Zwischen olympischer Historie, aktuellen Terminen und einem Rostocker Sportkenner

Mecklenburg-Vorpommern ist schon ein äußerst sportliches Land. Bereits der Usedomer Ruderer Bernhard von Gaza konnte bei der olympischen Ruder-Regatta den damals inoffiziellen dritten Rang im Einer-Rudern belegen.

Bis zum heutigen Tag folgten zahlreiche olympische, weltmeisterliche und europameisterliche Erfolge für Athletinnen und Athleten aus Mecklenburg und aus Pommern.

Im nacholympischen „Sommer-Sportjahr“ 2017 gilt es nun mit Blickrichtung „Tokyo 2020“ die sportlichen Kräfte neu zu mobilisieren, damit Deutschland und damit auch M-V weiterhin gute sportliche Heimstätten bleiben.

Auch Rostock ist natürlich eine Sportstadt mit vielen Olympiasiegerinnen und Olympiasiegern, wie unter anderem den Ringern Lothar Metz bzw. Rudolf Vesper, Zehnkämpfer Christian Schenk, Ruderer Siegfried Brietzke, Läuferin Marita Koch, den Kanutinnen Ramona Portwich bzw. Anke von Seck oder Schwimmerin Caren Metschuck.

Wie beurteilt Segel-Ass Matthias Bohn das sportliche Geschehen zwischen Rostock, M-V und dem „Rest der Welt“?!

Nachgefragt

Matthias Bohn über die aktuellen deutschen Erfolge im Wintersport, die „benefit“-Veranstaltung 2017 in Rostock, die mangelnde Wertschätzung des Sportes in der Gesellschaft, das segelsportliche 2017, die hiesigen Segel-Talente und die 80.Warnemünder Woche

„Wünsche mir wieder mehr Sport in den Schulen und in der Freizeit!“

Frage: Der Sportsommer mit den verschiedenen WM in den olympischen Sportarten beginnt ab Juni so richtig. Dazu gibt es die „World Games“, die Weltspiele in den nichtolympischen Sportarten, und die Universiade, die Weltspiele im Studentensport, sowie verschiedene EM. Der Sportwinter 2016/17 verlief für die deutschen Sport-Asse insgesamt sehr erfolgreich. Wie beurteilst Du die Leistungen der schwarz-rot-goldenen Athletinnen und Athleten in Eis und Schnee?

Matthias Bohn: Ich war begeistert von den Ergebnissen unserer Wintersportler. Egal ob im Biathlon, in der Nordischen Kombination oder das Herzschlagfinale bei den Bobsportlern: Es ist angerichtet! Unsere Wintersportler scheinen bereit und topfit für die Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang zu sein.

Es zeigt aber auch, dass die Verbände in den Winter-Sportarten im Moment besser aufgestellt sind, als in den Sommer-Sportarten. Die Zentralisierung unserer Spitzen-Athleten und Nachwuchs-Talente, das gemeinsame Training wirken hier offensichtlich besser als bei anderen Verbänden und sollte ein Vorbild sein.

Ich persönlich halte mich im Winter noch immer etwas zurück. Wir Segler durften aus gesundheitlichen Gründen nur wenig Wintersport betreiben. Abfahrt war uns sogar verboten, Langlauf als Konditionstraining dagegen erwünscht. Die Verletzungsgefahr war einfach zu groß.

Frage: Bereits im April gab es wieder „benefit“ in Rostock. Dort konnen Kinder die verschiedenen Sportangebote der einzelnen Vereine erkunden. Die neuesten Zahlen sind für die sportliche Stadt Rostock ja positive: So sind zurzeit rund 51400 Sportbegeisterte, darunter rund 16000 Kinder und Jugendliche, in den 201 Vereinen Rostocks organisiert. Wie ist Deine Meinung zur Entwicklung des Sportes in Rostock in den vergangenen Monaten?

Matthias Bohn: Ich finde die Idee und die Umsetzung der Veranstaltung wirklich toll. Vereine haben die Möglichkeit, ihren Sport bzw. ihre Sportarten einem großen Publikum zu zeigen und die Kinder können alles ausprobieren.

Mich persönlich stört es in der heutigen Zeit ungemein, dass das Thema Sport in der Gesellschaft immer mehr ins Abseits gedrängt wird. Ich wünsche mir wieder mehr Sport in den Schulen und in der Freizeit!

In einer scheinbar immer weiter „verrohenden“ Gesellschaft können gerade im Sport nützliche Werte und Tugenden vermittelt werden. Das sollten endlich alle begreifen und gegensteuern.

Kinder und Jugendliche bewegen sich immer weniger, das Ehrenamt, die Trainer werden kaum gewürdigt und unterstützt. Und die Ergebnisse sehen wir ja jetzt auch im Spitzensport bei internationalen Veranstaltungen.

Auch wenn ich mich jetzt unbeliebt mache: Unsere Gesellschaft und die Politik müssen in Zukunft daran arbeiten, sonst sehe ich „schwarz“!

Die „benefit“-Veranstaltung im HCC setzt hier an und versucht, es zu verändern, deshalb ein ganz großer Dank an die Organisatoren.

Frage: Zu einem anderen Thema… Die Segel-Saison ist „in vollen Zügen“. Was sind für Dich die Regatta-Highlights innerhalb und ausserhalb von M-V? Wie beurteilst Du die Chancen der MV-Seglerinnen und Segler?

Matthias Bohn: Der absolute Höhepunkt wird natürlich der Americas Cup vor den Bermudas sein. Im Mai geht es schon los mit den Qualifikations-Regatten, im Juni werden wir dann wissen, wer die „bodenlose Kanne“, die älteste Sporttrophäe der Welt, in den blauen Himmel stemmen wird.

Ich glaube die Amerikaner, als Titelverteidiger, werden es dieses Mal sehr schwer haben. Zu den Favoriten zähle ich die Briten und Neuseeland. Sollte Ben Ainslie mit den Briten den Cup nach Europa holen, sehe ich auch gute Chancen, dass auch wieder ein deutsches Team an den Start gehen wird.

Für den olympischen Segelsport ist das Segeljahr 2017 ein Findungsjahr. Nach den Sommerspielen kehrt bei uns Seglern ein wenig Ruhe ein – Zeit sich zu sortieren und neues Material zu testen.

Dieses Jahr ist aber auch ein guter Zeitpunkt für unsere Talente, sich bei den Weltcups mit den „Besten der Besten“ zu messen. Und da kommt etwas aus unserem Bundesland: Ich sehe sehr gute Chancen für Hannah Anderssohn im Laser Radial, Malte Winkel bzw. Matti Cipra im 470er und auch für Theodor Bauer im Laser!

Ich bin sogar fest davon überzeugt, dass der Deutsche Segler-Verband (DSV) zu den olympischen Segelregatten im Jahr 2020 insgesamt zwei Teams aus M-V schicken wird!

Frage: Die Warnemünder Woche wird 2017 zum 80.Mal vom 1.Juli bis 9.Juli veranstaltet. Welche Bedeutung und welchen Stellenwert hat dieses maritim-sportliche Event aus Deiner Sicht? Wie oft warst Du als aktiver Segler eigentlich bei der „WW“ dabei?

Matthias Bohn: Ich freue mich auf das Jubiläum. Die Stadt Rostock hat den Stellenwert der Regatta-Woche auch über unsere Landesgrenzen erkannt! Stadt und Land haben sich jüngst für eine Förderung und Unterstützung der Veranstaltung und dem Segelsport ausgesprochen.

Die Rostocker Segelvereine sind in einem Boot und unterstützen sich gegenseitig! Und: Die 80. Warnemünder Woche hat einige Höhepunkte zu bieten: die Deutsche Meisterschaft der Hochseesegler, die zweite Segel-Bundesliga und die Weltmeisterschaft der 505er Klasse.

Überall gehen unsere Spitzensegler an den Start, das kann also auch sportlich eine erfolgreiche Veranstaltung werden. Natürlich werde ich auch wieder an den Start gehen. Ich weiß gar nicht zum wievielten Mal, es dürften aber mittlerweile so um die 25 Teilnahmen sein!

Vielen Dank, dann weiterhin bestes Engagement für den Sport allgemein bzw. für den Segelsport und maximale Erfolge – persönlich, beruflich und sportiv!

Exkurs: M-V und der olympische Sport

Mecklenburg-Vorpommern hat „natürlich“ ebenfalls sehr erfolgreiche Olympionikinnen und Olympioniken vorzuweisen. Ganz besonders erfolgreich bei Olympischen Spielen waren bislang vier Sportlerinnen und drei Sportler.

Zunächst: Die Wahl-Rostockerin Ingrid Engel-Krämer, Jahrgang 1943, ist die erste Olympiasiegerin „für M-V“, erkämpfte bei den olympischen Wassersprung-Konkurrenzen zwischen 1960 und 1968 dreimal Gold bzw. einmal Silber. Erster Olympiasieger „für M-V“ wurde hingegen der Dressur-Reiter Carl-Friedrich von Langen auf „Draufgänger“, der bei den olympischen Dressur-Konkurrenzen 1928 zweimal Gold schaffte.

Ganz besonders erfolgreich „für M-V“ waren jedoch „die glorreichen Sieben“…

Der gebürtige Rostocker Ruderer Siegfried Brietzke, Jahrgang 1952, für den SC DHfK Leipzig startend, siegte 1972 mit dem Zweier ohne und 1976 bzw. 1980 jeweils mit dem Vierer ohne. Im Schwimm-Becken erkämpfte die gebürtige Schwerinerin Andrea Pollack, Jahrgang 1961,  1976 jeweils Gold über die 200 Meter Schmetterling sowie die 4 x 100 Meter Lagen. Mit der 4 x 100 Meter Lagen-Staffel holte sie auch 1980 Gold (Olympia-Bilanz insgesamt: 3 x Gold, 3 x Silber).

Eine gebürtige Greifswalder Schwimmerin, Caren Metschuck, Jahrgang 1963, SC Empor Rostock, triumphierte bei den 1980er Spielen gleich dreimal – über die 100 Meter Schmetterling, mit der 4 x 100 Meter Freistil-Staffel und mit der 4 x 100 Meter Lagen-Staffel (Olympia-Bilanz insgesamt: 3 x Gold, 1 x Silber).

Rüdiger Helm, der in diesem Jahr runde „60“ wird und für den SC Neubrandenburg startete, holte im Kanu-Rennsport 1976 in Montreal und 1980 in Moskau olympisches Gold: 1976 im Kajak-Einer über die 1000 Meter, 1980 auch im Kajak-Einer über die 1000 Meter und zudem 1980 im Vierer-Kajak über die 1000 Meter (Olympia-Bilanz insgesamt: 3 x Gold, 3 x Bronze).

Zwei Rostockerinnen auch dreifach

Zwei Rostocker Kanu-Rennsportlerinnen jubelten bei Olympia zudem jeweils dreimal.

Ramona Portwich, Jahrgang 1967, in Rostock geboren und Mitglied des  SC Empor Rostock (nach 1990 KC Limmer, Hannover), setzte sich 1988 mit dem Vierer-Kajak über die 500 Meter, 1992 mit dem Zweier-Kajak über die 500 Meter und 1996 mit dem Vierer-Kajak über die 500 Meter durch (Olympia-Bilanz insgesamt: 3 x Gold, 2 x Silber). Und Anke von Seck, Jahrgang 1966, gebürtige Brandenburgerin, ebenfalls Mitglied des SC Empor Rostock, errang Gold 1988 im Kajak-Zweier über die 500 Meter bzw. im Kajak-Vierer über die 500 Meter und 1992 mit dem Zweier-Kajak über die 500 Meter (Olympia-Bilanz insgesamt: 3 x Gold, 1 x Silber).

Ein weiterer Kanu-Rennsportler, Andreas Dittmer, Jahrgang 1972, Geburtsort Neustrelitz , Verein SC Neubrandenburg, schaffte für M-V dreimal olympisches Gold, so 1996 im Zweier-Canadier über die 1000 Meter, 2000 im Einer-Canadier über die 1000 Meter und 2004 im Einer-Canadier über die 500 Meter. Auch 2008 nahm Andreas Dittmer an den Spielen teil.

Olympionikinnen und Olympioniken aus M-V über ihre Erfolge

Olympische Spiele erlebt zu haben und dabei noch erfolgreich zu sein… Welche Bedeutung, welchen Stellenwert und welche Emotionen hat „so etwas“?!

MM befragte dazu in den letzten Jahren einige Sportlerinnen und Sportler, insbesondere auch aus Mecklenburg-Vorpommern…

Acht Statements von Athletinnen und Athleten aus M-V lassen das „frühere Olympia“ noch einmal „lebendig“ werden.

Statement von Carola Zirzow, verheiratete Drechsler, 1954 in Prenzlau geboren, SC Neubrandenburg, mit Gold (Einer-Kajak über 500 Meter) bzw. Bronze 1976 (Zweier-Kajak 500 Meter) im Kanu-Rennsport

„Bereue kein Jahr meiner sportlichen Karriere…“

Frage: Wie verlief – in der Rückblende – der Gold-Wettkampf 1976 seinerzeit für Sie?

Carola Drechsler: Fast vierzig  Jahre nach den Spielen kann ich sagen, dass ich kein Jahr meiner sportlichen Karriere bereue. Der Sport hat mich zu einer gewissen Persönlichkeit geformt. Mir hat meine aktive leistungssportliche Zeit riesigen Spaß gemacht, und ich fand mich beim SC Neubrandenburg mit meinem Trainer und mit meinen Trainingskollegen gut aufgehoben. Ich hatte damals keine Ahnung von den ganzen Stasi-Machenschaften.

Sicherlich war nicht jeder Tag gleich schön … Man hat auch geschimpft und sich im Schilf versteckt, weil man einfach keine Lust zum Trainieren hatte, aber die ganzen Erfolge waren dann doch ein schöner Lohn. Ich bin erst jetzt so richtig stolz auf meinen Olympiasieg, denn es ist nicht selbstverständlich, dass man genau zum richtigen Zeitpunkt fit ist. Ich glaube in der DDR hatte das noch eine größere Bedeutung als heute. Damals fiel man nämlich ohne Gnade durch das leistungssportliche „Raster“…

Frage: Nach 1976 mußten Sie Ihre sportliche Laufbahn auf Betreiben einiger DDR-Sportfunktionäre beenden, da sie seinerzeit mit dem italienischen Erfolgskanuten Oreste Perri befreundet waren. Was überwiegt 40 Jahre danach – Freude über den Olympiasieg oder Verbitterung angesichts der Ungerechtigkeit, die Ihnen widerfuhr?

Carola Drechsler: Einiges habe ich dazu ja schon angesprochen. Rund vierzig Jahre nach meinem ungewollten Karriere-Aus sehe ich diese Frage mit ganz anderen Augen. Damals bin ich natürlich in ein ganz tiefes Loch gefallen. Man hat mir von heute auf morgen gesagt, dass meine sportliche Laufbahn beendet ist. Das hieß auch, dass ich seinerzeit mein Physiotherapie-Studium abbrechen musste (Anmerkung: Ich wollte später im Sport tätig werden.). Ich habe dann im damaligen Energie-Kombinat angefangen zu lernen und bin dann auch bis 1992 dort geblieben. Zusätzlich bildete ich mich dort mit einem Studium weiter.

Da ich ja sportlich nicht mehr so aktiv war – außer einem unkontrollierten Abtrainieren – war ich froh, meinen späteren Mann kennen gelernt zu haben. Zu meinen aktiven leistungssportlichen Zeiten hätte ich dafür gar keine Zeit gehabt.

Statement von Marita Koch, verheiratete Meier, 1957 in Wismar geboren, SC Empor Rostock, Olympiasiegerin 1980 über die 400 Meter und Olympia-Zweite 1980 mit der 4 x 400 Meter Staffel

„Olympia ist etwas Einzigartiges…“

Frage: Sie konnten zweimal Olympia-Atmosphäre genießen: Einmal mit einer sportlichen Enttäuschung, als sie sich 1976 in Montreal verletzten, und ein weiteres Mal als Olympiasiegerin 1980 in Moskau. Was bedeutet für Sie im Rückblick, den Traum eines jeden Sportlers, den Olympiasieg, erreicht zu haben?

Marita Meier-Koch: Olympia ist etwas Einzigartiges, Unbeschreibliches. Jeder Sportler träumt von olympischem Gold, und für die meisten Athleten ist eine olympische Teilnahme die Erfüllung ihres sportlichen Lebens. Olympia findet zudem nur alle vier Jahre statt, daher ist es notwendig auf die Minute topfit zu sein. Nachdem mir verletzungsbedingt eine Olympiamedaille 1976 versagt blieb, wollte ich es in Moskau wissen, was mir gelang … Übrigens: 24 Stunden nach meinem Sieg in Moskau bekam ich plötzlich hohes Fieber und es folgte eine Angina! Da wurde mir bewusst, wie zerbrechlich der Mensch ist, wie günstige Zufälle einen Erfolg beeinflussen können und wie einmalig Olympia ist.

Statement von Frank-Peter Roetsch, Jahrgang 1964, in Güstrow geboren, SG Dynamo Zinnwald, Biathlon, Olympia-Silber 1984 über die 20 Kilometer, Olympia-Gold 1988 über die 10 Kilometer bzw. 20 Kilometer und Olympia-Teilnehmer 1992

„Kanada versteht es, Völker zu verbinden…“

Frage: Herr Roetsch, bei den Olympischen Winterspielen in Kanada, in Calgary 1988, die zugleich ebenfalls die letzten Spiele waren, an denen ein winterliches DDR-Olympia-Team teilnahm, gewannen Sie zweimal Gold. Wie würden Sie Ihre sportliche Karriere skizzieren?

Frank-Peter Roetsch: Meine aktive Zeit war eine schöne erfolgreiche Zeit, aber irgendwann endet eine sportliche Karriere. Ich erinnere mich immer wieder gern aber ohne Wehmut an diese Zeit. Die jetzt aktiven Sportler haben einen enormen Aufmerksamkeitsgrad, für den wir mit unseren Leistungen ebenfalls gesorgt haben. Ich freue mich für unsere Sportart.

Frage: Sie nahmen insgesamt an drei Olympischen Winterspielen teil – 1984 in Sarajevo, 1988 in Calgary und 1992 in Albertville. Unabhängig vom sportlichen Erfolg: Welche Winterspiele waren für Sie die schönsten, bei welchen sammelten Sie die nachhaltigsten Eindrücke ?

Frank-Peter Roetsch: In diesem Fall sind die erfolgreichsten auch die nachhaltigsten Spiele. Kanada versteht es, Völker zu verbinden, das imponiert mir am meisten. Die Freundlichkeit, Herzlichkeit und Offenheit der Gastgeber von Calgary spürt man noch heute.

Statement von Jana Sorgers, verheiratete Rau, Jahrgang 1967, geboren in Neubrandenburg, SC Dynamo Berlin bzw. Potsdamer Rudergemeinschaft, Rudern, Olympiasiegerin 1988 und 1996 mit dem Doppelvierer

„Es waren natürlich magische Momente…“

Frage: 1988 und 1996 durften Sie dann jeweils über Olympia-Gold jubeln… Welche besonderen Erinnerungen verbinden Sie, neben den sportlichen, mit Seoul 1988 und Atlanta 1996?

Jana Sorgers-Rau: Das waren natürliche magische Momente, die ich immer in meinem Herzen tragen werde. Olympisches Gold ist einfach das Größte, was ein Sportler erreichen kann. Ich habe es ja für zwei Länder, ja zwei Systeme geschafft und das unter ganz verschiedenen Voraussetzungen. Dieser Fakt ist für mich bis heute besonders und macht mich auch sehr stolz. In Seoul war ich noch viel jünger und habe die Dimension dieses Erfolges nicht greifen können. Das wächst erst später, in Atlanta war mir das alles viel bewusster. Mit Atlanta verbindet mich zudem die Tatsache, dass ich dort in Vorbereitung zu den Spielen zwei Jahre zuvor meinen heutigen Mann kenngelernt habe.

Statement von Kathrin Haacker, 1967, in Wismar geboren, SC Dynamo Berlin, Rudern, Olympiasiegerin mit dem Achter 1988, Olympia-Dritte mit dem Achter 1992 und Olympia-Vierte mit dem Zweier ohne 1996

„Ein super Gefühl…“

Frage: Ihr größter Erfolg war der Olympiasieg 1988. Ein erwarteter Triumph?

Kathrin Haacker: Für mich war es die Erfüllung eines Lebenstraumes. Nachdem mir 1986 der internationale sportliche Durchbruch gelang, wollte ich es unbedingt wissen: Olympia nicht nur erleben, sondern – möglichst siegreich – genießen. Kurz vor den Olympischen Spielen in Seoul stieg ich, auf Anraten der Trainer, vom Zweier ohne in den Achter um – eine goldrichtige Entscheidung. Es war ein super Gefühl, ganz oben auf dem olympischen Podest zu stehen!

Statement von Jürgen Schult, Jahrgang 1960, geboren im Amt Neuhaus, SC Traktor Schwerin bzw. Schweriner SC, Leichtathletik, Diskuswerfen, Olympiasieger 1988, Olympia-Zweiter 1992, Olympia-Sechster 1996 und Olympia-Achter 2000

„Stimmung war sehr gut…“

Frage: Sie sind der letzte Olympiasieger der DDR und immer noch amtierender Weltrekordler. Wie war damals die Stimmung in Seoul im DDR-Team, wie war diese zwei Jahre später bei den EM in Split, als die DDR-Leichtathletik-Nationalmannschaft zum letzten Mal die internationale Arena betrat?

Jürgen Schult: Die Stimmung 1988 in Seoul war sehr gut. Die Mannschaft war sehr erfolgreich und das war es, was damals vor allem zählte.  Zwei Jahre später bei den Europameisterschaften in Split 1990 gab es dann das erste „Beschnuppern“ zwischen „Ost“ und „West“. Unter den Athletinnen und Athleten wurde schnell zusammengefunden. Zwar brauchten die Trainer etwas länger, aber auch hier gab es letztendlich ein Miteinander. Bei der Funktionärs-Ebene sah und sieht es „etwas“ anders aus. Hier gab und gibt es teilweise bis heute Differenzen.

Ansonsten gab es für mich sportlich zwei eindeutige Höhepunkte: Einerseits den Olympiasieg 1988, andererseits die Vize-Weltmeisterschaft 1999.

Statement von Jacqueline Börner, verheiratete Schubert, Jahrgang 1965, in Wismar geboren, TSC Berlin, Eisschnelllaufen, Olympiasiegerin über die 1500 Meter 1992 und Olympia-Achte über die 3000 Meter 1992

„Die Erfüllung eines Lebenstraumes…“

Frage: Fast sensationell – vor dem Hintergrund Ihres Unfalles 1990 – wurden sie 1992 bei den Winterspielen in Albertville Olympiasiegerin über 1500 Meter. Für Sie eine Genugtuung, auch nach mancher Unstimmigkeit mit Sportfunktionären vor 1990, oder ganz einfach die Erfüllung eines Lebenstraumes?!

Jacqueline Schubert: Olympia ist für jede Sportlerin und jeden Sportler so großartig. Es gibt sportlich nichts Besseres. Der Olympiasieg war die Erfüllung eines Lebenstraumes, ein großes Glück, eine Selbstbestätigung und ein erfolgreicher Augenblick, den man nicht vergisst. An die ersten drei Tage danach erinnere ich mich gar nicht mehr so genau (Nicht etwa, weil ich zu viel „Champus“ getrunken hätte…), ich lebte wie in Trance. Es war Freude und Glücksgefühl zugleich!

Auch wenn ich ansonsten nicht „bibelfest“ bin: Der liebe Gott hat es mehr als gut mit mir gemeint: Er hätte mir in Albertville`92 auch Bronze „schenken“ können – und ich wäre sehr, sehr glücklich gewesen. Jedoch Gold – das war der „Hammer“!

Statement von Ramona Portwich, Jahrgang 1967, in Rostock geboren, SC Empor Rostock und KC Limmer, Hannover, Kanu-Rennsport, dreimal Olympiasiegerin bzw. zweimal Olympia-Zweite zwischen 1988 und 1996

„Alle drei waren wunderbar…“

Frage: Ihre ersten erfolgreichen Olympischen Spiele liegen fast 30 Jahre zurück… Welche Erinnerungen haben Sie an diese? Und: Von Ihren drei aktiven Olympischen Spielen: Welche waren die schönsten?

Ramona Portwich: Alle drei Olympischen Spiele waren auf ihre Weise wunderbar. Die schönsten waren allerdings die Spiele 1992 in Barcelona. Die Goldmedaille, die ich damals im Zweier-Kajak über die 500 Meter zusammen mit Anke von Seck gewann, war hart erkämpft. Letztendlich siegten wir mit zwölf Hundertstel Vorsprung vor den Schwedinnen Agneta Andersson/Susanne Gunnarsson (Dritte wurden die Ungarinnen Rita Koban/Eva Donusz.). Ein schwer errungener, aber gerade deshalb um so schönerer Erfolg!

Statement von Carsten Embach, Jahrgang 1968, in Stralsund geboren, BSR „Rennsteig“ Oberhof, Bobsport, Olympiasieger mit dem Vierer-Bob 2002 und Olympia-Dritter mit dem Vierer-Bob 1994, vor seiner Bob-Karriere Weitspringer beim ASK Vorwärts Potsdam

„Olympiasieg 2002 war der Höhepunkt…“

Frage: Sie wurden Olympiasieger 2002. Für Sie auch der schönste sportliche Erfolg in Ihrer Karriere?!

Carsten Embach: Jede Medaille, jeder Erfolg ist auf seine Weise schön. Hinter jeder Medaille und hinter jedem Sieg, ob bei Olympia, WM oder EM, steckt ja eine eigene besondere Geschichte. Das macht ja jeden Erfolg auch auf eine ganz subjektive Weise so einzigartig. Dennoch: Der Olympiasieg 2002 in Salt Lake City ist schon der Höhepunkt meiner Karriere – der Olympiasieg ist nun einmal das Allergrößte, was eine Sportlerin bzw. ein Sportler erreichen kann.

Nachhaltig bleiben mir auch die Olympischen Winterspiele 1994 in Lillehammer in Erinnerung. Damals war ich erst anderthalb Jahre im Bobsport dabei und gleich bei den ersten Spielen gewann ich Bronze. In Nagano wurde ich als Ersatzmann nominiert und 2002 gab es das erwähnte Olympia-Gold. Sehr emotionsreich ging es bei den WM 1995 in Winterberg und 2000 in Altenberg zu. Es ist doch immer etwas ganz Besonderes vor heimischer Kulisse starten zu können, hautnah die Begeisterung der Zuschauer, der eigenen Familie bzw. der Fans zu spüren.

Dennoch: Ich unterscheide schon zwischen meinem größten Erfolg und meiner größten Leistung. Der größte Erfolg war unbestritten der  Bob-Olympiasieg 2002, die größte sportliche Leistung sind jedoch meine Sprünge über die Acht-Meter-Marke im Weitsprung.

Das ist jedoch sportliche Historie… Welche Sport-Veranstaltungen werden nun in den kommenden Monaten 2017 präsentiert, speziell in Rostock?!

Sportive Termine aus Rostocker Sicht

– 17.-18-06.2017 – INTER-CUP der Optimisten, Segeln

– 17.-18.06.2017 –  9.Rostocker EURAWASSER Pokal, Segeln

– 12.07.2017 – 13.Tag des Deutschen Sportabzeichens/Schülerinnen und Schüler

– 01.-09.07.2017 – 80.WARNEMÜNDER WOCHE

– 14./15.07.2017 – 21.Internationaler DLRG Cup vor Warnemünde

– 22.07. 2017 – 6.Rostocker Paddeltag der Rostocker Kanu- und Paddelvereine

– 22.07.2017 –  9.Rostocker Familiensportfest mit Erwerb des Deutschen Sportabzeichens

– 22.07.2017 – 16.EURAWASSER WARNOWSCHWIMMEN

– 22.07.2017 – 9.Rostocker Greif, Internationales Unterwasser-Rugbyturnier

– 05.08.2017 – 15.marathon nacht rostock

– 10.08.-13.08.2017 – 27. Hanse Sail, u. a. Partnerstädtepokal

– 19./20.08.2017 – 7.Jolly Roger Cup, Baseball

– 08/2017 – DFB- Beach Soccer Finale Warnemünde

– 27.08.2017 – 15.Rostocker Frauenlauf

– 02.09.2017 – Ostsee • Rad • Klassik – Steherrennen auf der Radrennbahn

– 03.09.2017 – 34.OSPA-Rostocker Triathlon

– 09.09.2017 – Blaues Band der Warnow, Segeln

– 24.09.2017 – ROSTOCK10, Laufsport

– 22./24.09.2017 – 4.Hohe Düne Cup, Segeln

– 30./01.10.2017 – Messecup, Segeln

– ca. 10/2017 – 22.Hanse Cup, Short Track (Termin noch nicht bestimmt)

– 03.10.2017 – 23. Senatorenregatta – 10.00 Uhr

– 15.10.2017 – 12. CROSSTOCK Teamcross – 10.30 Uhr

– 27.-29.10.2017 – 62.Internationales Neptunschwimmfes

– 10.-11.11.2017 – 51.Internationaler Pokal der Stadt Rostock im Flossenschwimmen und im Orientierungstauchen

– 18.11.2017 – 26.Herbstspiel- und Sportfest für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen – 10.00 Uhr

– 25.11.2017 – 17. Springershow Wasserspringen – 14.00 Uhr

– 11/2017 – Super European Goalball League

Weitere wichtige Termine:

– 12.-15.06.2017 – Deutsche Meisterschaft des Deutschen Behindertensportverbandes im Fußball

– 23.-25.06.2017 – BEACH POLO WORLD MASTERS

– 08./09.07.2017 – EURO CUP im Elektrorollstuhl-Hockey

– 25.-27.08.2017 – Euro Beach Soccer League (EBSL)

– 17.-22.09.2017 – INTERSPORT FitGesund

Marko Michels

Fotos (Michels): Der Sport hat in M-V viele Gesichter, Facetten und Angebote.