Pyeongchang 2018: Zwischen Short Track und Eisschnelllaufen

Eisschnelllauf
Eisschnelllauf – Symbolfoto

Die olympischen WettkÀmpfe im Blickfeld

Der Hotspot der Spiele steht mitten im Olympic Park. Die Shorttrack-Arena fĂŒr 12 000 Zuschauer brodelte auch am zweiten Tag des Festivals der Kurvenflitzer. Wenn im Staffelrennen ein Koreaner die FĂŒhrung ĂŒbernimmt, dröhnt und vibriert das Oval. Dann wĂ€re selbst der LĂ€rm von zehn PresslufthĂ€mmern nur ein sanftes SĂ€useln. Als Anna Seidel ihr Viertelfinale ĂŒber 500 Meter bestritt, waren die TribĂŒnen erst zur HĂ€lfte gefĂŒllt, dabei besaß jedes Quartett, das sich um den Aufstieg in die nĂ€chste Runde bemĂŒhte, Premiumklasse. FĂŒr die Dresdnerin aber lag dieses Ziel an diesem Tag außer Reichweite.

Der Grund: vor allem beim Start fehlt noch die ExplosivitĂ€t, wie Trainer Daniel Zetzsche erkannte. „Deshalb ist das Abschneiden weniger als wir gehofft hatten. Klar, dass solche Viertelfinale keine einfachen LĂ€ufe sind, aber eigentlich hĂ€tte sie hier mitgehen können und blieb unter ihren Möglichkeiten. Über die lĂ€ngeren Distanzen jedoch sind diese kleinen Startdefizite weniger entscheidend.“

Die Dresdnerin sah es Ă€hnlich wie ihr Trainer, erkannte „die Startschwierigkeiten“ als Ursache – und sollte dennoch einem Dutzend Medienvertretern Auskunft geben. Denen möchte sie beim nĂ€chsten Auftritt, am Samstag ĂŒber 1500 m, eine völlig andere RĂŒckmeldung geben. Und dann die ĂŒberbordende Stimmung in der Gangneung Ice Arena zu ihren Gunsten nutzen.

Joel: Bodycheck gegen den eigenen Körper

Joel Dufter (22) gilt als Typ Marke „Hier geht was.“ Der junge Mann aus Inzell spielte Eishockey und verkraftete manche Bodychecks. Beim Short Track legte er sich ins Zeug. Und seine Karriere auf der langen Bahn verlief explosiv. Als Deutscher Meister 2016 und 2017 bezwang er Nico Ihle ĂŒber 1000 m, erntete beim Weltcup in Heerenveen mit Platz 5 (in 1:08,87 Minuten) viel Respekt. Bundestrainer Van Veen pries den Shooting Star beim Medienseminar der DESG zu Saisonbeginn als große Hoffnung an. Der Joel wĂŒrde das Ding schon rocken.

Alles kam anders. Ein Virus stoppte die Nordamerika-PlĂ€ne. Auf den schnellen Bahnen wollte er seine persönlichen Bestzeiten markant verbessern. Hello, here comes Joel. Dann Aussetzen in Calgary, ĂŒber die schnelle Bahn von Salt Lake City förmlich „geschoben“. Und die durch die Erkrankung verloren Körner kehrten nicht zurĂŒck. „Ich schleppte mich von Rennen zu Rennen, musste fast wieder bei Null anfangen.“ Ein Senkrechtstarter, der schon auf der Abschussrampe stecken blieb. Bittere Erfahrungen. Statt vornedran hinterher. „StĂŒck fĂŒr StĂŒck“ arbeitete sich Dufter zurĂŒck, beim Weltcup in Erfurt wollte er den Anschluss herstellen. Die Beine fĂŒhlten sich tatsĂ€chlich besser an, die Platzierung indes: medioker.

Langsam kommt vor seinem FĂŒnfringe-DebĂŒt der „richtige Spaß“ am Skaten zurĂŒck. Entspannt absolviert er wieder schnellere Runden. „Ich habe riesige Lust, zum Ballern auf dem Eis.“ Dazu will er jetzt noch am Start feilen. Um auf „seinen“ 1000 Meter abzuliefern. „Unter 1:09“ will er laufen, die Medaillen gingen aber mit „tiefen 8er-Zeiten weg“, glaubt er. Dh. ein Top-Ten-Platz scheint das Maß aller Dinge. WĂ€re ein Deal fĂŒr den Olympia-Novizen.

Mit Moritz Geisreiter bewohnt Joel ein Zimmer im Dorf der HochhĂ€user Gangneungs. Gut findet er, dass man lĂ€nger schlafen könne – denn der Tag endet nicht vor Mitternacht. Am Anfang ĂŒberwĂ€ltigten die frischen olympischen EindrĂŒcke, inzwischen pendelt sich „der Alltag“ ein. Fachsimpeln, spielen, reden, schreiben als Alternativ-Programm. Spazierengehen, die Stadt erkunden lĂ€uft nicht. Viel zu kalt, windig und damit risikoreich.

Im Vorfeld hatten Trainer und Sportler auch diskutiert, vielleicht wie 500-m-Vizeweltmeister Nico Ihle eine SpĂ€tanreise via Berlin – und vorher gemeinsam in der Heimat zu trainieren – zu erwĂ€gen. Aber dazu sind die beiden vom Corpus wie den Trainings-Spezifika (UmfĂ€nge, Geschwindigkeiten) zu unterschiedlich. Also ging jeder seinen Weg. Nico wĂ€hlte eine deutliche spĂ€tere Anreise. Gemeinsam stehen sie zunĂ€chst bei der Sprint-Entscheidung am nĂ€chsten Montag auf dem Eis des Gangneung Oval. Joel will sich aber dann ĂŒber 1000 m (23.2.) den Frust der letzten Wochen von der Seele laufen. „Ich bin wieder da.“

 

Quelle: PM Klaus Dobbratz/Beate Dobbratz, DESG-Presse

 

 

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