Im Gespräch mit Short Trackerin Bianca Walter

Die Short Track-Saison 2018/19 ist inzwischen beendet. Die internationalen Höhepunkte waren neben der Weltcup-Serie klar die EM im Januar und die WM Ende Februar. Beim Weltcup am 2./3. Februar in Dresden konnte endlich auch wieder Bianca Walter vom Dresdner EV am Wettkampf-Geschehen teilnehmen. Bis dahin musste die 29-Jährige wegen einer Knie-Op pausieren.

Bianca Walter während der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang 2018 (Foto: privat)

Frage: Frau Walter, die nacholympische Saison war für Sie insbesondere von den Folgen einer Knie-OP geprägt… Wie verlief der Genesungs- und Reha-Prozess? Ist wieder alles in Ordnung?

Bianca Walter: Meine letzte Saison verlief tatsächlich alles andere als „nach Plan“. Nach meinem erfüllten Olympia-Traum im Februar 2018 ging für mich leider eine Reihe von körperlichen Beschwerden los. Beginnend mit einer Knie-Operation im Sommer 2018, kurz gefolgt von einem Innenbandanriss im anderen Knie, und von Februar bis Ende der Saison hatte ich noch mit wochenlangen Rückenschmerzen zu tun. Es war ein langer schwieriger Weg zurück ins normale Training, auch psychisch.

Vor allem meine Physios, Ärzte, mein Freund und meine Familie haben mich sehr unterstützt und motiviert, nicht aufzugeben. Jetzt kann ich nach kurzer Trainingspause und Urlaub endlich wieder alles beschwerdefrei machen und das vielfältige Training tut mir wirklich gut! Natürlich gibt’s immer mal „Wehwechen“, aber das wird wohl auch am Alter liegen…

Frage: Wann konnten Sie wieder so richtig trainieren?

Bianca Walter: Das war leider durch erneute Verletzungen immer wieder unterbrochen. Der Aufbau nach einer Verletzung dauert immer lang, bis man wieder alles an Trainingsinhalten mitmachen kann: Sei es Kraft-, Sprung-, Lauf- oder Eistraining. So vielfältig konnte ich die gesamte Saison nicht trainieren. Mittlerweile geht es mir aber körperlich und auch geistig wieder so gut, dass ich eigentlich erst jetzt wieder so richtig loslegen und von vorn beginnen kann und werde.

Frage: Die Saison 2018/19 hatte verschiedene Höhepunkte. Bei der WM in Sofia holten Südkorea und die Niederlande alle Titel… Wie beurteilen Sie das derzeitige Kräfteverhältnis im europäischen und globalen Short Track?

Bianca Walter: Ich finde in einer nacholympischen Saison ist es immer schwierig, ein Urteil über das aktuelle Leistungsvermögen einzelner Länder zu fällen. Viele Sportler hängen ihre Schlittschuhe an den Nagel, junge neue Sportler kommen hinzu, bringen Überraschungen in die Wettkämpfe, aber auch bestehende alte Teams haben nun Chancen vorn anzugreifen.

Es wird vieles neu gemischt. Dass Korea und die Niederlande führende Nationen sind, war auch schon vor dieser Saison zu erkennen. Wichtig und interessant ist, wie sich alle Teams in der neuen kommenden Saison präsentieren.

Frage: Rostock war Ende März Gastgeber des Europa-Cup-Finales „Short Track Junior Challange“. Welche Bedeutung hat aus Ihrer Sicht dieser Wettbewerb?

Bianca Walter: Am Europa-Cup-Finale nehmen nur die besten qualifizierten europäischen Junioren und Senioren der laufenden Saison teil. Es ist nach der Weltcup-Serie die zweite große darunterliegende Wettkampfreihe, aus der viele den Sprung in die Nationalmannschaft irgendwann schaffen wollen und werden. Von daher ist es heute schon interessant zu verfolgen, wer sich dort mit Top-Platzierungen bemerkbar macht, denn diejenige/derjenige ist wahrscheinlich je nach Alter schon in den nächsten Jahren auch im Weltcup zu sehen und plötzlich die neue Konkurrenz.

Dieser Wettkampf hat meiner Meinung nach eine sehr große Bedeutung für unseren Nachwuchs, aber auch für die Stadt und den Trainingsstützpunkt Rostock! …Vor allem die Chance, diesen Wettkampf überhaupt in Deutschland austragen zu können und neben den großen regelmäßigen Wettkämpfen in Dresden endlich auch anderen Städten die Möglichkeit zu geben, sich zu präsentieren und mediale Aufmerksamkeit zu bekommen. Davon profitiert nicht nur der Sport an sich in Deutschland, es wird auch die Nachwuchsarbeit in Rostock und anderen Städten gefördert.

Frage: Wie geht es jetzt für Sie weiter?

Bianca Walter: Ich werde mit hartem Training versuchen, meine alte Leistung wieder zurück zu erlangen und hoffentlich sogar zu verbessern. Aber ich weiß auch, dass der Leistungssport nicht ewig möglich ist.

Sollte ich meine sportliche Grenze irgendwann erreichen, habe ich aber auch beruflich schon „vorgesorgt“, absolvierte Praktika bei meinem Arbeitgeber, der Bundespolizei, um mich zu orientieren, wo es nach dem Leistungssport einmal genau hingehen soll. Es werden noch weitere folgen, aber ich habe einen ungefähren Plan für „das Leben danach“ und kann mich sehr entspannt auf den Sport konzentrieren.

Frage: Wann starten Sie wieder in Rostock oder sind zu Gast in M-V?

Bianca Walter: Das kann ich jetzt noch nicht sagen, erst einmal steht jetzt das Sommertraining an, das überwiegend zu Hause in Dresden stattfinden wird. Die genauen Wettkämpfe und Trainingslager stehen noch nicht zu 100 Prozent fest. Sollte aber etwas in Rostock sein und ich wäre dabei, freue ich mich wie immer sehr auf die vertraute Hansestadt! Ansonsten ist M-V für einen Kurzurlaub immer eine Reise wert.

Vielen Dank sowie weiterhin alles erdenklich Gute – persönlich, beruflich und sportlich!

mic