Die deutsche Eiskunstlauf-Meisterin Nathalie Weinzierl strebt zu den Spielen nach Pyeongchang

Die ambitionierte Eiskunstläuferin Nathalie Weinzierl. Foto: © Nicole Trucksess

Eiskunstlaufen und Winter-Olympia. Das war seit den ersten Winterspielen 1924 schon eine Symbiose – und bereits vorher. In Bezug auf Eiskunstlaufen und Olympia… Denn: Im Programm der Olympischen (Sommer-)Spiele 1908 in London und 1920 in Antwerpen war das Eiskunstlaufen auch schon vertreten. Die Britin Madge Syers gewann das olympische Premieren-Gold – Elsa Rendschmidt vom Berliner Schlittschuhclub wurde Zweite.

Weitere Blicke in die Historie

Danach gab es zahlreiche herausragende Eiskunstläuferinnen, die die olympischen Konkurrenzen nachhaltig prägten. Sonja Henie aus Norwegen etwa, die dreifache Olympiasiegerin 1928, 1932 bzw. 1936. Für den ersten von bislang insgesamt sieben Olympiasiegen für die USA sorgte 1956 Tenley Albright. Sjoukje Dijkstra, die schnieke Niederländerin, begeisterte hingegen 1964 Publikum und Preisrichter. 1968 konnte endlich wieder eine Deutsche eine Medaille holen: Gabriele Seyfert vom SC Karl-Marx-Stadt errang Silber. Über Bronze durfte dann Christine Errath vom SC Dynamo Berlin 1976 jubeln.

Und ab 1980 begann die Siegesserie des SC Karl-Marx-Stadt bei den olympischen Frauen-Entscheidungen im Eiskunstlaufen: 1980 durch Anett Pötzsch (Dritte: Dagmar Lurz vom ERC Westfalen Dortmund), 1984 bzw. 1988 durch Katarina Witt, die dann immerhin 1994 noch einmal Siebente wurde.

2006 ging der Olympiasieg bei den Frauen endlich auch nach Asien: an Shizuka Arakawa (Japan). Vier Jahre später, 2010, triumphierte die Koreanerin Kim Yun-na. Und bei den Spielen 2014 setzte sich erstmals eine Russin durch – Adelina Sotnikowa belegte Rang eins.

Zwölf mit olympischen Goldmedaillen

Zwölf Länder errangen bis dato Goldmedaillen bei den Frauen, so die USA (sieben), Deutschland bzw. Norwegen (je drei), Großbritannien bzw. Österreich (zwei), Kanada, Japan, Korea, Russland, Schweden die Ukraine und die Niederlande (je einen). Vier weitere Länder, Frankreich, die Tschechoslowakei/Tschechien, China und Italien, kamen zumindest zu Medaillen im Frauen-Einzel.

Eine Eiskunstläuferin, die im Olympia-Jahr 1994 geboren wurde – als die Ukrainerin Oksana Bajul den damaligen, inzwischen legendären Wettbewerb in Lillehammer gewann – ist Nathalie Weinzierl vom Mannheimer ERC. Kürzlich belegte die ambitionierte Eiskunstläuferin Rang vier bei der Nebelhorn-Trophy 2017 in Oberstdorf.

Interview

Nathalie Weinzierl über ihre Vorbereitungen für die Olympia-Saison 2017/18, den Wettkampf bei der Nebelhorn-Trophy 2017, weitere Herausforderungen in den kommenden Monat, ihre neue Kür-Musik, das olympische Ziel und ihr Leben neben dem Eis-Parkett

„Schon früh davon geträumt, zu den `Vier Jahreszeiten` bei Olympia zu laufen…“

Frage: Nathalie, wie verlief das sommerliche Training für Sie? Wie beurteilen Sie die Nebelhorn-Konkurrenz in Oberstdorf aus Ihrer Sicht?

Nathalie Weinzierl: Mitte April bis Anfang Mai war ich in Turin, um meine beiden neuen Programme einzustudieren und dann begann ich, nach einem kurzen Urlaub, am 18. Mai in Los Angeles wieder mit dem Eistraining. Zum Glück klappte es auch mit dem Sommer-Eis ab Mitte Juni in der SAP-Arena, so dass ich zu Hause in Mannheim ohne Unterbrechung weiter Eistraining hatte.

Vor allem aber hat sich das dreiwöchige Training in Los Angeles mit meinem Trainer ausgezahlt, denn dort habe ich gelernt mehr mit den Kanten zu spielen. Das hat sich sehr positiv auf meine Schrittfolgen ausgewirkt und bei der Nebelhorn-Trophy in Oberstdorf habe ich erstmals in allen Pirouetten und Schritten den höchsten Level 4 erreicht.

Und auch die Bewertungen der Preisrichter für die Schrittfolgen, Interpretation, Übergänge, Darbietung und Komposition waren die höchsten des Wettbewerbes. Da ich bei den Sprüngen aber zwei Fehler zu viel machte, musste ich mich mit dem 4. Platz zufrieden geben… Ansonsten hätte ich auch gewinnen können, obwohl die gesamte Konkurrenz wegen der Vergabe der letzten Olympiaplätze schon sehr gut vorbereitet war. Aber die verbandsinterne Olympianorm des DOSB habe ich trotzdem geknackt.

Frage: Welche Ambitionen und Ziele haben Sie für die Saison 2017/18? An welchen Wettkämpfen bis zu den Olympischen Winterspielen im Februar 2018 in Pyeongchang werden Sie auf jeden Fall teilnehmen?

Nathalie Weinzierl: Ganz klar möchte ich mich in der innerdeutschen Konkurrenz um das einzige deutsche Olympiaticket durchsetzen und zum zweiten Mal – nach Sotschi 2014 – an den Olympischen Winterspielen teilnehmen.

Hierzu muss ich nach einem weiteren Vorbereitungswettbewerb in Nizza am kommenden Wochenende bei den Challanger-Wettbewerben in Minsk Ende Oktober und in Tallin Ende November möglichst viele Punkte sammeln. Und wenn ich dann Mitte Dezember noch meinen Titel als Deutsche Meisterin verteidige, stehen die Chancen gut, nach der EM in Moskau Mitte Januar 2018 folgend im Februar 2018 in Pyeongchang an den Start zu gehen. Die WM, die im März 2018 dann noch in Mailand stattfindet, wäre sozusagen der Saisonabschluss.

Frage: Wie gelangten Sie eigentlich zum Eiskunstlaufen? Was ist für Sie das Faszinierende daran?

Nathalie Weinzierl: Durch meinen älteren Bruder. Wie er habe ich anfänglich – neben Ski Alpin – ebenfalls im Alter von sechs Jahren mit dem Eislaufen begonnen. Nur: Er hat ziemlich schnell mit dem Eislaufen aufgehört und ist weiter Skirennen gefahren. Ich habe mich dann mit 11 Jahren genau anders herum entschieden.

Das habe ich auch nie bereut, denn bis heute fasziniert mich beim Eislaufen die Kombination aus den technischen Elementen – die Schwierigkeit der Sprünge – und der kunstvollen Darbietung zu ganz unterschiedlichen Musiken/Themen.

So habe ich schon als ich noch klein war davon geträumt, zu den „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi bei Olympia zu laufen. Allerdings war ich in Sotschi noch nicht weit genug, um mich an diese starke Musik zu wagen. Jetzt ist das meine aktuelle Kür-Musik!

Frage: Hatten Sie eigentlich Vorbilder in Ihrer Laufbahn?

Nathalie Weinzierl: Ja, gleich drei: Yuna Kim (aus Südkorea, Weltmeisterin 2009 bzw. 2013, Olympiasiegerin 2010 bzw. Olympia-Zweite 2014), Carolina Kostner (aus Italien, Weltmeisterin 2012 bzw. Europameisterin 2007, 2008, 2010, 2012 und 2013) und Stéphane Lambiel (aus der Schweiz, Weltmeister 2005 bzw. 2006 und Olympia-Zweiter 2006).

Letzte Frage: Wie sieht Ihr Leben neben dem Eiskunstlaufen aus? Was ist Ihr Ausgleich zum Sport?

Nathalie Weinzierl: Ich studiere an der Uni Mannheim Unternehmensjura und bin sehr dankbar, dass ich hier im Rahmen eine Sportstipendiums die Möglichkeit habe, den Vorlesungsumfang und die Klausur-Termine an meinen Sport anzupassen. Denn ansonsten wären Studium und Eislaufen auf internationalem Niveau nicht machbar. Zum Entspannen lese ich gerne ein gutes Buch, oder auch mehrere…

Vielen Dank, alles erdenklich Gute weiterhin, sportlich, universitär bzw. persönlich, und maximale Erfolge in der olympischen Saison 2017/18!
Die Fragen stellte: M. Michels.


 

Zur Info – aus MV-Eiskunstlauf-Sicht:

Vor 65 Jahren, am 28. November 1952, wurde Rolf Oesterreich, der bekannte Paarläufer, in Rostock geboren. Mit Partnerin Romy Kermer, seiner späteren Ehefrau, feierte Rolf Oesterreich zahlreiche internationale Erfolge: EM-Zweiter 1974, 1975 bzw. 1976, WM-Zweiter 1975 sowie 1976, WM-Dritter 1974 und Olympia-Zweiter 1976.

Vor 50 Jahren, 1967, wurde der gebürtige Rostocker Ralph Borghard, Jahrgang 1944, (west-)deutscher Vize-Meister. Ralph Borghard errang zuvor dreimal Gold bei den DDR-Meisterschaften 1963, 1964 bzw. 1966, schaffte zweimal Rang sechs bei EM (1963 bzw. 1966) und war Olympia-Teilnehmer (1964) und WM-Teilnehmer (1966).

Vor zehn Jahren, 2007, triumphierte der gebürtige Greifswalder Robin Szolkowy, Jahrgang 1979, mit seiner Partnerin Aliona Savchenko erstmals bei einer EM (2007 in Warschau). Es folgten im Paarlaufen für Robin Szolkowy und Aliona Savchenko unter anderem noch die EM-Titel 2008, 2009 bzw. 2011, die WM-Titel 2008, 2009, 2011, 2012 bzw. 2014 und zweimal Olympia-Bronze 2010 bzw. 2014.

 

M.M.