Schießsport-Trainer Karsten Beth (OSP Frankfurt/Oder / Heiligendammer Schützengilde) im Gespräch über den schützensportlichen Start 2018, die bisherigen Wettkämpfe, die sportlichen Ziele seiner Schützlinge, die Planungen mit Blickrichtung Olympia 2020 und den Zuspruch der deutschen Sporttalente zum Schützensport

Frage: Der Schützensport steht vor einigen sportlichen Höhepunkten. Wie ist die Lage aktuell?

Karsten Beth: Unser Jahr ist in vollem Gange und wir haben viele Lehrgänge und dezentrale Trainingsmaßnahmen mit den Sportschützinnen und Sportschützen bis dato durchgeführt. Einen besonderen Schwerpunkt bildete das Grundlagen-Training und die Vervollkommnung des Materials. Eine immer wiederkehrendes Ritual im jeweils neuen beginnenden Wettkampf-Jahr.

Frage: Wie verlief das Schützen-Jahr 2018 bislang aus deutscher Sicht?

Karsten Beth: Die Wettkampfsaison haben wir im April mit Qualifikationswettkämpfen bei den ersten internationalen Einsätzen gestartet. Zum ersten Weltcup in Korea waren meine Schützinnen Katrin Quooß bzw. Sarah Bindrich und dazu der Sportschütze Andreas Löw gesetzt, weil alle drei eine erfolgreiche Saison 2017 bestritten haben.

In Korea selbst, war insbesondere für Katrin die Zielstellung Platz eins bis acht zu erreichen, um sich für das Spitzen-Team „Top Team Tokio“ zu qualifizieren. Mit dem erreichten Platz acht  hat sie die  Minimal-Zielstellung erfüllt und konnte sich vorzeitig für die Weltcups auf Malta bzw. in den USA sowie für die Europameisterschaften qualifizieren. Der Skeet-Schütze Tilo Fritze nutze beim Quali-Wettkampf in Suhl die Chance und qualifizierte sich ebenfalls für den Weltcup auf Malta.

Sportschießen – Symbolfoto

Frage: Was sind die Ziele Ihrer Schützlinge für die Highlights dieses Jahres?

Karsten Beth: Der Jahreshöhepunkt bei den Juniorinnen bzw. Junioren sind die EM in Leoberstorf in Österreich und für die Damen bzw. Herren die WM in Korea, bei denen dann die ersten Teilnahme-Plätze für Olympia 2020 in Tokio erreicht werden können.

Frage: Bis dahin sind es noch zwei Jahre. Wie laufen derzeit die Planungen vor den Höhepunkten 2018?

Karsten Beth: Der Deutsche Schützen-Bund (DSB) hat zunächst sehr gründlich mit seinen Bundestrainern den Rahmentrainingsplan und die Heimtrainer mit ihren Schützinnen bzw. ihren Schützen dann die individuellen Trainingspläne erarbeitet. Nach diesen Trainingsplänen wird nun gehandelt und ich bin zuversichtlich, dass wir einen Teil der Zielstellungen auch erreichen werden. Aber Vorschusslorbeeren gibt es aus meinem Munde natürlich nicht. Mitte September wissen wir dann alle mehr.

Frage: Wie ist eigentlich Ihre Meinung zum Stellenwert des Schützensportes in Deutschland nach den olympischen Erfolgen 2016?

Karsten Beth: Nachdem wir nun endlich eine Regierung haben und der Deutsche Olympische Sportbund reagieren kann, sehe ich den Schießsport unter den ersten fünf Plätzen im deutschen Sport, also unter den deutschen Sportarten, zumal die Medaillen bei Olympia 2016 in Rio und die folgenden Anschlussleistungen 2017 diese Annahme eindeutig unterstreichen. Ich habe ein gutes Gefühl in puncto künftige Erfolgsaussichten der deutschen Sportschützinnen und -schützen. „Gerade eben“ bin ich aus Wiesbaden, aus der DSB-Hauptgeschäftsstelle, zurück und die Ampeln stehen zwischen „Gelb und Grün – mit Tendenz zu Grün“.

Frage: Und wie steht es um den Zuspruch der deutschen Sport-Talente zum Sportschießen?

Karsten Beth: Es schlummern sicherlich ganz viele Talente in Deutschland. Diese zu finden wird nicht leichter, da jede Sportart auch kommerziell betrieben werden kann. Zudem muss man keinem Verein angehören, um sich einmal auszutoben. Sicherlich gibt es den Einen oder Anderen, welcher sich mit dem  Sportschießen nicht identifizieren möchte, aber derzeit können wir kein schwindendes Interesse bei den vorhandenen Talenten am Sportschießen feststellen. Erst am letzten Wochenende fand die Jugendverbandsrunde der Flinten-Schützinnen bzw. -Schützen statt. Mit 101 Teilnehmerinnen bzw. Teilnehmern wurde ein neuer Rekord erreicht und dieses spricht für sich.

Ich gehe zwar eindeutig mit, dass die Quantität höher als die Qualität bei diesen Teilnehmern war, wie einige meinten, aber unter diesen jungen Sportschützen sind diejenigen, welche sich in Richtung Olympia 2024 und Olympia 2028 anbieten werden.

… Wenn entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden, dann sollten wir auch mit diesen Talenten erfolgreich sein.

Vielen Dank und weiterhin maximale Erfolge!


Olympische Schießsport-Tradition für M-V

Der erste Sportschütze aus Mecklenburg-Vorpommern bei Olympischen Spielen war der gebürtige Rüganer Heinz Kramer aus Binzerheide, der bei den Spielen 1960 in Rom im Trap den 22. Rang belegte. Drei Jahre später bei, den EM 1963, wurde er Europameister.

Olympia-Gold für den deutschen Nordosten gab es 1976 in Montreal dann gleich zweimal – für die gebürtigen Wittenberger Uwe Potteck mit der Freien Pistole und Norbert Klaar mit der Schnellfeuerpistole.

In Seoul 1988 triumphierte der gebürtige Demminer Axel Wegner im Skeet-Schießen. Schon bei den „Wettkämpfen der Freundschaft“ 1984 hatte er dort zusammen mit Bernhard Hochwald (Schöneiche) Platz eins belegt. In den Jahren 1992, 1996, 2004 und 2008 nahm Axel Wegner an weiteren olympischen Schützen-Wettkämpfen teil.

M.Michels