Der Reitsport zwischen Rio und Mecklenburg-Vorpommern

Die olympischen Reit-Wettkämpfe 2016 in Rio mit den Entscheidungen im Vielseitigkeits-, Dressur- und Springreiten sind auch wieder Geschichte. Die deutschen Reiterinnen und Reiter gehörten dabei wieder einmal zu den „Medaillenbringern“ innerhalb der deutschen Olympia-Mannschaft. Dressur-Reiterin Isabelle Werth komplettierte ihre umfangreiche olympische Medaillen-Sammlung seit 1992 auf nunmehr 6 x Gold, 4 x Silber. Damit ist sie in puncto olympischer Reitsport die Erfolgreichste.

Wie beurteilt nun Hans-Joachim Begall, der Geschäftsführer des Pferdesportverbandes M-V, das Reitsport-Geschehen zwischen Rio und M-V? Ein Gespräch über den olympischen Reitsport, die kommenden Termine in MV, die Bedeutung des Ostsee-Meetings und die baldigen paralympischen Reitsport-Entscheidungen.

„Die Tagesform entscheidet…“

Frage: Herr Begall, die olympischen Reitsport-Wettkämpfe in Rio sind wieder Vergangenheit. Wie beurteilen Sie die Resultate aus deutschem und internationalem Blickwinkel?

Hans-Joachim Begall: Es hat sich erneut gezeigt, dass bei der Dichte der Leistungsspitze die Tagesform entscheidet. Ein zu kleiner oder großer Galoppsprung im Gelände oder im Springparcours  – zu dicht oder zu weit beim Absprung am Hindernis – kann über Verweigerung (Vorbeiläufer) oder leichter Stangenberührung entscheidend sein.

Das haben die deutschen Vielseitigkeits- wie auch die Springreiter erfahren müssen, aber auch bei der Konkurrenz spielte das Quäntchen Glück oder Können eine Rolle. Das Resultat in der Dressur war dagegen vorprogrammiert und ist entsprechend des internationalen Leistungsstandes eingetroffen.

Frage: Wie ist Ihre Meinung zur Entwicklung des Reitsportes in den letzten Jahren – national wie international?

Hans-Joachim Begall: Im Springsport ist die Breite beim Nationenpreis größer geworden. Einige Spitzenverbände erreichten nicht den zweiten Umlauf im Mannschaftswettkampf in Rio. In der Vielseitigkeit und in der Dressur hat sich noch nicht viel verändert.

Frage: Von Rio nach M-V… Welche wichtigen reitsportlichen Termine gibt es 2016 noch in M-V? Welche Turniere stehen hierzulande noch auf dem Programm?

Hans-Joachim Begall: Die grüne Saison geht mit vielen ländlichen Turnieren zu Ende. Im Oktober wird es bereits einige Hallen-Veranstaltungen geben. Im höheren Segment sind die Turniere in Gadebusch (Springen) und in Zierow (Dressur) Highlights. Für die Basis ist das Landesbreitensportturnier in Güstrow ein Höhepunkt.

Frage: Am 19. und 20.August fand auch wieder das Ostsee-Meeting in Bad Doberan statt. Welche Bedeutung und welchen Stellenwert hat diese Veranstaltung im Galopp-Rennsport aus Ihrer Sicht?

Hans-Joachim Begall: Leider wird der Galopp-Rennsport in der Öffentlichkeit nicht mehr so wahr genommen, wie noch vor Jahrzehnten. Die Vollblutpferde sind jedoch noch wichtig für die Sportpferde-Zucht. Deshalb brauchen wir auch diese Leistungsprüfungen.

Letzte Frage: Im September gibt es auch die paralympischen Reitsport-Konkurrenzen in Rio. Wie beurteilen Sie dort die deutschen Chancen?

Hans-Joachim Begall: Ich denke, dass die deutschen Teilnehmer wieder mit Edelmetall nach Hause kommen werden. Ihr Können haben sie in der Vergangenheit bei Paralympics und WM immer gezeigt und sie sind keineswegs schlechter geworden.

Vielen Dank und weiterhin bestes pferdesportliches Engagement!
Marko Michels