zu bringen.

Vielen Dank und weiterhin maximale Erfolge!

Medaillenspiegel Robin Szolkowy und Aljona Savchenko

Olympische Ringe Olympische Winterspiele

* Bronze Vancouver 2010

* Bronze Sotschi 2014

ISU Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften

* Bronze Tokio 2007

* Gold Göteborg 2008

* Gold Los Angeles 2009

* Silber Turin 2010

* Gold Moskau 2011

* Gold Nizza 2012

* Silber London 2013

* Gold Saitama 2014

ISU Eiskunstlauf-Europameisterschaften

* Silber Lyon 2006

* Gold Warschau 2007

* Gold Zagreb 2008

* Gold Helsinki 2009

Exkurs nach M-V

Rostocker Eiskunstläuferinnen bei einer früheren Show-Veranstaltung in Schwerin Foto: M.M.

Der gebürtige Rostocker Rolf Oesterreich (Jahrgang 1952) gewann ebenfalls mehrfach Edelmetall im Paarlaufen. Zusammen mit Partnerin Romy Kermer (beide für Berlin startend) waren das WM-Silberne 1975 und 1976 sowie WM-Bronze 1974.In den selben Jahren errang das Duo zudem dreimal EM-Silber. Der Höhepunkt war zweifellos Olympia-Silber 1976.

Ein Jahrzehnt vorher brillierte ein weiterer Hanseate auf dem Eis. Im Herren-Einzel wurde Ralph Borghard für den SC Dynamo Berlin dreimal DDR-Meister (1963, 1964 sowie 1966). Bei den EM ’63 und ’66 kam er jeweils auf Rang sechs und bei den WM ’66 auf Platz vierzehn.

Aktuell werden die hiesigen Eiskunstlauf-Talente beim Rostocker Eiskunstlauf-Verein, der im Jahr 2000 gegründet wurde, engagiert und kompetent betreut. Ihre Trainingsstätte ist die Eishalle direkt neben der DKB Arena, in der auch die Shorttracker und die PIRANHAS zu Hause sind.

Übrigens: Zur Rostock-Premiere der neuen Show von Holiday on Ice am 6. Dezember werden auch Aliona Savchenko und Bruno Massot vor Ort sein und noch einmal ihre goldene Olympia-Kür von Pyeongchang zeigen.

 

Text und Interview: M. Michels