Erfolgskanute Peter Kretschmer über die WM 2018 und neue Ziele

Ein gebürtiger Schweriner holte bei der Kanurennsport-WM in Montemor-o-Velho (Portugal) Ende August Gold.  Peter Kretschmer (Jahrgang 1992), der für den SC DHfK Leipzig startet, erkämpfte sich zusammen mit Yul Oeltze im Canadier-Zweier über 1000 Meter den Sieg. Beide verteidigten damit ihren Titel aus dem Jahr 2017.

Kretschmer hat nun auch Olympia 2020 in Tokyo fest im Blick. Bereits vor sechs Jahren, bei den Olympischen Spielen in London gewann er Gold im C 2 über 1000 Meter – seinerzeit mit Kurt Kuschela vom KC Potsdam. Goldene WM-Momente erlebte der Schweriner zudem bei der WM 2013 im Canadier-Vierer über die 1000 Meter.

Symbolbild – Kanusport

Interview

Peter Kretschmer über seinen WM-Wettkampf 2018, die Welttitelkämpfe aus deutscher Sicht, seine nächsten sportlichen Zieleund seine berufliche Laufbahn…

„Es macht Lust auf mehr…“

Frage: Die WM 2018 ist Historie. Sie starteten im Canadier-Zweier über die 500 Meter (Platz 6) und 1000 Meter (Platz 1), jeweils mit Yul Oeltze. Wie lautet Ihr persönliches Resümee?

Peter Kretschmer: Ich bin voll zufrieden. Mit der Titelverteidigung haben wir unser großes Ziel für diese Saison erfüllt. Zwei Jahre ungeschlagen zu sein, macht Lust auf mehr.

Frage: Wie verliefen die Wettkämpfe aus Ihrer Sicht?

Peter Kretschmer: Die Strecke in Portugal ist sehr windanfällig, deswegen mussten wir im Vorlauf und Zwischenlauf etwas taktieren, um im Finale auf einer guten Bahn zu starten. Am Ende hat alles so geklappt wie wir es wollten.

Frage: Wie beurteilen Sie das internationale Kräfteverhältnis? Wo stehen die deutschen Kanu-Rennsportlerinnen und -sportler zwei Jahre vor Olympia in Tokyo?

Peter Kretschmer: Ich denke die deutsche Mannschaft ist sehr gut aufgestellt. Rio 2016 war eines der erfolgreichsten Jahre für den Deutschen Kanu-Verband und wir wollen in Tokyo 2020 genauso gut dastehen. Natürlich kann man nicht jedes Rennen gewinnen, das wäre ja langweilig.

Frage: Welche sportlichen Ziele haben Sie für die nächsten zwei Jahre…

Peter Kretschmer: Ganz einfach, immer der Beste sein.

Letzte Frage: Wie sieht Ihr Leben ohne den Canadier aus? – Und: Haben Sie noch Kontakt zu Schwerin?

Peter Kretschmer: Ich bin bei der Bundespolizei. Genauer gesagt in der Spitzensportförderung. Ich habe meine Ausbildung zum Polizeimeister abgeschlossen und bin für die Saison freigestellt. Nach der Saison muss ich jedes Jahr ein Praktikum absolvieren, um den Einstieg in das Berufsleben vorzubereiten.

Zu Schwerin habe ich noch Kontakt durch meine Familie. Zumindest ein Teil davon lebt noch in der Landeshauptstadt. Spätestens zu den Weihnachtsfeiertagen werde ich wieder in der Heimat sein.

Vielen Dank und weiterhin maximale Erfolg!


Die WM 2018 im Rückblick

Die 44.Weltmeisterschaft im Kanu-Rennsport, seit der WM-Premiere 1938 in Vaxholm, fand vom 22. bis 26. August 2018 in Montemor-o-Velho statt. In den 30 olympischen und nichtolympischen Disziplinen bei den Frauen und Herren nahmen insgesamt 1100 Sportlerinnen/Sportler aus mehr als 70 Ländern teil.

Deutsches Team am erfolgreichsten

Dort dominierten wieder einmal „die Großen Vier“, also Deutschland (dreizehn Medaillen), Russland (elf Medaillen), Ungarn (neun Medaillen) und Weißrussland (acht Medaillen). Diese vier Länder errangen 19 der 30 WM-Titel. Die deutschen Kanutinnen und Kanuten jubelten über siebenmal Gold, so im Canadier-Zweier über 1000 Meter, in den Kajak-Disziplinen der Frauen im K 2/200 Meter sowie der Herren im K 2/1000 Meter, im K 4/500 Meter und im K 4/1000 Meter. Dazu wurde Sebastian Brendel vom KC Potsdam (dreifacher Olympiasieger 2012/16) Weltmeister im Canadier-Einer über die 1.000 und 5.000 Meter. Für den 30-Jährigen waren es die WM-Titel Nr. 9 und 10.

Ansonsten präsentierten sich in Montemor auch Kanada, Brasilien, Gastgeber Portugal, Neuseeland, Spanien und Polen sehr stark. Insgesamt holten Athletinnen/Athleten aus 23 Ländern WM-Gold bei den WM 2018, darunter 11 Staaten eine oder mehrere Goldmedaillen.

12 Entscheidungen auch im Para-Kanu-Rennsport

Für die 12 weltmeisterlichen Entscheidungen im Para-Kanu-Rennsport in Montemor meldeten 135 Sportlerinnen/Sportler aus 34 Nationen, wobei Großbritannien (zweimal Gold, zweimal Silber, dreimal Bronze), die Ukraine (zweimal Gold, jeweils einmal Silber bzw. Bronze) und Australien (zweimal Gold, einmal Silber) hier am besten waren. Aus deutscher Sicht gab es durch Peter Happ (VfK Wuppertal) einmal Gold im Va`a (Einer-Canadier).

2019 werden die ICF Canoe Sprint World Championships in Szeged (Ungarn) ausgetragen.

 

Text und Interview: M.Michels