29 Weltcup-Konkurrenzen im Wintersport zum Januar-Finale 2018

Symbolbild – Skilanglauf

Nur noch 12 Tage bis zu den 23.Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang, zu denen Deutschland 154 Aktive entsenden wird. Am letzten Januar-Wochenende 2018 (26.1.-28.1.) gab es für die Skisportlerinnen bzw. Skisportler, Snowboarderinnen bzw. Snowboarder und Rodlerinnen bzw. Rodler noch einmal letzte bzw. vorletzte internationale Härtetest vor Olympia bei den diversen Weltcup-Konkurrenzen. So wurden insgesamt 29 Weltcup-Entscheidungen zum Januar-Finale 2018 ausgetragen.

Zwischen Skispringen und Skisport-Alpin

Im Skispringen waren die Herren in Zakopane und die Damen in Ljubno gefordert, wobei sich die Erfolge im Teamspringen der Herren die polnische Mannschaft um Kamil Stoch (Zweiter: Deutschland mit Richard Freitag, Andreas Wellinger, Stephan Leyhe bzw. Markus Eisenbichler), im Einzelspringen der Herren-Einzel Anze Semenic (Slowenien, Zweiter: Andreas Wellinger), im ersten Einzelspringen der Damen Maren Lundby (Norwegen, Zweite: Katharina Althaus) und im zweiten Einzelspringen der Damen Daniela Iraschko-Stolz (Österreich, Dritte: Katharina Althaus) sicherten.

Bei den Alpinen mußten in die Herren in Garmisch-Partenkirchen und die Damen in Lenzerheide ran. Die Siegerinnen bzw. Sieger waren in der Herren-Abfahrt Beat Feuz (Schweiz), im Herren-Riesenslalom Marcel Hirscher (Österreich), in der Damen-Kombination Wendy Holdener (Schweiz), im Damen-Riesenslalom Tessa Worley (Frankreich, Zweite: Viktoria Rebensburg) und im Damen-Slalom Petra Vlhova (Slowakei).

Von der Nordischen Kombination zum Snowboarden

Drei Einzel-Weltcup-Entscheidungen hatten die Nordischen Kombinierer in Seefeld zu meistern. Jubeln durfte dort dreimal Akito Watanabe (erster Wettkampf: Dritter Fabian Rießle, zweiter Wettkampf: Zweiter Vinzenz Geiger, dritter Wettkampf: Dritter Fabian Rießle).

In Bansko, beim Weltcup im Snowboarden, wetteiferten die Damen und die Herren in jeweils zwei Entscheidungen im Parallel-Riesenslalom und in jeweils einer Entscheidung im Snowboard-Cross. Den erste Parallel-Riesenslalom bei den Damen und Herren gingen an Ester Ledecka (Tschechien) vor den beiden deutschen Mädels Selina Jörg bzw. Ramona Theresia Hofmeister und bei den Herren an Jasey-Jay Anderson (Kanada).

Der zweite „PSL“ war „eine Angelegenheit“ für Julia Dujmovits (Österreich, Zweite: Ramona Theresia Hofmeister, Dritte: Selina Jörg) bei den Damen und für Nevin Galmarini (Schweiz) bei den Herren. Im Snowboard-Cross jubelten die Französin Charlotte Bankes und ihr Landsmann Pierre Vaultier.

Skilangläufer in Seefeld gefordert

Die Skilangläuferinnen und Skilangläufer durften sich, wie die Nordischen Kombinierer, in Seefeld um Weltcup-Punkte bemühen. Vier Entscheidungen standen auf der Agenda – die Erfolge errangen in den klassischen Einzelsprints zeitgleich Sophie Caldwell (USA) bzw. Laurien van der Graaff (Schweiz) bei den Frauen sowie Johannes Hosflot Klaebo (Norwegen) bei den Herren und in den Massenstarts (10 Kilometer klassisch bei den Frauen) bzw. (15 Kilometer klassisch bei den Herren) Jessica Diggins (USA) bzw. Dario Cologna (Schweiz).

Mit dem Rennrodel in Shigulda unterwegs

Und im Rennrodeln in Shigulda (zugleich EM 2018) wurden sieben Goldmedaillen vergeben – im Damen-Einsitzer sowie im Damen-Sprint an Tatjana Iwanowa (Russland, jeweils Zweite: Natalie Geisenberger), im Herren-Einsitzer an Semen Pawlitschenko (Russland, Zweiter: Felix Loch). im Herren Sprint an Roman Repilow (Russland, Dritter: Felix Loch), im Doppelsitzer-Sprint bzw. im Doppelsitzer an Toni Eggert/Sascha Benecken (Doppelsitzer-Dritte: Tobias Wendl/Tobias Arlt) und in der Team-Staffel an Russland (Zweiter: Deutschland mit Natalie Geisenberger, Felix Loch und Toni Eggert/Sascha Benecken).

Die deutschen Wintersport-Asse sind – kompakt betrachtet – für Winter-Olympia 2018 gut gerüstet…

Am ersten Februar-Wochenende 2018, nicht einmal mehr sieben Tage vor Pyeongchang, haben dann die Skispringer in Willingen, die Snowboard-Crosserinnen bzw. Snowboard-Crosser in Feldberg, die Alpin-Damen in Garmisch-Partenkirchen (Sprint-Abfahrt, Abfahrt) und die Nordischen Kombinierer in Hakuba noch einmal Weltcup-Einsätze. Am 30.Januar wird ebenfalls ein City-Event im Alpinen Skisport für die Frauen und Herren veranstaltet.

 


 

Skisportliches Kalenderblatt vom 27. Juli 2010 / Beitrag von rostock-sport.de

Deutsche Ski-Asse zu Gast in Mecklenburg / Sommer-Training im Alpincenter Hamburg-Wittenburg / Saison-Höhepunkt: Ski-WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen / Training statt „Apres-Ski Party“ für DSV-Elite / Sogar mecklenburgischer Boxtrainer nebst Anhang im Wittenburger Schnee-Gestöber

Winter-Olympia-Feeling auch in M-V?! Blick in die Skihalle in Wittenburg (M-V). Foto: M.M.

Die Skihalle des “alpincenters Hamburg-Wittenburg” ist mittlerweile ein absolutes Muß für internationale und nationale Ski-Stars bei deren Saison-Vorbereitung. Auch in diesem Sommer meldeten sich wieder viele Top-Athletinnen und –Athleten zum Training in der Halle im mecklenburgischen Wittenburg an, so aus Österreich, Italien, Bulgarien, Russland, Finnland, der Schweiz, Schweden, Liechtenstein und natürlich aus Deutschland. Mehr als 150 angemeldete Teams bedeuteten dabei einen neuen Rekord. Ende Juli trainierten hier auch die deutschen alpinen Ski-Asse um die Olympiasiegerinnen Maria Riesch sowie Viktoria Rebensburg.

Maria Riesch, der neue deutsche Sport-Star

Maria Riesch – manche nennen sie das alpine „Steh-auf-Frauchen“, die anderen das größte Alpin-Talent der ganzen Welt und für andere wiederum ist sie die Verkörperung sportlicher Leidenschaft gepaart mit unermüdlichem Kampfgeist. Was für Rückschläge in der Vergangenheit: Kreuzbandrisse, spektakuläre Stürze, vermeintlich übermächtige Konkurrentinnen mit bestem Material. Durch nichts und niemanden ließ sich Maria Riesch, die vielseitigste Alpine auf diesem Planeten, jedoch beeindrucken.

Kritik? Wird nur zur Kenntnis genommen, wenn diese konstruktiv ist! Material: Wichtig, aber am Ende entscheidet noch immer die menschliche Leistung! Freundschaftsdienste? Nur außerhalb des Wettkampfes! Softe Entschuldigungen für suboptimale Ergebnisse? Dann schon eher knallharte Selbstkritik. Maria Riesch ist eben die Kämpferin in der deutschen Sport-Szene. Sie wirkt mitunter hart und unerbittlich. Auch gegen sich selbst. Sie ist nicht das „liebe sportive Mädel von nebenan“. Sie hat „Ecken und Kanten“ und muß daher – logischerweise – bisweilen auch anecken, ob bei Funktionären, Presse-Vertretern oder bei der Konkurrenz.

In einer Zeit der stromlinienförmigen, durchgestylten Typen in Politik und Gesellschaft hebt sie sich wohltuend ab – das macht sie, neben ihrem begnadeten Talent für den Skisport, so einzigartig. Mitunter kann eine Maria Riesch irritieren. Zum Beispiel, wenn sie sagt: „Als Spitzen-Sportlerin musst du eine Egoistin sein!“. Das hört sich, auf „hartem Bayrisch“ ganz kompromisslos an. Ist es aber auch so? … Im Wettkampf, in dem es um winzigste Zeitabstände geht, um Medaillen und ebenfalls um Prämien sicherlich. Aber es gibt für Maria Riesch ja auch ein Leben neben den Pisten. Sie engagiert sich für den Nachwuchsbereich, kümmert sich um Projekte für Kinder, ist Olympia-Botschafterin 2018.

Sie ist dabei in der Tat die Vertreterin eines neuen Deutschland. Sie lebt die Weltoffenheit, die mitunter nur in technokratischem Politiker-Jargon beschworen wird, tatsächlich. Sie lässt sich in keine Schublade stecken. Maria R. mit Laptop und Lederhose? Vorstellbar. Aber noch besser im Dirndl und noch viel besser im „kleinen Schwarzen“ – und am besten (leider versteckt im Rennanzug) auf den Ski-Hängen und –Pisten dieser Welt.

Dabei gab es im alpinen Ski-Winter 2009/10 eine wahre „Achterbahn-Fahrt“ der Gefühle für das „Madl“ aus Garmisch-Partenkirchen. Super Leistungen und solche, die man am besten gleich wieder aus dem Gedächtnis löscht, wechselten miteinander ab. Aber wie heißt es noch immer so treffend „Erst am Ende wird abgerechnet !“. Das war in der Weltcup-Saison so, als sie letztendlich doch die „Kugel“ für den Slalom holte und sogar im Gesamt-Weltcup einer Lindsey Vonn noch sehr, sehr nahe kam. Aber vor allem bleiben Marias olympische Leistungen nachhaltig im Gedächtnis.

Der Beginn in Whistler Mountain, der Abfahrtslauf, die vermeintliche alpine Königsdisziplin, wurde zu einem richtigen Desaster. Nichts war es an diesem 17.Februar 2010 mit dem spannenden Duell Lindsey V. versus Maria R.. Die Strecke – mörderisch. Lindsey V. – mit bester Ski-Akrobatik. Und Maria – nur auf Platz 8! Viel Häme, Kritik und Spott von Boulevard-Presse, „Skisport-Experten“ und „Skisport-Fans“. Gnadenlose Worte und letztendlich vernichtende Urteile.

Maria Riesch 2010. Foto: Deutscher Skiverband

(Fast) jede andere Spor tlerin wäre nach solcher Kritik wohl zerbrochen, hätte resigniert, ja aufgegeben. Nicht aber Maria Riesch – und das gilt am Ende auch für die nordischen Skilangläuferinnen Claudia Nystad und Evi Sachenbacher-Stehle, die Ähnliches erlebten: Sie kam innerhalb von nicht einmal 24 Stunden zurück, war motiviert bis in die Haarspitzen und hatte diesen absoluten Siegeswillen, es allen zu beweisen.

In der alpinen Kombination war sie das „alpine Maß aller Dinge“, deklassierte die Konkurrenz förmlich. Das alpine Super-Talent, das verletzungsbedingt Olympia 2006 verpasste, war wieder zurück in der Erfolgsspur. Und alle hofften: Das wird jetzt die „One-Woman-Show“ in Whistler. Doch auch Maria ist „nur“ eine Frau ;), besser ein Mensch …

Die Resultate im Super-G (8.) und im Riesenslalom (10.), hier gewann ja sensationell das bayrische Power-Girl Viktoria Rebensburg, waren zwar nicht in unmittelbarer Medaillen-Nähe, aber auch hier Edelmetall von Maria zu erwarten, wäre ganz einfach vermessen gewesen. So ist sie dennoch die erste Alpine, die alle fünf Entscheidungen mit einer „Top Ten“-Platzierung abschloss – einzigartig.

So war es auch dieses Mal: Am Abschlußtag der olympischen Damen-Konkurrenzen im alpinen Skisport zündete sie noch einmal den Turbo. In ihrer Schokoladen-Disziplin, dem Slalom, war sie bei schwierigen Witterungsverhältnissen so souverän, dass die Konkurrentinnen nur staunen konnten. Grenzenloser Jubel! Grenzenloser Jubel? Nein, den gab es an diesem 25.Februar 2010 nun auch wieder nicht. Suse, ihre Schwester, war leider ausgeschieden. Ganz sicher zumindest auf Medaillenkurs schied sie kurz vor dem Ziel aus. Unendliche Traurigkeit … Familie Riesch wieder einmal im „Wechselbad der Gefühle“. Maria, die große Siegerin, aber auch die große Schwester, musste erst einmal noch größeren Trost spenden.

Aber auch das kann sie – ganz herzlich – die Maria R., die harte Kämpferin.

Maria Riesch über ihre kommenden Ziele, Olympia 2018 und die Wittenburger Saison-Vorbereitung

„Bei den WM zuschlagen !“

Frage: Vor Olympia waren sie – nicht nur laut Presse-Meinungen – Medaillen-Kandidatin, nach der ersten Entscheidung eine Versagerin, 24 Stunden später eine Heldin und am Ende der Winterspiele die alpine Ski-Königin von Whistler …

Wie steckt man solche Beurteilungen, ja Urteile, im Positiven wie im Negativen weg. Waren Sie einerseits niedergeschlagen und anderseits, nach den Erfolgen, „stolz wie Bolle“, wie die Preußen sagen würden ? Wie verliefen die olympischen Tage – gefühlsmäßig – für Sie tatsächlich ?

Maria Höfl-Riesch 2010/Pressekonferenz in Wittenburg. (Foto: Michels)

Maria Riesch: Natürlich war ich selbst nach dem olympischen Auftakt nicht zufrieden. Ich wußte ja, welche Fehler ich gemacht hatte, und ich bin auch niemand, der dann die Schuld auf andere schiebt. Das erste Rennen war alles andere als optimal, die Konkurrentinnen nun einmal besser. Aber ich bin niemand, der deshalb verzagt.

Ich hatte ja meine Medaillen-Ziele in Whistler, wollte nach den verletzungsbedingt verpassten Winterspielen von 2006 in Turin noch etwas nachholen. Das gelang dann gleich nach der verpatzten Abfahrt in der Kombination mit Gold – damit hatte ich mir mein Ziel, meinen sportlichen Lebenstraum bereits erfüllt.

Alles, was danach kam, war eine Zugabe. Umso glücklicher war ich, dass ich dann auch im Slalom siegreich sein könnte. Die Winterspiele 2010 waren für mich ganz besondere, zum Anfang herrschte Enttäuschung, am Ende pure Freude und ausgelassenes Glücksgefühl. Von Meinungen über mich vor und während der Saison lasse ich mich ohnehin nicht ablenken. Letztendlich muß ich mich auf mich selbst, meine Leistungen und meine Rennen konzentrieren.

Frage: Sie sind auch Olympia-Botschafterin 2018 für München, Garmisch-Partenkirchen und das Berchtesgadener Land. Zuletzt gab es vor Ort, in GAP, ziemlich viel Aufruhr wegen der Olympia-Bewerbung und beabsichtigter Bauten zuungunsten der dort ansässigen Bauern. Wie beurteilen Sie diese Diskussionen ?

Maria Riesch: Einige Leute wurden zu Beginn nicht richtig informiert und involviert, man stellte sie teilweise vor vollendete Tatsachen. Da ist es schwierig, diese Personen, die so wichtig sind für die Bewerbung, wieder umzustimmen. Sicher sind da in der Vorbereitung einige Fehler gemacht worden, man hätte bereits früher direkt die persönlichen Kontakte herstellen und das Konzept zu Olympia 2018 fundiert vorstellen müssen. Alles in allem: Die Mehrheit der Bevölkerung steht zu Olympia.

Und natürlich befürworte ich als Spitzensportlerin Olympia in meiner Heimat, setze mich auch dafür engagiert ein, aber die Gespräche müssen jetzt auch konstruktiver zwischen den Verantwortlichen und Betroffenen geführt werden. Das Missbehagen Einzelner verstehe ich schon, es waren anscheinend von Anfang an Kommunikationsprobleme vorhanden.

Frage: Ihre Ziele für die Saison 2010/11 – im Weltcup und bei den WM in GAP (Garmisch-Partenkirchen) ?

Maria Riesch: Ich hatte ja bereits in den letzten beiden Jahren mit dem Weltmeistertitel 2009, den beiden Olympiasiegen 2010 und den Erfolgen im Weltcup optimale Ergebnisse. Auf diesem Niveau möchte ich mich auch weiter bewegen.

Der Gesamt-Weltcup ist jedoch nach wie vor ein großes Thema und in der einen oder anderen Disziplin möchte ich vielleicht schon auch noch die eine oder andere kleine Glaskugel gewinnen. Mein Haupt-Ziel ist es aber, bei der Heim-WM zuzuschlagen und dort bestmögliche Resultate zu erreichen.

Last but not least: Warum hat es Sie eigentlich ins Mecklenburger Land, in das „alpincenter Hamburg-Wittenburg“ verschlagen. Wollten Sie statt bayrischem auch mal den Schnee der „preußischen Flachland-Tiroler“ genießen ?

Maria Riesch: Hier sind die Bedingungen gerade für das Sommer-Training ideal. Man ist witterungsunabhängig und kann ungestört und effektiv trainieren.

 

Mit Rückenwind zur Heim-WM: Maria Riesch vor den Welt-Titelkämpfen 2011

Maria Riesch, neben Lindsey Vonn aus den USA die dominierenden Athletin im alpinen Skisport 2009/10, gehört zweifellos zu den heißen Favoritinnen auf WM-Edelmetall, ja WM-Gold, bei den WM in Val d`Isere. Doch bereits jetzt hat sich die junge Bajuwarin unauslöschbar in die Sport-Annalen eingetragen: Trotz schwerer Verletzungen, trotz herber Rückschläge gab Maria nicht auf, motivierte sich immer wieder neu und „biss“ sich durch. Allein das – eine einmalige Demonstration menschlichen Leistungswillens !

Und: Dieser unbedingte Willen wurde belohnt, auch im Sport wie im „normalen Leben“ keine Selbstverständlichkeit. Die Erfolge im gegenwärtigen alpinen Ski-Weltcup sind bester Beweis dafür, dass es sich lohnt, seine Ziele mit Leidenschaft und Power zu verfolgen.

In der Vergangenheit gab es zwar eine Reihe herausragender deutscher Skisportlerinnen, z.B. Christl Cranz, Heidi Biebl, Maria und Irene Epple, Rosi Mittermaier, Christa Kinshofer, Katja Seizinger, Martina Ertl, Miriam Vogt oder Hilde Gerg, die aus deutscher Sicht WM-Geschichte schrieben, aber keine Skisportlerin sorgte – und das schon in ganz jungen Jahren – für so viel Emotionen wie die Partenkirchenerin.

Wer ihre schwere Verletzung im Dezember 2005 live erlebte und die damit verbundene verpasste Olympia-Chance in Turin, der fühlte ungemein mit, dem zerriss es förmlich das Sportler-Herz. Umso erstaunlicher und vorbildlicher ihr Einsatz für ihr Comeback. Insbesondere in dieser Saison entwickelte Maria Riesch nochmals ein „ganz spezielles Gespür für Schnee“, feierte Weltcup-Siege und liefert sich mit ihrer Freundin Lindsay Vonn aus den Vereinigten Staaten ein packendes Duell um den Gesamt-Weltcup.

Vor dem unmittelbaren Start in einen Wettkampf ist die 1,83 Meter große Maria übrigens sehr konzentriert, denkt an schwierige Passagen. Gedanken, dass es sie vielleicht „raushauen“ könnte, verdrängt Maria aber schnell und vertraut ihren sehr guten skisportlichen Qualitäten.
Ihre atemberaubenden Erfolge bei den Olympischen Winterspielen 2010 – Gold in der Kombination und Gold auch im Slalom – in Vancouver/Whistler bleiben ebenso nachhaltig wie ihre Duelle mit US-Girl Lindsey Vonn um den Gesamt-Weltcup.

Mit viel Rückenwind kann Maria, aber auch die anderen deutschen Ski-Damen, so Susanne Riesch, Marias Schwester und ein begnadetes Slalom-Ass, Viktoria Rebensburg, die Riesenslalom-Olympiasiegerin 2010, und Kathrin Hölzl, die Riesenslalom-Weltmeisterin 2009, bei den WM „vor der eigenen Haustür“, in Garmisch-Partenkirchen, starten.

Steckbrief – Maria Riesch

Geburtsjahr: 1984 – Verein: SC Partenkirchen – aktiv seit: 1987 (!) – Größe/Gewicht: 1,81 m/73 kg – Freizeit: Radfahren, Tennis – Erfolge (Auswahl WM/Olympia): Junioren-Weltmeisterschaften 2001-04 – 5 x Gold, 2 x Silber, 2 x Bronze, Weltcup-Debüt 2001 / Weltmeisterschafts-Teilnahmen 2003/2007 (Beste Platzierungen jeweils in der Kombination – 2003: 5. / – 2007: 7.) / 2009: Weltmeisterin im Slalom / Olympiasiegerin 2010 in der Kombination und im Slalom



 

Nachgefragt bei: Viktoria Rebensburg, Jahrgang 1989, dreifache Junioren-Weltmeisterin, Olympiasiegerin im Riesenslalom 2010, Verein: SC Kreuth

„Die Rennen gehen aber weiter …“

Frage: Sie haben in Whistler „Historisches“ geleistet. Sie holten nach 54 Jahren – nach Rosi „Ossi“ Reichert 1956 – wieder Riesenslalom-Gold für Deutschland. Wie lebt es sich als „historische Olympiasiegerin“ ? Werden Sie nun nonstop „verwöhnt“ ?

Viktoria Rebensburg (Dritte von links) mit den Riesch-Schwestern und Fanny Chmelar 2010 in der MV-Skihalle in Wittenburg. (Foto: Michels)

Viktoria: Ach, das Historische war für mich gar nicht so wichtig. Ich wollte aber im zweiten Lauf noch einmal volles Risiko gehen und angreifen. Ich habe schon Vollgas gegeben, sonst ist man nicht erfolgreich. Für mich war der Olympiasieg, der absolute Wahnsinn, aber die Rennen gehen weiter und ich möchte natürlich auch in der kommenden Saison 2010/11 erfolgreich bleiben, noch vorhandene Fehler oder Defizite korrigieren. Aber den Olympiasieg, den habe ich natürlich mittlerweile ganz klar realisiert …

– Statement von Kathrin Hölzl, Jahrgang 1984, Weltmeisterin im Riesenslalom 2009, Verein: WSV Bischofswiesen, zur letzten und zur kommenden Saison

„Gewinn der kleinen Kugel mehr als eine Entschädigung …“

Kathrin: Die Saison 2009/10 war im Rückblick für mich schon eine sehr erfolgreiche, auch wenn es nach dem WM-Gold 2009 im Riesenslalom mit einer erhofften Medaille in der olympischen Entscheidung leider nicht klappte. Es wurde aber immerhin der sechste Rang. Der Gewinn der kleinen Kristall-Kugel war aber mehr als eine Entschädigung für das entgangene olympische Edelmetall für mich. Damit habe ich bewiesen, dass der Weltmeistertitel im letzten Jahre keineswegs eine „Eintagsfliege“ war. Bei allen Riesenslaloms des Weltcups 2009/10 bin ich unter die Top Ten gefahren, dabei glückten zwei Weltcupsiege. Nun gehe ich mit viel Optimismus in die kommende Saison mit den Weltmeisterschaften in Garmisch-Partenkirchen.

– Statement von Marias Schwester Susanne, Jahrgang 1987, zweifache Slalom-Weltcup-Dritte, Verein: Skiklub Partenkirchen

„Maria ist schon ein guter Maßstab …“

Susanne: Maria ist schon ein guter Maßstab. Sie ist schon die Beste in der Mannschaft. Aber andere fahren auch gut. Es ist allerdings auch nicht so, dass ich mich nur an der Maria orientiere, denn sie hat ja letztendlich auch mal schlechtere Tage und wenn ich dann schneller sein sollte, bin ich nicht unglücklich … Und noch besser ist es dann, wenn ich ganz oben auf dem Podium stehen kann. Aber um Längen besser ist es, wenn wir beide auf dem Stockerl sind. Das macht dann – wie in Are 2009 – schon sehr stolz. Und möglichst einige Wiederholungen in der kommenden Saison wären optimal – insbesondere bei der WM zu Hause.

 

Auf „Exkurs“ – Mecklenburgs Box-Trainer Uwe Fox im winterlichen Geschehen

„Nicht nur mit Box-Handschuhen vertraut – auch mit Skiern …“

Frage: Herr Fox, sind Sie ein Box-Trainer auf Abwegen: Statt im Box-Ring nun auf der Ski-Piste. Welchen „Kontakt“ hatten Sie denn bisher zu Eis und Schnee ?

Uwe Fox mit seiner Ehefrau Marion in Wittenburg 2010. Foto: M.M.

Uwe Fox: Bisher nur die allerbesten Kontakte. Ich hatte ja während meines sportwissenschaftlichen Studiums an der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig sowohl eine fundierte theoretische als auch praktische Ausbildung. Daher bin ich – trotz meiner Präferenz für den Boxsport – durchaus auch mit Skiern mehr als gut vertraut.

Im Winter-Urlaub teste ich meine Fähigkeit auf der Loipe immer wieder. Übrigens: Während der Studien absolvierten wir regelmäßig ein winterliches Konditionstrainingslager in Bärenfels im Erzgebirge. Das dauerte immer drei Wochen und war sehr effektiv.

Frage: Sie konnten in Wittenburg, wie andere mecklenburgische Ski-Fans, Maria Riesch & Co. live erleben. Was zeichnet eine Maria Riesch – zum Beispiel – aus ?

Uwe Fox: Maria Riesch ist für mich eine Sportlerin, die leistungsorientiert ist, sich von Rückschlägen nie entmutigen läßt und auch bei Niederlagen nicht irgendwelche Ausreden sucht. Sie ist sehr selbstkritisch und blieb auch nach ihren großen Erfolgen bei den WM 2009 als sie Gold im Slalom gewann und erst recht nach ihren beiden Olympiasiegen 2010 in der Kombination sowie im Slalom dennoch eine bodenständige, natürliche und sympathische Athletin.

Maria ist eine Vollblut-Sportlerin mit viel Herz und Verstand, ein echtes Vorbild für den Nachwuchs – nicht nur im Skisport. Auch unsere anderen Ski-Damen, wie Viktoria Rebensburg, Susanne Riesch oder Kathrin Hölzl, ja das gesamte Team, stehen für den skisportlichen Aufschwung, den Deutschland gerade erfährt.

Anmerkung: Bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi erkämpfte Viktoria Rebensburg noch eine Bronzemedaille im Riesenslalom und startet auch bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang. Maria Höfl-Riesch schaffte in Sotschi 2014 wieder Kombinations-Gold und zusätzlich Silber im Super-G. Nach Sotschi trat Maria zurück.

 

Text und Interviews (Archiv): Marko Michels