Nachgefragt bei der Präsidentin des Leichtathletik-Verbandes M-V

Prof. Dr. Kristin Behrens, Präsidentin des Leichtathletik-Verbandes M-V, mit ihrem Ehemann im Olympiastadion in Berlin. Foto: Behrens/privat

Der Leichtathletik-Sommer 2018 war ein äußerst ereignisreicher. Die diversen Golden League-Meetings waren ebenso Highlights wie die Deutschen Elite-Meisterschaften in Nürnberg, der Leichtathletik-Weltcup in London oder die Elite-EM in Berlin. Außerdem gab es ausgezeichnete Leistungen bei den U 18-EM in Györ und den U 20-WM in Tampere – auch für die Athletinnen und Athleten aus M-V. Eine herausragende Veranstaltung in M-V waren die Deutschen Meisterschaften der Altersklassen U 20 und U 18 Ende Juli in Rostock.

Wie beurteilt nun Frau Prof. Dr. Kristin Behrens, Präsidentin des Leichtathletik-Verbandes M-V, das Geschehen des Sportsommers 2018?

Interview

„Großartige Leistungen vor atemberaubenden Kulissen…“

Frage: Für die jungen Leichtathletinnen und Leichtathleten in M-V und aus ganz Deutschland waren die Deutschen U 20- und U 18-Meisterschaften ein großer sommerlicher Höhepunkt. Wie bewerten Sie diese Titelkämpfe?

Prof. Dr. Kristin Behrens: Diese Meisterschaften waren organisatorisch, sportlich und regional betrachtet ein riesiger Erfolg für die hiesige Leichtathletik. Über 200 Kampfrichter, ehrenamtliche Mitarbeiter und Helfer leisteten an den drei Veranstaltungstagen Ende Juli 2018 Großartiges. Die Gäste aus ganz Deutschland lobten dabei auch insbesondere die Begeisterung und Stimmung bei den Titelkämpfen.

Engagierte Sportfreunde aus unseren Leichtathletik-Vereinen trugen dazu bei, dass diese Titelkämpfe eine hervorragende Werbung für die Leichtathletik in M-V wurden. Die jungen Leichtathletinnen und Leichtathleten aus M-V sorgten zudem aus sportlicher Sicht dafür, dass unser Bundesland wieder als eine Hochburg der Leichtathletik wahrgenommen wurde. Neunmal Edelmetall erkämpften unsere Starterinnen und Starter. Dazu konnten weitere 20 Finalplätze verzeichnet werden. Eine großartige Bilanz.

Goldmedaillen für M-V erkämpften Malte Propp (TC Fiko Rostock) über 5.000 Meter (U20), Tim Ader (SC Neubrandenburg) im Diskuswerfen (U20) und Timo Liedemit (1. LAV Rostock) über 800 Meter (U18) sowie Dovile Scheutzow (Schweriner SC) im Stabhochsprung, Mara Häusler im Dreisprung und Julia Ulbricht (beide 1.LAV Rostock) im Speerwerfen. Silber holte Chima Ihenetu im Hochsprung (U20). Jeweils Bronze erreichten Martha Gettel über 400 Meter (U18) und Janika Baarck (beide SC Neubrandenburg) im Weitsprung.

Frage: Auch bei den Nachwuchs-EM und -WM 2018 starteten Athletinnen und Athleten aus M-V. Wie lautet Ihr Resümee zu diesen internationalen Meisterschaften?

Prof. Dr. Kristin Behrens: Es ist Klasse, dass ein ambitioniertes Sextett unser Bundesland in Györ und in Tampere sehr gut vertreten konnte. Bei den U 18-EM in Györ nahmen Cheyenne Kuhn (SC Neubrandenburg, Sprint) und Erik Marquardt (SC Neubrandenburg, Diskuswerfen) teil. Bei ihrer ersten internationalen Meisterschaft wurde Cheyenne Fünfzehnte und Erik Elfter. Ich denke, ein sehr guter internationaler Einstand für das Duo.

Bei den U 20-Leichtathletik-WM in Tampere startete für M-V ein Quartett. Luca Meinke (Schweriner SC) wurde mit persönlicher Bestleistung und Landesrekord (bisher gehalten von Gerd Wessig) Fünfter im Hochsprung, Tim Ader (SC Neubrandenburg) Vierter im Diskuswerfen, Dovile Scheutzow (Schweriner SC) Sechzehnte im Stabhochspringen und Julia Ulbricht (1.LAV Rostock) Achtzehnte im Speerwerfen. Alle vier Genannten haben ein vielversprechendes Potenzial, das für die Zukunft hoffen läßt.

Großartig präsentierte sich in diesem Leichtathletik-Sommer zudem die frühere U 20-Vizeweltmeisterin im Weitsprung Sophie Weißenberg, Jahrgang 1997, vom SC Neubrandenburg. Sie gewann den renommierten Thorpe-Cup in Knoxville (USA) mit 6165 Punkten im Siebenkampf, wobei sie ihre persönliche Bestleistung um mehr als 400 Punkte steigerte.

Frage: Bei den EM vom 6. bis 12. August in Berlin war auch ein Duo aus MV dabei. Kurz ein paar Worte zu den beiden…

Das deutsche Frauen-Diskus-Trio bei den EM in Berlin 2018 im Interview: Nadine Müller (Platz zwei), Shanice Craft (Platz drei) und Claudine Vita (SCN, Platz vier). Foto: Behrens/Privat

Prof. Dr. Kristin Behrens: Sowohl Tom Gröschel, Jahrgang 1991, von FIKO Rostock als auch Claudine Vita, Jahrgang 1996, vom SC Neubrandenburg konnten die ganze Freiluft-Saison mit tollen Leistungen überzeugen. Tom Gröschel wurde Deutscher Meister im Marathonlauf 2018 und Claudine Vita triumphierte im Diskuswerfen beim Leichtathletik-Weltcup 2018 in London. Schade, dass Kugelstoßer Patrick Müller (SC Neubrandenburg), der bei den deutschen Elite-Meisterschaften 2018 Zweiter wurde, die EM in Berlin verpasste. Aber auch er hat gute Perspektiven für kommende Events.

Bei den EM in Berlin, die ein echtes Highlight waren, überzeugten dann sowohl Claudine als auch Tom. Vor den Leistungen der beiden kann man nur den Hut ziehen. Der Marathonlauf fand unter schwierigen, sehr selektiven Bedingungen statt, umso erfreulicher, dass Tom eine äußerst starke Leistung zeigte und einen sehr guten elften Rang belegen konnte. An der Strecke waren ja auch viele Leichtathletik-Fans aus M-V, die ihn anfeuerten. Und im Wettkampf war mit Philipp Baar, jetzt ART Düsseldorf, auch ein ehemaliger Leichtathlet des Schweriner SC.

Schade, dass Claudine die schon fast sicher geglaubte Bronzemedaille im sechsten und letzten Durchgang noch verlor und letztendlich einen dennoch ausgezeichneten vierten Rang bei der Diskuswurf-Konkurrenz vor der atemberaubenden Kulisse von 60.000 Zuschauern im Olympiastadion in Berlin belegte. Sie hat aber wie Tom eine große Perspektive.

Frage: Mit wie vielen Leichtathlet_innen aus M-V rechnen Sie bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokyo?

Tom Gröschel (Fiko Rostock / Bild-Mitte) wurde hervorragender EM-Elfter im Marathonlauf. Foto: Behrens/privat

Prof. Dr. Kristin Behrens: Wir gehen zum gegenwärtigen Zeitpunkt von zumindest vier Leichtathletinnen und Leichtathleten aus, die in Tokyo 2020 dabei sein könnten, so Diskuswerferin Claudine Vita (SC Neubrandenburg), Siebenkämpferin Sophie Weißenberg (SC Neubrandenburg), Kugelstoßer Patrick Müller (SC Neubrandenburg) und Marathonläufer Tom Gröschel (Fiko Rostock). Auch Hochspringer Luca Meinke (Schweriner SC) kann durchaus um die Olympia-Tickets 2020 mit springen.

Letzte Frage: Wie viele Aktive gibt es eigentlich im Land?

Prof. Dr. Kristin Behrens: Es gibt gegenwärtig 5.844 aktive Leichtathletinnen und Leichtathleten in 84 Vereinen in Mecklenburg-Vorpommern.

Vielen Dank und weiterhin bestes Engagement für die Leichtathletik

M.Michels

Zur Info:

Nach den Leichtathletik-EM für Athleten ohne Handicaps finden vom 20.August 2018 bis 26.August 2018 die Para-Leichtathletik-EM für Athleten mit Handicaps ebenfalls in Berlin statt.