Seit mehr als sechs Jahrzehnten mit Erfolgen

Stadion am Lambrechtsgrund in Schwerin. Foto: M.M.

Im Jahr der Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokyo wird der Schweriner SC – einschließlich dessen Vorgänger-Verein SC Traktor Schwerin – 65 Jahre. Was für die einen ein Grund ist, „in Rente zu gehen“, ist für die anderen eher ein Ansporn, weiter sportlich intensiv aktiv zu bleiben.

Auch der Schweriner SC bleibt dem Motto „Turne! Von der Wiege bis zur Urne…“ treu. Wobei in diesem Fall unter „Turnen“ auch andere sportliche Aktivitäten gehören…

Olympische Goldmomente

Der SC Traktor Schwerin ist dabei ein Sportklub, in dem die ersten olympischen Medaillengewinner und Olympiasieger Schwerins ihre sportive Heimat hatten…. Speerwerfer Walter Krüger sorgte mit Silber bei Olympia 1960 für die erste Schweriner Olympia-Medaille überhaupt. Sechzehn Jahre später folgte dann das erste Olympia-Gold für Schwerin – und das gleich von einem Trio. Andrea Pollack (Schwimmen) und Michael Wolfgramm (Rudern), in Schwerin geboren, aber für den SC Dynamo Berlin startend, sorgten für goldene Momente in Montreal 1976. Boxsportler Jochen Bachfeld, der im Dezember 2017 bereits junge 65 wird, erkämpfte in Montreal zudem das erste olympische Gold für den SC Traktor Schwerin.

Die ersten olympischen Medaillen in einer Mannschaftssportart für den SCT schafften indes Wolfgang Maibohm und Horst Hagen (bis 1969 SCT-Mitglied) bei den Spielen 1972 in München mit Silber – Andrea Heim, Karla Roffeis, Martina Schmidt und Anke Westendorf machten es den Männern 1980 in Moskau nach.

In Moskau sorgte Hochspringer Gerd Wessig, der in einem Monat seinen 50. feiert, auch für das erste olympische Leichtathletik-Gold. Andreas Zülow (Boxen/Gold/1988), Jürgen Schult (Diskus/Gold 1988/Silber 1992), Torsten Voss (Zehnkampf/Silber/1988) oder Andreas Tews (Boxen/Silber 1988/Gold 1992) glänzten in den olympischen Arenen ebenfalls.

Für den letzten großartigen Erfolg, dem sicherlich noch weitere folgen werden, zeigten sich die Schweriner Volleyball-Damen verantwortlich: Sie wurden 2017 wieder einmal Deutsche Meisterinnen und Supercup-Siegerinnen…

Doch wie fing eigentlich alles an ?!

Der SC Traktor Schwerin – Gründung des Klubs und Einführung der Sektionen

„Entsprechend der Bedeutung und der Perspektiven der Landwirtschaft, als gleichberechtigter Wirtschaftszweig der Volkswirtschaft in der DDR, wie sie vom IV. Parteitag der SED 1954 beschlossen wurden, und zur besonderen Förderung der sportlichen Aktivität der Landjugend, wurde der Sportklub Traktor gegründet.“, so lautete die offizielle Lesart zur Konstituierung des SCT als damals größter Sportklub des Bezirkes Schwerin. Vor der Gründung des SC Traktor Schwerin hatte sich – als Vorläufer – bereits die Sportvereinigung Traktor 1951 gebildet.

Die kleineren städtischen und dörflichen Sportgemeinschaften in Westmecklenburg wurden in der „Sportvereinigung Traktor“ zusammengefasst, die Mitte der 1950er Jahre in Schwerin quasi ein „Leistungszentrum Traktor“ erhielt. Die Sportler der Sportklubs Traktor waren nun nicht mehr die Repräsentanten eines einzelnen (landwirtschaftlichen) Betriebes, sondern sie sollten „zum Ruhm und zur Ehre der gesamten Landbevölkerung der DDR kämpfen“. Für die kleineren westmecklenburgischen Sportklubs bedeutete dieses allerdings, dass sie ihre leistungsstärksten und talentiertesten Nachwuchskräfte nach Schwerin „delegieren“ mußten.

Seit Juni 1955

Seit dem 1.Juni 1955 nahm die Sportklubleitung Traktor ihre Tätigkeit in Schwerin auf und begann mit der „Konzentrierung“ der besten Leistungssportler der Sportvereinigung. Am 18.Juni 1955 konstituierte sich der SC Traktor Schwerin mit einer Gründungsversammlung offiziell in Schwerin.

Boxen – mit Tradition in M-V, speziell in Schwerin. Foto: M.M.

Zunächst nahm die Sektion Boxen im SC Traktor Schwerin die sportliche Arbeit auf. Bereits Anfang Juni 1955 hatte der renommierte Trainer Herbert Eylert, der bis dahin die Box-Staffel der BSG Traktor Demmin betreute, eine „bunte Truppe“ für die Schweriner „Traktoren“ aufgebaut. Den Stamm des „neuen“ Teams für den SCT bildeten daher auch die „alten“ Demminer Boxer, wie Wolfgang Labahn, Heinz Nagel, Duda und Karnstädt. Wolfgang Altrichter stammte ursprünglich aus Halle, Gerhard Muschak aus Anklam und Eberhard Matthäus aus Landesberg/Halle. In atemberaubendem Tempo mußte diese Staffel eine hohe Fitness und große Schlagkraft aufweisen, denn schon am 25.Juni 1955 mußte sie sich in der Staffel II der DDR-Oberliga gegen die BSG Chemie Bernburg behaupten.

Die Nachwuchsarbeit bei den Boxern zeigte schnell erste Erfolge: Mitte Juli 1955 trainierten unter Anleitung der beiden SCT-Boxtrainer Herbert Eylert und Georg Walter schon 10 Jugendliche. Zudem erhielten die Boxer am 12.Juli 1955 auch eine eigene Sektionsleitung, die aber der Klubleitung unterstellt war.

Die Fussballer folgten den Boxern…

Die nächste Sektion, die innerhalb des SCT entstand (Gründungsdatum: 15.Juli 1955), war der Bereich Fußball. Mitte Juli 1955 kamen die besten Fußballspieler der SV Traktor Schwerin in Schwerin zusammen, wobei der DDR-Trainer Richard Hofmann die schwierige Aufgabe hatte, die besten Schweriner Fußballer zu sichten.

Heftige Kritik seitens der neuen SCT-Klubleitung an der bisherigen Förderpraxis in puncto Fußball im Bezirk Schwerin gab es auch gleich. So wurde den Leitungen der bisherigen Teams von SV und einigen BSG vorgeworfen, sie hätten bisher auf Grund von Betriebsegoismus und falschen Ansichten einiger Sportfunktionäre die talentiertesten Fußballer (in Westmecklenburg) nicht namhaft gemacht !

Große Ziele für die Fußballer hatte die damalige SCT-Klubleitung ebenfalls: So sollte die SCT-Fußballmannschaft in die Schweriner Bezirksliga eingereiht werden, dort auf jeden Fall den Meistertitel erkämpfen und dann erfolgreiches Mitglied in der DDR-Liga werden. Beides blieb im Laufe der Jahre leider nur ein „frommer Wunsch“; die SCT-Fußballspieler wurden schnell das „Sorgenkind“ des Vereines.

Weitere Sektionen…

Nach Boxen und Fußball wurde die Sektion Gymnastik-Turnen im September 1955 geschaffen, der vor allem als „grundsportliche Ausbildung der Landjugend“ eine „besondere Bedeutung beigemessen wurde“. Zwischen 1956 und 1957 entstanden dann noch die Sektionen Leichtathletik, Volleyball, (Frauen-)Handball, Segeln und Ringen.

Parallel mit dem Aufbau der einzelnen Sektionen ging auch die Bildung der Kinder- und Jugendsportabteilungen voran, die eine „wichtige Ausgangsbasis für eine starke leistungssportliche Entwicklung“ darstellen sollten.

Doch nicht nur die Sommersportarten Boxen, Fußball und Turnen gehörten anfangs zum SC Traktor Schwerin. Auch wintersportliche Aktivitäten sollten für die westmecklenburgische Landjugend möglich sein. So war ebenfalls die „Abteilung Wintersport“ in Oberwiesenthal Bestandteil des Clubs. Dabei wurden insbesondere die Disziplinen Ski-Langlauf und Rennrodeln zur sportlichen Betätigung von der damaligen Klubleitung favorisiert.

„Wir sehen unsere besondere Verpflichtung als Sportklub Traktor darin“, so der damalige stellvertretende Vorsitzende des SCT, Schröder, im Juni 1955 „uns durch hohe sportliche Leistungen, erreicht durch bewußtes Denken, fleißiges und hartes Training, das Vertrauen der Schweriner Bevölkerung zu erwerben. Die enge Zusammenarbeit des SC Empor Rostock mit der Bevölkerung der Seestadt wird uns hierbei ein Beispiel sein. Auf die regelmäßige Durchführung von Ausspracheabenden mit der Bevölkerung werden wir bei unserer Arbeit besonderen Wert legen.“

Das künftige (Erfolgs-)Modell SC Traktor Schwerin konnte mit der sportiven Arbeit beginnen.

Erfolgreiches Debüt der SCT-Boxer

Mit einem knappen aber verdienten 11:9 Sieg über Chemie Bernburg im Kampf um die Box-Mannschaftsmeisterschaft 1955 gestalteten die Boxer des SC Traktor ihren ersten Start am 25.6.1955 in Schwerin erfolgreich. Diese Freiluft-Veranstaltung litt zwar unter Dauer-Regen, was indes dem enormen Zuschauer-Interesse keinen Abbruch tat. Schon vor dem Beginn der Boxkämpfe zwischen Schwerin und Bernburg stand es 4:2 für den SC Traktor Schwerin, da die Bernburger das Fliegen- und Weltergewicht nicht besetzen konnten. Die Schweriner „Traktoristen“ konnten ihrerseits aber auch keinen Schwergewichtler aufbieten, so dass diese zwei Punkte an den Chemie Bernburg fielen.

Erster nationaler Box-Meistertitel für den SC Traktor Schwerin

Am 30.10.1955 gingen die siebenten nationalen Meisterschaften der DDR in Berlin für den erstmals antretenden SC Traktor Schwerin mit einem großen Erfolg zu Ende. Sechs Tage lang wurde in 16 Veranstaltungen um die Meister-Titel gekämpft, an denen sich 17 Sportvereinigungen und die Gruppe der Sportgemeinschaften mit 151 Senioren und 12 Bezirke mit 33 Junioren beteiligten.

Unter den Finalisten befanden sich die vier Schweriner Boxsportler Mileck (Vorwärts Schwerin/Fliegengewicht), Olesch (Vorwärts Schwerin/Weltergewicht), Nagel (Traktor Schwerin/Halbmittelgewicht) und Labahn (Traktor Schwerin/Leichtgewicht). In den Finalkämpfen setzte dann Wolfgang Labahn einen weiteren Glanzpunkt – gegen seinen Widerpart Liwowski (Dynamo Berlin) gewann er mit 2:1 Richterstimmen.

Erstes Handballspiel der SCT-Frauen

Nach offizieller Gründung der Sektion Frauen-Handball beim SCT im Januar 1956 gab es am 8.April 1956 das erste Punktspiel in der DDR-Liga. Gegen Chemie Genthin triumphierten die Traktoristinnen mit 7:3. Anfang Mai 1956 – im inner-mecklenburgischen Vergleich – setzten sich die SCT-Spielerinnen knapp mit 6:5 gegen Motor Rostock durch. Leistungsträgerin bei den SCT-Handballerinnen war die damals 28jährige Elisabeth Oetke, die dem SCT seit 1955 angehörte und zuvor bereits 16 Jahre aktiv Handballsport betrieben hatte.

Neue Schweriner Box-Arena eingeweiht

Am 9.August 1956 wurde dann die neue SCT-Box-Arena am Lambrechtsgrund mit einem Vergleichskampf SC Traktor Schwerin gegen die Stadtauswahl Berlin eingeweiht. Dabei triumphierten die Schweriner knapp mit 10:8.

Organisatorischer und sportlicher Erfolg – die zweiten Internationalen Sportspiele der Landjugend in Schwerin

Im September 1956 (15.September/16.September) fanden in Schwerin im Stadion am Lambrechtsgrund – mit großem Erfolg – die zweiten Internationalen Sportspiele der Landjugend statt, die maßgeblich vom SC Traktor Schwerin organisiert wurden. Pokalverteidiger Polen mit der Gesamt-Punktzahl von 314,5 triumphierte damit zum zweiten Mal.

Die Sektionen Volleyball und Ringen beim SCT

Ende September 1956 wurde von der Klubführung des SC Traktor Schwerin beschlossen, nach den Sektionen Gymnastik/Turnen, Leichtathletik, Boxen, Fußball, Handball und Segeln (Sektion Segeln 1956) im Jahr 1957 auch Sektionen für die Sportarten Ringen und Volleyball zu schaffen. (Anmerkung:  Außerdem gehörte zum SCT auch eine Abteilung Wintersport in Oberwiesenthal.). Ausschlaggebend hierzu waren unter anderem auch die Beschlüsse einer Funktionärskonferenz des Staatlichen Komitees für Körperkultur und Sport über die Notwendigkeit, Bedeutung und Inhalte der Sportvereinigung Traktor.

Zum Ringer-Trainer beim SCT wurde  Helmut Albrecht berufen; für das Trainerfunktion im Bereich Volleyball war Erwin Reichelt vorgesehen.

Nach einem Jahr: Aufbau der Sektion Turnen/Gymnastik beim SCT

Im Oktober 1956 wurde nicht nur Zwischenbilanz bei den SCT-Leichtathleten gezogen, deren Sektion ja im Januar 1956 gebildet wurde, sondern auch das einjährige Bestehen der Sektion Turnen/Gymnastik (gegründet im Oktober 1955) beim SC Traktor Schwerin gefeiert.

Der Aufbau des Trainingsbetriebes in den ersten Monaten 1955/56 erfolgte dabei folgendermaßen: Es war zu unterscheiden zwischen den Klubriegen Frauen und Männer und den Sektionsriegen. Zur Klubriege der Frauen zählten sechs Turnerinnen, während die Männer nur zwei Turner hatten. Beim Sektionsturnen bildete die Übungsleiter um Turn-Trainer Groth zwei Riegen der weiblichen Jugend (Männliche Jugend war nicht vorhanden!) und die Riegen der Schülerinnen und Schüler der Klassen A und B. Das Sektionsturnen wurde zweimal in der Woche durchgeführt. Insgesamt war ein Leistungsanstieg der SCT-Turner zwischen Oktober 1955 und Oktober 1956 zu verzeichnen.

Beim II. Deutschen Turn- und Sportfest 1956 errang Gisela Peschke in der Leistungsklasse II der Frauen des zweiten Platz. Bei den Bezirksmeisterschaften der Schüler siegten die Mädchen der Klasse A vom SCT, die damit die Teilnahme an den DDR-Meisterschaften errangen.

Aufstieg des Volleyballsportes in Schwerin

Der Aufstieg des Schweriner Volleyballsportes begann letztendlich vor 60 Jahren, 1957, als die Sektionen Volleyball der BSG Empor Schwerin und der SG Einheit Schwerin-Süd dem SC Traktor Schwerin eingegliedert wurden. Im Gründungsjahr fungierte Erwin Reichelt als erster und einziger hauptamtlicher Trainer, der Unterstützung von Sektionsleiter Hardy Hübner erhielt.

Letztendlich nahm insbesondere der Frauen-Volleyballsport in Schwerin einen rasanten Aufstieg.

Blick in die Palmberg-Arena der SSC-Mädels. Foto: M.M.

30 Meister-Titel und Pokal-Erfolge (DDR-Meisterschaften, Deutsche Meisterschaften, DVV-Pokal-Siege, FDGB-Pokal-Siege, Supercup- oder Europapokal-Triumphe)  seit den 1970ern für den Frauen-Volleyballsport „Made in Schwerin“ – das unterstreicht den Ruf von Schwerin als deutsche Frauen-Volleyball-Hochburg. Dazu kommen im Elite-Bereich unter anderem  noch Olympia-Silber 1980, EM-Gold 1983 bzw. 1987 und zwei vierte WM-Ränge 1974 bzw. 1986 – alles unter Beteiligung von Schweriner Volleyball-Spielerinnen.

Aktuell sind die SSC-Mädels in der ersten Bundesliga wieder auf Meisterschaftskurs und die Faustkämpfer des BC Traktor Schwerin werden wieder in der Box-Bundesliga starten…

Marko Michels (Michels: SSB-Chronik „Der Schweriner Sport zwischen 1850 und 1960“, 2001)