Deutschlands Box-Ass Christina Hammer über Karriere-Erfolge, ihre Niederlage gegen Claressa Shields und ein Re-Match

Schon ein ganzes Jahrzehnt lang sorgt Ausnahmeathletin Christina Hammer für viel sportliche Furore. Angefangen hat es, als die heute 28-Jährige 2010 zur jüngsten deutschen Profi-Boxweltmeisterin (im Mittelgewicht) aller Zeiten avancierte. Seither folgten weitere WM-Titel der WBO und WBC. Und Hammer wird sicher auch in den kommenden Jahren noch für begeisternde Fights sorgen. Leider musste sie kürzlich ihre erste Niederlage überhaupt in einem Profi-Boxkampf hinnehmen. Geschehen am 13. April in Atlantic City gegen die US-Amerikanerin Claressa Shields. Die zweifache Olympiasiegerin, zweifache Amateur-Weltmeisterin und bis dato Inhaberin der WM-Gürtel von WBA, IBF und WBC im Mittelgewicht holte sich damit nun auch den WBO-Gürtel.

Christina Hammer - Foto: © Florian Lechner / EasyMotionSkin

Christina Hammer – Foto: © Florian Lechner / EasyMotionSkin

Interview

„Werde aus meinen Fehlern lernen…“

Frage: Ein Chapeau an Sie, Frau Hammer. Weil Sie in Ihrer sportlichen Karriere schon ungemein viel erreicht haben… Nun mussten Sie ihre erste Niederlage einstecken. Wie beurteilen Sie den Fight gegen Shields?

Christina Hammer: Für mich ist es nicht gerade optimal gelaufen. Ich habe zwar mein Bestes gegeben, aber es war nicht meine beste Performance. Aber so ist es nun einmal im Sport und es gehört dazu. Mal ist es dein Tag, mal nicht.  Es war ihr Tag. Ich weiß, welche Fehler ich machte und ich werde aus meinen Fehlern lernen. Im Re-Match möchte ich die Sache klären!

Frage: Wenn Sie auf die letzten zehn Jahre zurück blicken… Was waren für Sie die ganz großen Highlights?

Christina Hammer: Als ich mit 20 Jahren die jüngste WBO-Weltmeisterin wurde – das war ein großer Moment! Auch als ich den WBC-WM-Titel gegen Kali Reis erkämpfte… Es gibt sehr, sehr viele gute Momente in meiner Karriere. Aber ebenfalls so eine Niederlage zeigt einem natürlich viel. Die Gelegenheit auf so einer großen Bühne zu boxen ist einmalig und das haben nicht viele deutsche Boxer geschafft.

Frage: Was fasziniert Sie am Boxen? Wann sagten Sie sich: Der Sport soll es sein?

Christina Hammer: Im Boxsport fasziniert mich, dass man 1 gegen 1 kämpfen muss, dass man jede Sekunde aufmerksam sein muss. Die Competition, der Wettbewerb gefällt mir eigentlich am besten, man kann sich zeigen und muss sich beweisen – auch, dass man besser als der Gegner ist. Das Mentale ist dabei wichtig: Wenn der Kopf nicht da ist, wird man nicht gewinnen. Das vergessen viele. Die Disziplin, die man im Boxsport benötigt, ist enorm. Dazu kommt das Training und insbesondere die Vielseitigkeit des Trainings. Es sind letztendlich so viele Komponenten, die im Boxsport zusammenspielen müssen.

Boxstar Christina Hammer - Foto: © Florian Lechner / EasyMotionSkin

Christina Hammer – Foto: © Florian Lechner / EasyMotionSkin

Frage: Wie geht es nun für Sie weiter?

Christina Hammer: Ich möchte einen Zwischen-Kampf machen – vielleicht in Deutschland. Am liebsten mit Nikki Adler, sie hatte ja eine große Klappe bei der Live-Übertragung auf DAZN. Das könnte man aus meiner Sicht gerne im Ring klären. Und dann gerne Ende des Jahres das Re-Match.

Frage: Immer nur Boxen geht ja nicht… Wie sieht Ihr Leben neben dem Ring aus?

Christina Hammer: Ich habe Sportwissenschaften studiert, muss noch meine Bachelor-Arbeit finalisieren, dann habe ich mein Studium in der Tasche. Das höre ich ja öfter: „Ah ja, Sie haben ja studiert – das ist natürlich was ganz anderes!“ (lacht)  Das war auch meinen Eltern immer sehr wichtig, dass ich meine Schule, mein Studium abschließe.

Ansonsten: In meiner Freizeit spiele ich gerne Basketball, im Sommer fahre ich auch Inliner. Ich bin niemand, der auf der Couch rumliegt – ich bin eigentlich immer aktiv.

Vielen Dank und maximalen Erfolg im Re-Match!


 

Exkurs:

Frauen-Boxen in MV

Den Box-Ring haben die deutschen Frauen längst geentert. Namen, wie Regina Halmich, Christina Hammer, Susi Kentikian oder Julia Sahin waren und sind große Wegbereiterinnen für den Frauen-Boxsport.

Und in M-V? Auch hier gab und gibt es starke Faustkämpferinnen, die für einige Erfolgsmomente sorgten. Mitte der 2000er Jahre z.B., als die Amateurinnen Alice Altmann und Anne Cravaack aus Wismar national auf sich aufmerksam machten. Aber auch Rostocks vielseitige Athletin Sabine Felser, „World Games“-Siegerin von 2005 im Ju Jutsu und daneben eine sehr gute Judoka, versuchte sich schon erfolgreich im Boxring.

Internationale Medaillen kamen in den letzten Jahren unter anderem durch Sarah Scheurich (Schwerin) und Elisabeth Wohlgemuth (Wismar) hinzu. Scheurich erkämpfte z.B. EM-Silber 2014 und Bronze bei den Europaspielen 2015. Die Olympiaquali 2016 in Rio verpasste sie nur denkbar knapp. Sophie Alisch, wie Scheurich Athletin des BC Traktor Schwerin, holte 2018 Bronze bei den Jugend-Europameisterschaften 2018.

Und Last but not least gewann Ornella Wahner, die am Olympiastützpunkt Schwerin trainiert, 2018 als erste Deutsche überhaupt den WM-Titel der Amateure.

Stark und erfolgreich: Sophie Alisch, Sarah Scheurich und Ornella Wahner. Foto: M. Michels

Stark und erfolgreich: Sophie Alisch, Sarah Scheurich und Ornella Wahner. Foto: M. Michels

Text und Interview: mic