Die einstige Olympia-Wasserspringerin Annika Walter über ihr Leben nach dem Wasserspringen, ihre neuen Herausforderungen und den Sport in Rostock

Die olympischen Wettkämpfe im Wasserspringen 2016 sind längst Geschichte… China war wieder einmal die erfolgreichste Nation.

Vor 20 Jahren jedoch sorgte auch eine Rostocker Wasserspringerin für eine olympische Überraschung. Annika Walter, Jahrgang 1975, konnte 1996 in Atlanta die olympische Silbermedaille im Turmspringen erkämpfen – hinter der Chinesin Fu Mingxia und vor den beiden Amerikanerinnen Mary Ellen Clark, Becky Ruehl und der zweiten Chinesin Guo Jingjing.

Auch nach dem Ende ihrer sportlichen Karriere  blieb die einstige Athletin des WSC Rostock sehr vielseitig: Sie eröffnete ein Cafe, schrieb einen Roman, war Übungsleiterin beim WSC Rostock und ist Yoga-Lehrerin.

Nachgefragt bei Annika Walter

Annika über ihre neuen Ziele bzw. Ambitionen, ihr Leben nach dem Wasserspringen und die Entwicklung des Sportes in Deutschland, speziell in Rostock

„Wir dürfen die bessere Bildung aller Stadtbewohner nicht außer Acht lassen…“

Frage: Vor sechs Wochen fanden noch die olympischen Wassersprung-Konkurrenzen in Rio statt. Wären Sie selbst gern noch am Start gewesen? Verfolgten Sie die dortigen Konkurrenzen?

Annika Walter: Nein. Meine aktive Zeit ist lange her und ich muss gestehen, dass ich überhaupt nicht mehr auf dem Laufenden bin. Ich habe weder einen Fernseher, noch bin ich ein großer Sportgucker.

Frage: Auch ohne Wasserspringen… Wie sportlich ist Annika Walter anno 2016? Wie verläuft Ihr gegenwärtiges Leben?

Annika Walter: Mein Leben ist ziemlich relaxt. Aber ich bin recht gut in Form. Das werden meine Kursteilnehmer wohl bestätigen. Ich habe nämlich ein kleines Kravayoga-Studio, das recht gut läuft und außerdem schreibe ich viele Artikel über Finanz- bzw. Wirtschaftspolitik. Also nach der Leistungssport- und Kneiper-Zeit mal ganz was anderes.

Frage: Was sind Ihre nächsten Pläne – sportlich, beruflich und persönlich?

Annika Walter: Sportlich lasse ich mir zukünftig von meinem Sohn wohl ein paar Judotricks beibringen. Beruflich und persönlich hoffe ich natürlich auf noch ein paar nette Yogafreunde in meinem Kravayoga-Studio. Vielleicht sogar noch ein paar mehr Herren. Die „mutigen“ Männer, die jetzt jede Woche bei mir mitmachen, sind nämlich richtig begeistert, weil sich ihre körperliche Fitness durch das Yoga stark verbessert hat. Ich rede hier von Triathleten und Ex-Leistungssportlern. Om gibt es bei mir nicht.

Letzte Frage: Wie beurteilen Sie als Rostockerin die Entwicklung Ihrer Stadt und des dortigen Sportes seit 1990?

Annika Walter: Es hat sich natürlich viel verändert, in beide Richtungen. Diese Thematik ist aber viel zu umfassend und komplex, um sie in ein paar Sätzen zu beantworten, aber ich mache mir Sorgen, um das Bildungssystem. Zu volle Klassen, zu praxisferne Studienpläne, zu wenig Berücksichtigung der kommenden Digitalisierung in den Ausbildungsangeboten. Den technischen Möglichkeiten hinken wir absolut hinterher.

Das ist zwar ein gesamtdeutsches Problem, aber auch die Chance für Rostock, sich von einem industrieschwachen Standort zu einer zukünftig wirtschaftsrelevanten Stadt zu mausern. Ich hoffe also, das wir die bessere Bildung aller Stadtbewohner nicht außer Acht lassen. Dann ist langfristig auch mehr finanzielle Unterstützung für den Sport zu erwarten.

Vielen Dank, weiterhin alles erdenklich Gute und maximale Erfolge – persönlich, beruflich und sportlich!

Exkurs: Olympische Wassersprung-Erfolge für Rostock

Wasserspringen und Rostock – das ist seit Jahrzehnten eine sportliche Erfolgsgeschichte für die Springerinnen und Springer der Hansestadt. Namen wie Ingrid Engel-Krämer, die 1964 Gold im Kunst- und Turmspringen erkämpfte (zweimal Gold auch 1960, als Wasserspringerin des SC Einheit Dresden), Christa Köhler, die 1976 im Kunstspringen Silber holte, Martina Proeber, die 1980 im Kunstspringen den Silberplatz belegte, Annika Walter, die 1996 im Turmspringen Silber ersprang oder Dörte Lindner, die 2000 Bronze im Kunstspringen holte, stehen für die olympische Erfolgsgeschichte des Rostocker Wasserspringens.

Info: Am 26.November findet die diesjährige Springer-Show des WSC Rostock in der Neptun-Schwimmhalle in Rostock statt. Drei Monate später, vom 24.Februar 2017 bis 26.Februar 2017, ist wieder „Springertag-Zeit“ in der Hanse- und Universitätsstadt. Dann wird nämlich der 62.Internationale Springertag, zugleich 23.FINA Diving Grand Prix, in Rostock veranstaltet.

Marko Michels