Erste Olympia-Medaille für Deutschland 2012

Die Ergebnisse – nicht nur bei den Fechtern – liegen weit hinter den Erwartungen zurück. Heißt es offiziell. Hieß es offiziell. Bis zum Abend des 30.Juli 2012 …

Doch: Wessen Erwartungen?! Dass auch in anderen Ländern hervorragend gefochten, geschwommen, gelaufen, gerungen, geboxt, geritten, Ball gespielt, Rad gefahren, Gewichte gehoben oder geschossen wird, sollte sich auch bei Sportpolitikern, Sportfunktionären oder Sportjournalisten herumgesprochen haben. Aber die haben ihren Fokus ja stets auf Fußbälle, starke PS oder Profi-Boxhandschuhe gerichtet.

Nun war der olympische Auftakt – zugegeben – aus deutscher Sicht suboptimal. Übersehen wird jedoch, dass die Erfolgssportarten Rudern, Kanu-Rennsport, Leichtathletik (Stoß- und Wurf-Bereich), Reitsport, Feldhockey, Triathlon, Moderner Fünfkampf oder spezielle Erfolgstypen, wie zum Beispiel Matthias Steiner (Gewichtheben), Fabian Hambüchen (Reck) oder Ringen (Frank Stäbler), erst noch ihre olympischen Auftritte haben werden.

Nun gab es am 30.Juli endlich „den olympischen Befreiungsschlag“ von Degen-Fechterin Britta Heidemann, die Deutschland das erste olympische Edelmetall in London 2012 bescherte, den Fluch der germanischen Medaillen-Abstinenz abwendete – und das mit Nervenstärke pur. Unglaublich, wie sie bei den knappen Gefechten in London die Nerven behielt, das Gefecht gegen die Koreanerin Shin A-Lam wird in die Sport-Geschichtsbücher eingehen. Dass es im Finale nicht ganz zu Gold reichte … Hey, man kann nicht immer siegen!

Sportive Frauen voller Power

Wieder einmal musste eine Frau ran, um etwas „zu reißen“ – in diesem Fall bei Olympia.
Es wird ja immer noch – und auch zu Recht (oder mitunter auch nicht) – allerorten von „Power-Frauen“ gesprochen. Vom neuen deutschen Fräulein-Wunder. Von: Mehr Frauen an die Macht!

Tja, als ob das alles so einfach wäre und „Frauen in Führungspositionen“ ein Garantieschein für mehr Aufrichtigkeit, Effizienz und einem besseren Miteinander in Politik, Kultur, Gesellschaft oder im Sport wären.

Ein nicht zu bestreitender Fakt ist allerdings, dass die „Frauen von heute“ den Herren im Hochleistungssport – gerade in Deutschland – zunehmend den Rang ablaufen. Ob Maria Riesch, Viktoria Rebensburg, Tatjana Hüfner, Amelie Kober, Andrea Schöpp, Magdalena Neuner, Anja Huber, Verena Bentele, Andrea Rothfuss, Evi Sachenbacher und Jenny Wolf im Wintersport oder Lena Schöneborn, Janne Friederike Meyer, Andrea Petkovic, Fatmire Bajramaj, Verena Sailer, Angelina Grün, Angela Maurer, Christine Theiss, Vanessa Low,
oder Britta Heidemann in den „sommerlichen Sportarten“ – irgendwie scheint es mit dem deutschen sportiven Fräulein-Wunder zu stimmen.

Britta Heidemann – mehr als nur Fechterin

Britta Heidemann ist eines der sportlichen Aushängeschilder. Britta wurde in jenem Jahr geboren, als Deutschlands Fußball-Herren hinter Italien Vize-Weltmeister wurden, und sie gewann olympisches Gold in dem Jahr, als Deutschlands Fußballer den Vize-Europameister-Titel hinter Spanien holten. Werden also Deutschlands Fußballer Vize gibt es die goldenen Momente für Britta … Nun gab es für die deutschen Fußball-Herren bei der EURO nur Bronze, klar, dass so letztendlich Silber für Britta folgen musste. Das ist eben „das Gesetz der linearen Serie“ …

Aber ernsthaft: Seit sich die Kölnerin dem Fechtsport endgültig zuwandte, seit Ende 2000, räumte sie in den Folgejahren mit dem Degen alles ab, was es auf der Planche zu gewinnen gab. Zwischen der Vize-Junioren-Weltmeisterschaft und der Vize-Weltmeisterschaft 2010 mit dem Team liegen internationale Medaillen-Gewinne nonstop, darunter Olympia-, WM- und EM-Gold.

Aber die anmutige Dame aus der Dom-Stadt hat natürlich auch ungemein viele sportliche Gene. Sie war vor ihrer Fecht-Karriere Leichtathletin, Schwimmerin und Moderne Fünfkämpferin, zu dem sie über den Friesenkampf gekommen sein soll.

Eine Britta H. war, ist und wird auch immer in Bewegung bleiben.

Sie hat nicht nur Muskeln und Sportivität zu bieten, auch ihr Intellekt ist Medaillen-verdächtig. Sie ist eine polyglotte Athletin, studierte BWL/Chinesische Regionalwissenschaften, konnte schon berufspraktische Erfahrungen bei Großkonzernen erwerben, ist ständig in China, engagiert sich sozial, schreibt auch Bücher „Erfolg ist eine Frage der Haltung“), und, und, und …

Britta Heidemann ist ein Phänomen!

Marko Michels