Blicke zurück und nach vorn – auch für M-V

Das Damen-Bob-Duo Schneider/Buckwitz beim Weltcup im Winterberg im Dezember 2017. Copyright: BSD/Dietmar Reker

Die olympische Weltcup-Saison 2017/18 im Bob- und Skeleton-Sport ist auch schon wieder beendet. Der Höhepunkt, die olympischen Konkurrenzen in Pyeongchang, folgen allerdings noch – im Februar. Es wird also für die Bob- und Skeleton-Asse aus aller Welt noch so richtig spannend…

Ausgezeichnete Bob-Weltcup-Saison für Schwarz-Rot-Gold

Insgesamt betrachtet verliefen die Bob-Entscheidungen bei den einzelnen Weltcups 2017/18 in Lake Placid (November 2017), in Park City (November 2017), in Whistler (November 2017), in Winterberg (Dezember 2017), in Innsbruck-Igls (Dezember 2017), in Altenberg (Januar 2018), in Sankt Moritz (Januar 2018) und am Königssee (Januar 2018) sehr positiv, vielversprechend und erfolgreich.

Die deutschen Bob-Asse erkämpfen 14 x Gold, 8 x Silber, 9 x Silber. Erst mit Abstand folgen Kanada (5 x Gold, 8 x Silber, 3 x Bronze), die USA (3 x Gold, 7 x Silber, 5 x Bronze), die Schweiz (1 x Gold, 1 x Bronze) und Russland (1 x Gold). Weltcup-Medaillen 2017/18 erreichten zudem Lettland (1 x Silber, 3 x Bronze), Großbritannien (1 x Silber, 1 x Bronze) und Österreich (1 x Silber).

Die deutsche Bob-Pilotin Stephanie Schneider schaffte 2017/18 drei Weltcup-Siege und die deutschen Bob-Piloten Nico Walther bzw. Johannes Lochner kamen auf fünf Erfolge bzw. vier Erfolge (Nico Walter mit drei Vierer-Siegen bzw. zwei Zweier-Siegen und Johannes Lochner mit vier Vierer-Siegen). Aus deutscher Sicht erkämpfte zudem Bob-Pilot Francesco Friedrich zwei Siege (beide im Zweier). „Für M-V“ belegte der gebürtige Anklamer Marko Hübenbecker beim Weltcup in Winterberg im Dezember 2017 im Bob von Nico Walther Rang zwei.

Gesamt-Weltcups im Bobsport an Kanada und Deutschland

Die Gesamt-Weltcups holten sich 2017/18 indes im Frauen-Zweier die zweimalige Olympiasiegerin 2010/2014 Kaillie Humphries (Kanada) vor Elana Meyers Taylor (USA) und Mariama Jamanka (Deutschland). Kanada war auch im Herren-Zweier im aktuellen Gesamt-Weltcup vorn: Justin Kripps vor Francesco Friedrich und Chris Spring (Kanada). Und im Vierer triumphierte im Gesamt-Weltcup 2017/18 Johannes Lochner vor Francesco Friedrich und Nico Walther. Den Kombinations-Gesamt-Weltcup aus Zweier- und Vierer-Bob errang ebenfalls Justin Kripps aus Kanada.

Auch im Skeleton-Schlitten sehr erfolgreich

Die deutsche Erfolgsskeletona Tina Hermann beim Weltcup in Altenberg im Januar 2018. Copyright: BSD/Dietmar Reker

Auch im Skeleton-Weltcup 2017/18 war Deutschland überaus erfolgreich, holte sechzehn Medaillen, darunter fünfmal Gold. Dahinter folgen Südkorea (sieben Medaillen, darunter fünfmal Gold, allein dank Yun Sung-bin), Lettland (sieben Medaillen, darunter zweimal Gold), Russland (sieben Medaillen, darunter zweimal Gold), Österreich (drei Medaillen, darunter zweimal Gold), Kanada (sieben Medaillen) und Großbritannien (eine Medaille).

Die Gesamt-Weltcups im Skeleton 2017/18 gingen bei den Frauen an Jacqueline Lölling (vier Weltcup-Einzelsiege)  vor Tina Hermann (beide Deutschland) bzw. Elisabeth Vathje (Kanada) und bei den Herren an Yun Sung-bin (Südkorea) vor Axel Jungk (Deutschland, ein Weltcup-Sieg) und Tomass Dukurs (Lettland).

Rückblende: Die WM im olympischen Zyklus 2015-2017 im Bob- und Skeletonsport

Bei den Welt-Titelkämpfen im olympischen Zyklus 2014-2018 (2015 Winterberg, 2016 Innsbruck-Igls, 2017 Königssee) war im Bobsport Deutschland mit 7 x Gold, 5 x Silber, 3 x Bronze ebenfalls sehr erfolgreich. Die USA (2 x Gold, 2 x Bronze), Lettland (1 x Gold, 2 x Bronze), Kanada (3 x Silber) und die Schweiz (2 x Bronze) holten auch WM-Medaillen. Die WM-Goldenen gingen 2015-2017 aus schwarz-rot-goldenem Blickwinkel an Francesco Friedrich (3 x WM-Gold im Zweier, 2 x WM-Gold im Vierer), an Johannes Lochner (1 x WM-Gold im Vierer – 2017 gemeinsam mit Francesco Friedrich bei Zeitgleichheit der beiden Bobs) und Anja Schneiderheinze (1 x Gold im Zweier der Frauen).

Bei den Weltmeisterschaften im aktuellen Olympia-Zyklus im Skeleton (Austragungsorte wie beim Bobsport) errangen die deutschen Athletinnen bzw. Athleten 2 x Gold (durch Tina Hermann 2016 und Jacqueline Lölling 2017), 3 x Silber. Lettland holte 3 x Gold, 1 x Bronze, Großbritannien 1 x Gold, 1 x Bronze, Russland 2 x Silber, 2 x Bronze, Österreich bzw. Südkorea jeweils 1 x Silber und Kanada 1 x Bronze.

Das ist jedoch alles Vergangenheit. Im Februar 2018 in Pyeongchang werden „die Bob- und Skeleton-Karten“ neu „gemischt“…

 


 

Bobsportliches Kalenderblatt vom 28. Oktober 2011 / Bobsport-Beitrag auf rostock-sport.de

„Von der Weitsprung-Grube in den Eiskanal – Der gebürtige Stralsunder Carsten Embach im Blickpunkt“

Mecklenburg-Vorpommern – das Land der Möwen, Heringe, Ostsee-Schnittchen und erfolgreichen Athleten ist auch im Wintersport eine Macht. Darüber berichtete rostock-sport.de in den letzten Jahren bereits mehrfach – auch über die Bob-Asse, wie Meinhard Nehmer (Rügen), Torsten Voss (Schwerin) oder Ulf Hielscher (Neubrandenburg) bzw. über den Skeleton-Erfolgssportler Sandro Stielicke aus Teterow.

Sie alle waren bei Olympia, WM, im Weltcup und bei EM dabei und sehr erfolgreich. Das gilt auch für den 1968 in Stralsund geborenen Carsten Embach, der auch von der Leichtathletik kommend, den Weg zum Bobsport fand. So  wurde Carsten Embach in den Hoppe-Vierer-Bobs Dritter der Olympischen Winterspiele 1994, Weltmeister 1995/1997, WM-Dritter 1996 und dann in den Andre-Lange-Vierer-Bobs Weltmeister 2000, Vize-Weltmeister 2001, Olympiasieger 2002 bzw. Weltmeister 2003.

Zuvor war Carsten Embach aber ein erfolgreicher Weitspringer mit der Bestweite von 8,11 Metern. Er war der letzte DDR-Hallen-Meister im Weitsprung – vor Jens Hirschberg (SC Magdeburg) und Andre Müller (SC Empor Rostock) – und Fünfter der Hallen-EM 1990. Bei den letzten DDR-Freiluft-Meisterschaften in der Leichtathletik wurde Carsten Embach Dritter – hier hinter dem Sieger Andre Müller (SC Empor Rostock) sowie Jens Hirschberg (SC Magdeburg)

Bis 2010 war Carsten Embach Bundestrainer bei den Herren und auch Trainer der Bobsportlerinnen Romy Logsch/Cathleen Martini und ist jetzt Referent für den Olympischen Wintersport beim Deutschen Olympischen Sportbund.

Nachgefragt

Carsten Embach über seine sportliche Karriere, besondere Herausforderungen und gegenwärtige Aufgaben

„Jeder Erfolg ist auf seine Weise schön…“

Frage: Nun ist M-V nicht gerade die Hochburg des Welt-Bobsportes … Wie gelangten Sie als Stralsunder zum Schlittensport?

Carsten Embach: Ich bin ja in Stralsund zur Leichtathletik gekommen, nahm an Kreis- und Bezirksspartakiaden erfolgreich teil und wurde letztendlich an die Kinder- und Jugendsportschule Potsdam delegiert. Viele Jahre war ich dann im Weitsprung erfolgreich, übersprang die 8-Meter-Marke. In den jeweiligen Trainingslagern gab es dann einen guten Kontakt zu den „Bobbies“, zahlreiche Freundschaften entstanden.

Nach der Wende änderten sich – wie in der gesamten ehemaligen DDR – die Sportstrukturen, auch mein damaliger Leichtathletik-Trainer musste zur Sicherung des Lebensunterhalts Versicherungen verkaufen. Die Bedingungen wurden somit auch für mich alles andere als optimal. Im Jahr 1992 sprach mich dann ein ehemaliger Schulkamerad an, ob ich nicht Interesse hätte, bei den Bobfahrern einzusteigen. Ich machte als Anschieber in Oberhof dazu einen ersten Versuch und wurde sofort, als „absolut talentiert“ für den Bobsport befunden. Dennoch erbat ich mir eine zweimonatige Bedenkzeit und willigte ein, was sich aus heutiger  Sicht als eine der besten Entscheidungen in meinem Sportlerleben herausstellte.

Hinzu kam, dass ich mir aufgrund einer Sprunggelenkverletzung im Weitsprung ohnehin eine neue sportliche Perspektive suchen musste. So landete ich eben bei den Bobsportlern, bei Wolfgang Hoppe später bei Harald Czudaj und dann bei dem Erfolgspiloten Andre Lange.

Frage: Sie wurden Olympiasieger 2002. Für Sie auch der schönste sportliche Erfolg in Ihrer Karriere?!

Carsten Embach: Jede Medaille, jeder Erfolg ist auf seine Weise schön. Hinter jeder Medaille und hinter jedem Sieg, ob bei Olympia, WM oder EM, steckt ja eine eigene besondere Geschichte. Das macht ja jeden Erfolg auch auf eine ganz subjektive Weise so einzigartig. Dennoch: Der Olympiasieg 2002 in Salt Lake City ist schon der Höhepunkt meiner Karriere – der Olympiasieg ist nun einmal das Allergrößte, was eine Sportlerin bzw. ein Sportler erreichen kann.

Nachhaltig bleiben mir auch die Olympischen Winterspiele 1994 in Lillehammer in Erinnerung. Damals war ich erst anderthalb Jahre im Bobsport dabei und gleich bei den ersten Spielen gewann ich Bronze. In Nagano wurde ich als Ersatzmann nominiert und 2002 gab es das erwähnte Olympia-Gold.

Sehr emotionsreich ging es bei den WM 1995 in Winterberg und 2000 in Altenberg zu. Es ist doch immer etwas ganz Besonderes vor heimischer Kulisse starten zu können, hautnah die Begeisterung der Zuschauer, der eigenen Familie/Fans zu spüren.

Dennoch: Ich unterscheide schon zwischen meinem größten Erfolg und meiner größten Leistung. Der größte Erfolg war unbestritten der Bob-Olympiasieg 2002, die größte sportliche Leistung sind jedoch meine Sprünge über die 8 Meter-Marke im Weitsprung.

Frage: Sie waren selbst Trainer … Was ist leichter – die Arbeit als Trainer oder das „Aktiv sein“ im Bob?

Carsten Embach: Das kann ich ziemlich eindeutig beantworten … Die Arbeit als Trainer ist ungleich schwieriger als Aktiver. Als Sportler, der bereits in entsprechende Leistungsbereiche vordrang, ist das Talent ohnehin vorhanden, die Motivation stimmt, vieles fällt einem zu. Als Trainer hat man es jedoch mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten und Charakteren zu tun.

Einerseits betreut man sehr talentierte Athleten, andererseits gibt es auch diejenigen, die nicht so viel Talent mitbringen. Die Erstgenannten gilt es zusätzlich beim Training zu motivieren, bei den anderen gilt es, sie an ihre Leistungsgrenzen zu führen. Mitunter steht man als Trainer vor sehr schwierigen Entscheidungen, gerade, wenn es darum geht, Athleten zu offenbaren, dass sie es nicht bis ganz nach oben schaffen werden. Das sind dann harte Entscheidungen, die aber notwendig sind.

Ansonsten ist es so, dass sich Sportler wiederum leichter trainieren lassen, als Sportlerinnen. Diese müssen viel sensibler trainiert werden, etwas, was ich während meiner Karriere als Trainer auch erst lernen musste.

Zweifellos machte ich die Erfahrungen, dass Sportlerinnen viel mehr hinterfragen, als es die männlichen Kollegen tun. Denen kann man einen Trainingsplan geben und sie machen es dann in der Regel so. Das ist bei den Sportlerinnen schon anders. In manchen Fragen sind diese allerdings auch lenkbarer.

Frage: Mecklenburger und Vorpommern scheinen die „großen Nummern“ im Bobsport zu sein, denkt man nur an Meinhard Nehmer, Ulf Hielscher,  Torsten Voss oder Sie … Gibt es weitere ambitionierte Bobsportler „Made in M-V“, die Sie im Blick haben?

Carsten Embach: Ja, die gibt es. Der 1985 in Anklam geborene Marko Hübenbecker, der einige Jahre ein erfolgreicher Kugelstoßer bzw. Diskuswerfer beim SC Neubrandenburg war, ist ein großes Talent aus  M-V. Marko konnte zweimal den ersten Platz im Europacup 2009/10 im Zweierbob belegen, war in jener Saison auch Gesamt-Zweiter des Europacups im Zweier-Bob und belegte bei den Junioren-WM im Vierer-Bob 2010 Rang vier. In diesem Jahr, 2011, wurde er Junioren-Weltmeister im Zweier-Bob.

Auch eine Sportlerin, die von der Leichtathletik kommt, einige Jahre beim SC Neubrandenburg trainierte und nun den Weg zum Bobsport fand, ist Petra Lammert. Die Hallen-Europameisterin 2009, EM-Dritte 2006,  Europacup-Erste 2007 sowie WM-Fünfte 2007 im Kugelstoßen, ist seit mehr als einem halben Jahr Bobsportlerin. Zusammen mit Sandra Kiriasis wird Petra die Weltcup-Saison 2011/12 bestreiten. Ihren Test als Anschieberin in Oberhof absolvierte Petra auf Anhieb mit Bravour!

Sowohl Marko Hübenbecker, als auch Petra Lammert sind vielversprechende Talente, wenn man so will „aus dem Norden“, aus M-V, für den Bobsport!

Frage: Wie beurteilen Sie das internationale Kräfteverhältnis im Bobsport für den Winter 2011/12?

Carsten Embach: Nach den Olympischen Winterspielen in Vancouver beendeten einige Bobpiloten ihre leistungssportliche Karriere. Vieles  ist daher auch im Bobsport im Umbruch. Die große Bob-Nation Schweiz konnte daher bei den WM 2011 in Königssee nicht wie gewohnt in den Kampf um die Medaillen eingreifen, dort gab es auch interne Querelen, fehlende finanziellen Mittel um an den Übersee-Weltcups teilnehmen zu können. Generell findet gerade eine Neuordnung in allen Nationen statt, in der Hoffnung das Deutschland weiterhin eine der führenden „Eis“-Nation bleibt.

Aber mit Blickrichtung Olympia 2014 wird man auch dort jede Anstrengung unternehmen, um die deutschen Bob-Fahrer wieder herauszufordern. Ähnliches gilt für die Amerikaner, die mit dem Holcomb-Vierer-Bob WM-Bronze 2011 erkämpften oder für die Russen, dank Alexander Zubkow Zweier-Bob-Weltmeister 2011. Die russischen Athletinnen bzw. Athleten werden sicherlich noch weitere, zusätzliche  Ambitionen im Hinblick auf die olympischen Entscheidungen im Bobsport bei den Herren und Damen für Sotschi hegen.

Für die deutschen Bobsportlerinnen und Bobsportler verliefen die WM  2011 ja sehr erfreulich: WM-Gold bei den Frauen durch Cathleen Martini/Romy Logsch, Zweier-Bob-Silber durch Thomas Florschütz/Kevin Kuske, Zweier-Bob-Bronze durch Manuela Machata/Andreas Bredau, Vierer-Bob-Gold durch Manuel Machata, Andreas Bredau, Richard Adjei bzw. Christian Poser und Vierer-Bob-Silber durch Karl Angerer, Alexander Rödiger, Christian Friedrich bzw. Gregor Bermbach. Aber das alles sind Moment-Aufnahmen. Bis Sotschi sind es ja noch mehr als zwei Jahre!

Weiterhin alles erdenklich Gute für Sie aus der alten Heimat!

C.E.: Ich bin in meinem Leben durch die ganze Welt gezogen, aber Mecklenburg-Vorpommern ist und bleibt meine Heimat, unabhängig davon dass meine Eltern immer noch in meiner Geburtsstadt Stralsund leben.

 


 

Zurückgeblickt: Vor mehr als vier Jahrzehnten – zweimal olympisches Gold nach Rügen

M.Jamanka/A.Drazek. Foto: BSD/Sportpresse Reker

Vor fast vier Jahrzehnten, am 24. Februar 1976, triumphierte in Innsbruch-Igls der aus Rügen stammende Meinhard Nehmer, der Mitte Januar 2016 75 Jahre wurde,  mit seinem Team (Jochen Babock, Bernhard Germeshausen, Bernhard Lehmann) mit 46 Hundertstel Sekunden Vorsprung vor Schweiz II mit dem Piloten Erich Scherer, der Bundesrepublik Deutschland I mit dem Piloten Wolfgang Zimmerer, Onkel der heutigen alpinen Erfolgs-Skifahrerin Maria Höfl-Riesch, und DDR II mit dem Piloten Horst Schönau. Bereits die olympische Entscheidung im Zweier-Bob 1976, am 7. Februar, hatte seinerzeit Meinhard Nehmer für sich entschieden.

Ein Rüganer mit dreimal Gold 1976/80

Den Vierer-Erfolg von Innsbruck-Igls 1976 wiederholte Meinhard Nehmer 1980 in Lake Placid. Nachdem es für den Rüganer acht Tage zuvor, am 16.Februar „nur“ Bronze im Zweier gegeben hatte, siegte er am 24.Februar 1980 mit DDR I und der Besatzung Bogdan Musiol, Bernhard Germeshausen und Hans-Jürgen Gerhardt klar mit fast einer Sekunde Vorsprung vor Schweiz I mit dem Piloten Erich Schärer (DDR I: 3:59,92 / Schweiz I: 4:00,87).

14 Jahre später gab es für zwei Vorpommern eine bobsportliche Bronze-Medaille im Vierer bei den Winterspielen 1994 in Lillehammer. Hinter Deutschland II mit dem Piloten Harald Czudaj, Schweiz I mit dem Piloten Gustab Weder belegten der gebürtige Neubrandenburger Ulf Hielscher sowie der gebürtige Stralsunder Carsten Embach (dazu der gebürtige Brandenburger Rene Hannemann) im Bob Deutschland I des Piloten Wolfgang Hoppe am 27.Februar 1994 Rang drei.

Vier Jahre später, bei den Winterspielen 1998 in Nagano,  kam der Vierer-Bob Deutschland I mit dem Piloten Harald Czudaj und dem einstigen Zehnkampf-Weltmeister (1987) sowie Zehnkampf-Olympia-Silbermedaillengewinner (1988) Torsten Voss (bis 1990 SC Traktor Schwerin) auf Platz acht. Es gewann damals Deutschland II mit dem Piloten Christoph Langen.

2002 – Gold für einen Stralsunder

In Salt Lake City, bei den Winterspielen 2002, gab es dann (wie erwähnt) endlich Gold für den gebürtigen Stralsunder Carsten Embach im Vierer-Bob Deutschland II des Piloten Andre Lange (mit Carsten Embach, Enrico Kühne, Kevin Kuske). Am 23.Februar 2002 setzten sich die Vier im Vierer vor USA I mit Piloten Todd Hays und USA II mit Piloten Brian Shimer durch.

2014 – im „Bob-Zeichen“ eines Anklamers

In Sotschi 2014 wollte nun der gebürtige Anklamer Marko Hübenbecker, Jahrgang 1986, vom Mitteldeutschen SC in Magdeburg diese olympische Bob-Tradition „Made in M-V“ fortsetzen. Grund zum Optimismus für die Winterspiele 2014 gab es ohnehin, denn Marko konnte unter anderem 2012 Europameister mit dem Vierer bzw. Vize-Europameister mit dem Zweier werden, dazu im gleichen Jahr WM-Dritter mit dem Vierer, und 2013 erkämpfte der Anklamer sowohl WM- als auch EM-Gold im Bob des Piloten Maximilian Arndt. In der Weltcup-Saison 2013/14 war er im „Arndt-Bob“ zweimal Erster…

In Sotschi lief es – nicht zuletzt wegen Material-Problemen – nicht wie gewünscht für das deutsche Bob-Team… Marko Hübenbecker wurde allerdings mit dem Maximilian-Arndt-Team guter Sechster im Vierer-Bob.

Die Medaillen sammelten vor vier Jahren im olympischen Bobsport andere:  Im Zweier-Bob der Frauen triumphierte Kaillie Humphries/Heather Moyse aus Kanada, im Zweier-Bob der Herren Alexander Subkow/Alexej Wojewoda aus Russland und im Vierer-Bob das Alexander-Subkow-Team. Insgesamt verteilten sich die neun bobsportlichen Olympia-Medaillen von Sotschi auf Russland (2 x Gold), Kanada (1 x Gold), die USA (1 x Silber, 3 x Bronze), Lettland (1 x Silber) und die Schweiz (1 x Silber). Für Deutschland gab es erstmals seit 50 Jahren kein olympisches Edelmetall im Bobsport.

Im Skeleton wurden die Olympia-Medaillen 2014 wie folgt verteilt: Bei den Frauen gewann Elizabeth Yarnold (Großbritannien) vor Noelle Pikus-Pace (USA) bzw. Jelena Nikitina (Russland). Bei den Herren wurde Alexander Tretjakow (Russland ) Erster vor Martins Dukurss (Lettland) und Matthew Antoine (USA). Nikitina und Tretjakow wurden die Medaillen wegen angeblichen Dopings aberkannt, dagegen legten beide Einspruch ein. Ähnliches gilt für die aberkannten Olympiamedaillen 2014 für Russland im Bobsport.

 


 

Skeletonsportliches Kalenderblatt vom 8. Februar 2016 / Beitrag auf rostock-sport.de

Interview mit der früheren Skeleton-Erfolgsathletin Diana Sartor: „Für mich die ästhetischste Sportart im Eiskanal…“

Vom 8. Februar bis 21. Februar 2016 finden die Weltmeisterschaften im Skeleton und im Bobsport in Innsbruck-Igls statt. Damit ist der Ort zum vierten Mal Gastgeber von Bob-WM bzw. zum dritten Mal von Skeleton-WM. Weitere „globale Wettkämpfe“ im Bobsport waren die olympischen Entscheidungen 1964 und 1976. Im Jahr 2000 stand sogar in Igls erstmals eine WM im Skeleton der Frauen auf dem Programm. Die Thüringerin Steffi Hanzlik gewann vor Mellissa Hollingsworth (Kanada) und Tricia Stumpf (USA). Die Herren-Konkurrenz war „eine Sache“ von Andy Böhme vom BSR „Rennsteig“ Oberhof, der Gregor Stähli (Schweiz) und die zeitgleichen Jim Shea (USA) bzw. Alex Müller (Österreich) auf die weiteren Plätze verwies.

Eine Skeletona, die auch Sportgeschichte schrieb, ist Diana Sartor, die gebürtige Sächsin. Diana Sartor, Jahrgang 1970,  ist mit WM-Gold 2004 eine von vier deutschen Weltmeisterinnen im Skeleton: Steffi Hanzlik 2000, Anja Huber 2008 und Marion Trott, verheiratete Thees 2009 bzw. 2011. (Anmerkung: Inzwischen gibt es mit Tina Hermann 2016 und Jacqueline Lölling 2017 zwei weitere deutsche Weltmeisterinnen im Skeleton). Außerdem wurde Diana Sartor 2004 Europameisterin und bei Winter-Olympia 2002 in Salt Lake City als auch 2006 in Turin jeweils Vierte.

Wie beurteilt die Skeleton-Weltmeisterin von 2004 nun das frühere und aktuelle Skeleton-Geschehen?! Diana Sartor über die Atraktivität des Skeleton-Sportes, ihre besonderen Erlebnisse als aktive Skeletona, ihr Leben ohne Skeleton-Schlitten, ihre aktuelles berufliches Engagement und ihre „Bindungen“ zu M-V

„Für mich die ästhetischste Sportart im Eiskanal…“

Frage: Frau Sartor, Sie sind jetzt Betreiberin der „Bärenfels Pension“ im Osterzgebirge… Bleibt da noch Zeit für den Blick zu den gegenwärtigen Skeleton-Wettkämpfen?! Wenn ja, wie beurteilen Sie die Chancen des deutschen Skeleton-Teams bei den WM in Igls 2016?

Diana Sartor: Natürlich verfolge ich das Geschehen im Schlittensport nicht mehr so intensiv, aber so weit es mein berufliche und familiäres Engagement erlauben, bin ich bei internationalen Wettkämpfen an der Bahn in Altenberg. Dort findet ja am 13./14.Februar der Weltcup (zugleich EM) im Rennrodeln statt.

Ansonsten habe ich noch regen Kontakt zu Jens Müller, dem früheren erfolgreichen Rennrodler, der inzwischen ja Bundestrainer im Skeleton-Bereich ist.

Was die Chancen des deutschen Skeleton-Teams bei den WM betrifft: Tina Hermann, die bis Ende Januar vier von sechs Weltcups 2015/16 gewann, hat sich inzwischen in der absoluten Weltspitze fest etabliert und auch Axel Jungk, der in der laufenden Weltcup-Serie bereits zwei Podiumsplätze schaffte und ein Schnellstarter ist, könnte bei den WM 2016 vorn dabei sein.

Allerdings sind die fahrerischen Ansprüche auf der Bahn in Igls nicht so groß, wie zum Beispiel in Altenberg, Whistler, Lake Placid oder in Königssee. Technische Qualitäten sind daher in Igls nicht so entscheidend. Dort ist faktisch eine „Autobahn“, auf die man sich ohne Angst begeben kann. Daher ist der Kreis der Medaillen-Anwärterinnen und -Anwärter umso größer. Es wird nicht einfach sein, eine Medaille in Igls zu erkämpfen…

Frage: Was waren für Sie – im Rückblick – die schönsten Momente Ihrer sportlichen Karriere? An welche Wettkämpfe erinnern Sie sich besonders gern?

Diana Sartor: Da gibt es vor allem zwei Wettkämpfe, die für mich nachhaltig in Erinnerung bleiben. Einerseits ist da mein erster Weltcup-Erfolg am 6.Dezember 2003 in Lake Placid zu nennen, als ich mich gegen Lindsay Alcock (Kanada) und Michelle Kelly (ebenfalls Kanada) durchsetzte. Eine große Bedeutung hat für mich auch der zweite Platz im Gesamt-Weltcup 2003/2004 – übrigens hinter Lindsay Alcock. Damit konnte ich unter Beweis stellen, dass ich eine beständig erfolgreiche Skeletona war. Das „Tüpfelchen auf dem i“ waren in der Saison 2003/2004 dann auch der EM-Triumph und vor allem der WM-Titel in Königssee. Dort siegte ich denkbar knapp mit dr Gesamt-Fahrzeit von 3:20,78 mit nur sechs Hundertstel Sekunden Vorsprung vor Lindsay Alcock… Die Stimmung und Begeisterung an der Bahn und dann nach dem Erfolg bleiben für mich unvergesslich.

Frage: Was war, was ist für Sie das Faszinierende am Skeleton-Sport? Hatten Sie nie Ambitionen für die Bob- oder Rodel-Schlitten?

Diana Sartor: Ehrlich gesagt, nein… Ich war 1994 als 24jährige bei einer Weltcup live dabei und fasziniert von den Skeletonis. Mir imponierte insbesondere die elegante und filigrane Startphase. Für mich war und ist Skeleton die ästhetischste Sportart im Eiskanal. Nichts gegen die Bobfahrer oder Rennrodler, aber für mich war Skeleton ganz einfach reizvoller… Die Rennrodler müssen sich am Start ins Rennen „paddeln“, das ist bei den Skeletonis dan doch um ein Vielfaches attraktiver – und auch die Haltung auf dem Schlitten…

Wie ich nun Aktive wurde… Die Erlebnisse 1994 waren für mich eine Initialzündung, es im Skeleton zu versuchen. Ich kam ja praktisch als bisherige Nicht-Sportlerin zum Skeleton, was auch einen besonderen Hintergrund hat…

Mein Vater stammt ja aus dem Westerwald, kam noch – aus beruflichen Gründen – weit vor dem Mauerfall nach Sachsen, verliebte sich nicht in die DDR, aber in meine Mutter. Das Ergebnis bin auch ich… – da gab es dann für mich „unsichtbare Grenzen“, was meinen Weg in den DDR-Leistungssport betraf. Ich war zwar sehr sportlich, hatte beste Voraussetzungen, nahm auch erfolgreich bei Kreismeisterschaften in der Leichtathletik, insbesondere im Sprint und im Hochsprung, teil, aber für „höhere sportliche Weihen“ lehnte man mich ab. Ich galt wohl – vor meinem familiären Hintergrund – als politisch unzuverlässig.

Tja, ich mußte mir Mitte der 1990er – als „reifere“ Frau – erst einmal die Präzision in der Körperhaltung auf dem Skeleton-Schlitten aneignen. Die damaligen Mitglieder meiner Trainingsgruppe schmunzelten, wie eine bisherige „Hausfrau“ leistungssportlich auf einem Schlitten bestehen will. Aber sie halfen mir. Zur Trainingsgruppe gehörte auch der gebürtige Güstrower und ehemalige Leichtathlet des SC Traktor Schwerin Torsten Voss, der Weltmeister 1987 bzw. Olympia-Zweite 1988 im Zehnkampf und Vierer-Bob-Europameister 1998/2001 sowie Vierer-Bob-Vize-Weltmeister 1997. Der unterstützte mich auch sehr.

Frage: Sie haben ja auch Kinder, Ihre Nichte Sarah hatte sich doch auch für den Skeleton-Sport entschieden… Streben Ihre Kinder oder weitere Angehörige von Ihnen ebenfalls zum Skeleton.

Diana Sartor: Nicht mehr oder noch nicht… Sarah hat inzwischen mit dem Skeleton-Sport aufgehört und meine beiden Kinder, die Ältere geht in die dritte Klasse und der Jüngere in die erste Klasse, sind zwar sportlich aktiv- insbesondere mit Skiern und dem Snowboard – hegen aber (noch) keine Ambitionen zum Skeleton. Vielleicht ändert sich das?! Wir protegieren da aber nichts. Haben sie irgendwann daran jedoch Interesse, werden wir sie gern unterstützen. …Obwohl es eine große Nervenanspannung für mich wäre, sie aktiv im Eiskanal zu sehen!

Frage: Wie sieht Ihr Leben ohne Skeleton-Schlitten aus? Was machen Sie neben Ihrer Tätigkeit als Pensions-Inhaberin?

Diana Sartor: Meine Pension beansprucht mich über das ganze Jahr doch sehr. Es ist mehr als nur eine berufliche Tätigkeit. Wir haben ja viele Sportlerinnen und Sportler, insbesondere aus dem Schlittenbereich, hier. Demnächst kommen die deutschen Rennrodlerinnen bzw. Rennrodler, die ja am 13./14.Februar ihren Weltcup (zugleich EM) in Altenberg austragen werden. Auch das koreanische Weltcup-Team, das auch von meinem Mann (Steffen Skel), einem ehemaligen Rennrodler betreut wird, ist hier. Diese haben mit Blickrichtung „Olympische Winterspiele 2018 in Pyeongchang“ einige Ambitionen. So muß ich halt deutsch und koreanisch kochen – auch eine besondere Herausforderung…

Zudem sind auch oft die Skeleton-Teams aus Großbritannien, Japan, Australien oder Italien bei uns zu Gast. Viele der Trainerinnen und Trainer kenne ich ja noch aus meiner aktiven Zeit, kenne sie also sehr gut. Das ist dann schon eine sehr sportlich-familiäre Stimmung, wenn diese in meiner Pension sind. Zurzeit sind außerdem Schulferien, da ist der Zuspruch ohnehin enorm. Also „langweilig“ wird mir nie…

Letzte Frage: Und… Sind Sie auch mal in M-V?

Diana Sartor: Wir sind regelmäßig in Mecklenburg-Vorpommern, mal auf Usedom und mal auf Rügen. Ansonsten ist meine Familie auch gern im brandenburgischen Templin, mein Bruder arbeitet dort in einem Hotel. Während meiner aktiven Sport-Karriere war ich ebenfalls oft zu Trainingslagern in Rostock.

Übrigens: Seit 18 Jahren veranstalte ich ein „Jedermann-Skeleton-Rennen“ in Altenberg unter dem Motto „Schlag Diana!“, an dem Skeleton-Interessierte versuchen können, mich zu bezwingen. Stetig dabei ist auch der Neubrandenburger Arzt Dr. Michael Druse, der sich auch sportlich-sozial sehr engagiert. Mittlerweile ist daraus eine gute Freundschaft entstanden. Es gibt also gute Kontakte nach M-V!

Vielen Dank und weiterhin alles Gute!

 


 

Zusätzliche Infos zum Skeleton

Eine Skeleton-Sportler aus M-V

Sandro Stielicke (BSC Winterberg), Jahrgang 1986, Geburtsort Teterow, war aus M-V-Sicht zwischen 2005 und 2013 auch aktiver Skeleton-Sportler. Er wurde Junioren-Weltmeister 2009, kam bei der Elite-WM 2009 auf Rang sechs, belegte Platz zehn beim olympischen Wettbewerb 2010 in Whistler und hatte dann noch 2010/11 eine erfolgreiche Saison mit dem Gesamt-Weltcup-Rang zwei und WM-Platz vier.

… Nun gilt es aber nach vorn zu blicken: Die olympischen Wettkämpfe in Pyeongchang rufen!

Die nominierten Bobsportlerinnen und Bobsportler aus Deutschland für die Winterspiele 2018 in Pyeongchang

Das Damen-Bob-Duo Schneider/Buckwitz beim Weltcup in Winterberg 2017. Copyright: BSD/Dietmar Reker

(22 Athleten/innen, davon 4 P-Athleten/innen – 8 F/14 M): Candy Bauer (BSC Sachsen Oberbärenburg), Joshua Bluhm (Bob-Club Stuttgart Solitude), Lisa Buckwitz (SC Potsdam), Annika Drazek (BSC Winterberg), Eric Franke (BSC Sachsen Oberbärenburg), Francesco Friedrich (BSC Sachsen Oberbärenburg/Pilot), Martin Grothkopp (BSC Sachsen Oberbärenburg), Mariama Jamanka (BRC Thüringen/Pilotin), Anna Köhler (BSC Winterberg/Pilotin), Kevin Kuske (SC Potsdam), Johannes Lochner (Bob-Club Stuttgart Solitude/Pilot), Thorsten Margis (SV Halle), Erline Nolte (BSC Winterberg), Christian Poser (SC Potsdam), Christian Rasp (WSV Königssee), Stephanie Schneider (BSC Sachsen Oberbärenburg/Pilotin), Nico Walther (BSC Sachsen Oberbärenburg/Pilot), Christopher Weber (BSC Winterberg). – P-Athleten/innen (Ersatz vor Ort): Paul Krenz (Mitteldeutscher Sportclub Magdeburg), Alexander Rödiger (BRC Thüringen), Ann-Christin Strack (TuS Eintracht Wiesbaden), Lisette Thöne (ESC Erfurt)

 

Text und Interviews: Marko Michels