Im Gespräch mit DLRG-Pressesprecher Martin Holzhause über den Rettungssport

Die letzten zwölf Monate hatten es wassersportlich in sich. Das Rettungsschwimmen wurde wieder global, national und regional zelebriert. Für die Top-Athlethen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft standen vor allem der DLRG Cup in Warnemünde, die Junioren-Europameisterschaft und die Deutschen Meisterschaften im Fokus. Absolutes Highlight war sicherlich die kürzlich ausgetragene WM im Rettungsschwimmen. In Australien für Mecklenburg-Vorpommern am Start war eine Troika der DLRG Anklam: Danny Wieck, Christian Ertel und Carla Strübing.

Die DLRG Nationalmannschaft am Strand von Adelaide.
FOTO: © DLRG

Interview

Frage: Zum Jahresende fand in Australien noch die WM im Rettungsschwimmen statt, bei denen auch eine Troika der DLRG Anklam aktiv war. Wie beurteilen Sie die dortigen Ergebnisse aus deutscher und internationaler Sicht?

Martin Holzhause: Die Weltmeisterschaft in dem Land, in der der Rettungssport so populär ist und so viel Aufmerksamkeit erfährt wie sonst nirgends, war sicher für alle Teilnehmer etwas ganz Besonderes. Unter den 7.000 Athleten, Offiziellen, Kampfrichtern und freiwilligen Helfern waren auch viele Deutsche – nicht nur Rettungsschwimmer aus der DLRG, sondern zum Beispiel auch acht Unparteiische, ohne die ein fairer Wettstreit gar nicht möglich ist.

Zum Auftakt im Schwimmbecken in Adelaide haben zunächst die Rettungssportler ab 30 Jahren die Masters-WM bestritten. Die deutschen Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet sammelten über alle Wettbewerbe in den Altersklasse hinweg sehr beachtliche 77 Medaillen.

Beim anschließenden Wettkampf der 44 Nationen, dem Herzstück der Weltmeisterschaften, wurde es dann für unser zwölfköpfiges DLRG-Nationalteam mit Danny Wieck, Christian Ertel und Carla Strübing von der DLRG Anklam ernst. Im Pool hat unsere Mannschaft unter Beweis gestellt, dass sie zur absoluten Weltklasse gehört. Über gleich neun Medaillen durften wir uns freuen, darunter sechs goldene. Danny Wieck aus Stralsund ist das Kunststück gelungen, in einer Disziplin – die 50 Meter Retten einer Puppe – zum dritten Mal infolge Weltmeister zu werden. Was für eine Leistung!

Die Finallauf in der Gurtretter-Staffel garnierten die Männer sogar mit einer neuen Weltbestzeit. Erwartungsgemäß konnte das Team bei den folgenden Wettbewerben am Strand und im Freigewässer nicht ganz an die Erfolge im Schwimmbecken anknüpfen. Hier sind vor allem Australien, der neue Weltmeister, und Neuseeland eine Klasse für sich. Christian als Fünfter im Kurzsprint Beach Flags konnte viele wichtige Punkte für die Nationen-Wertung sammeln. Auch Carla, gerade 21 Jahre alt, hat sich stark präsentiert und sich in allen Disziplinen für das Finale qualifiziert. Am Ende sprang – wie schon vor zwei Jahren in den Niederlanden – ein guter vierter Platz in der Gesamtwertung heraus. Die Chance auf das Treppchen war sogar da, es hätte aber alles passen müssen.

Frage: Was waren 2018 weitere Highlights aus Sicht der DLRG?

Martin Holzhause: Der erste große Höhepunkt des Jahres ist natürlich immer der DLRG Cup in Warnemünde, an dem neben mehreren Nationalmannschaft insgesamt 42 Vereine teilgenommen haben. Das DLRG-Nationalteam konnte hier seinen Titel verteidigen. Im September fand dann in Irland die Junioren-Europameisterschaft statt, die unsere Nachwuchs-Auswahl auf dem zweiten Platz beenden konnte. National gehörten dann natürlich noch die Deutschen Meisterschaften im Oktober in Leipzig zu den Saisonhöhepunkte. Rund 1.200 Rettungsschwimmer ab zwölf Jahren reisten nach Sachsen, um sich in fünf Altersklassen miteinander zu messen.

Rettungsschwimmen ist außerdem Bestandteil der „World Games“, der Weltspiele in den nichtolympischen Sportarten. Die letzten World Games fanden 2017 in Breslau statt. 2021 wird das US-amerikanische Birmingham Austragungsort für die über 30 Sportarten sein.

Frage: Wie stellt sich derzeit eigentlich die „Nachwuchsfrage“ im Rettungsschwimmen in Deutschland dar?

Martin Holzhause: Die DLRG ist ein junger Verband. Zwei Drittel unserer Mitglieder sind jünger als 26 Jahre. Das ist eine tolle Ausgangslage. Dennoch können wir natürlich immer Mitstreiter gebrauchen, um die Sicherheit an den Stränden und Badestellen im Binnenland weiter zu erhöhen. Entwicklungen wie das Schließen von Schwimmbädern bergen für die DLRG aber auch Gefahren. Wir benötigen ausreichend Wasserflächen, um aus Nichtschwimmern Schwimmer und aus Schwimmern auch Rettungsschwimmer machen zu können. Was den Nachwuchs derzeit im Rettungssport betrifft, darum brauchen wir uns sicher mittelfristig keine Sorgen zu machen. Viele junge Mitglieder betreiben den Sport mit viel Hingabe und Leidenschaft und die Strukturen werden immer professioneller.

Symbolbild

Letzte Frage: Welche sportlichen Herausforderungen warten 2019 auf die deutschen Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer? Steht schon der Termin für den DLRG-Cup 2019 vor Warnemünde?

Martin Holzhause: Den gibt es schon. 2019 wird der DLRG Cup allerdings nur für Vereine ausgeschrieben, nicht für Nationalmannschaften. Ein Novum. Wir hoffen auf die Teilnahme vieler Mannschaften aus dem Ausland, die jetzt erstmals teilnehmen können. Ausgetragen werden die Wettbewerbe vom 18. bis 20. Juli am Strand von Warnemünde. Die Veranstaltung wird ein Qualifikationswettkampf für die Europameisterschaft im September in Riccione, Italien, sein – dem internationalen Saisonhöhepunkt 2019.

Daneben freuen wir uns noch auf die neuen Deutschen Einzelstrecken-Meisterschaften im Mai in Halle an der Saale, die Deutschen Mehrkampf-Meisterschaften im Oktober in Hannover und den Internationalen Deutschlandpokal im November in Warendorf. Die Freigewässer-Wettkampfserie DLRG Trophy wird übrigens am 2. August in Prerow Station machen.

Vielen Dank und weiterhin bestes Engagement für das Rettungsschwimmen!

M. Michels